27/08/2026
„Sie schon wieder.“
Ein kurzer Satz im Vorbeigehen.
Dabei hatte sie aufgrund ihrer Funktion wie auch ihres Überblicks eine Entwicklung angesprochen und ihre Einschätzung eingebracht.
Die Rückmeldung war unbequem.
Im Umfeld der Geschäftsführung kann dann eine besondere Dynamik entstehen.
Vor allem, wenn mehrere Führungskräfte nahe an ihr angesiedelt sind, jemand jedoch mehr informellen Einfluss hat, häufiger ihre Nähe sucht oder dort stärker positioniert ist.
Ich nenne ihn den „Königsflüsterer“.
Spricht nun jemand etwas an, das auch dessen Verantwortung oder Position berührt, kann diese Nähe plötzlich gefährdet erscheinen.
Denn im Raum könnte auch eine andere Frage stehen: Warum ist dir oder uns das nicht aufgefallen?
Dann verschiebt sich der Fokus.
Sie ist schwierig geworden.
Sie ist ständig negativ.
Vielleicht braucht sie Unterstützung.
Die Sachfrage rückt in den Hintergrund.
Zum Thema wird diejenige, die sie eingebracht hat.
Das muss keine bewusste Manipulation sein. Unsicherheit, Statusbedrohung oder der Versuch, die eigene Position zu sichern, können dahinterstehen.
Ebenso kann es sich um gezielte manipulative Machtausübung handeln.
Problematisch wird es, wenn sich diese Zuschreibung im Unternehmen verselbstständigt und daraus ein „Die schon wieder“ wird.
Andere übernehmen das Narrativ, ergänzen es mit eigenen Interpretationen, Erfahrungen oder Unsicherheiten. Irgendwann wird eine Wortmeldung nicht mehr nach ihrem Inhalt beurteilt.
Die Bewertung der Person ist bereits da, bevor sie ausgesprochen hat.
Für die Führung wird interessant, aus welcher Richtung solche Zuschreibungen kommen, wie sie sich anschließend im Unternehmen verbreiten und Einschätzungen längst beeinflussen.
Kritisch wird es, wenn die Interpretation einer Person zur maßgeblichen Wahrheit wird.
Spätestens dann braucht es Gespräche miteinander statt weiterer Gespräche übereinander.
Denn möglicherweise ist nicht die Führungskraft das eigentliche Problem.
Möglicherweise weist sie auf eines hin.
Wer selbst in diese Verschiebung gerät, kann zunächst trennen:
Was war meine ursprüngliche Sachbeobachtung?
Welche konkrete Antwort habe ich darauf erhalten?
Wann wurde aus der Sache plötzlich eine Bewertung meiner Person?
Diese Trennung hilft, im nächsten Gespräch wieder auf die Sachebene zurückzukommen.
Wenn aus Argumenten irgendwann Bewertungen über Menschen werden, verändert sich auch, wer künftig noch bereit ist, Unbequemes auszusprechen.
Was braucht es, damit Widerspruch im Unternehmen tatsächlich möglich bleibt?
Alles beginnt im Kopf.
Master your Mind · Master your Business.