05/06/2016
Eine sehr schöne Kritik von Herrn Frank-Dietrich Müller, dem Vorsitzenden der Mitteldeutschen Barock – Compagney e.V.
zu den Lux Festspielen 2016 - vielen Dank Herr Müller dafür :)
Ex Ruhlae Lux!
Am Wochenende gab es in der Ruhlaer St. Trinitatis Kirche, der Eisenacher Georgenkirche und im Telemann-Saal im Schloß Wilhelmsthal drei ausgesprochen bemerkenswerte Konzerte im Rahmen der Lux-Festspiele 2016.
Beim Sinfoniekonzert mit der Landeskapelle am Freitag in der St. Trinitatis Kirche in Ruhla gab es die Welturaufführung einer wunderschönen und musikalisch reifen Erstlingssinfonie des gebürtigen Ruhlaers Friedrich Lux zu hören. Dieses im Jahre 1846 in Ruhla (!) komponierte Werk ist erst kürzlich in Familienarchiven wieder aufgetaucht, galt lange als verloren und wurde nun erstmals zu Gehör gebracht - ein wahrer Schatz ist gehoben!
Der damals erst 26jährige Friedrich Lux zeigte sich darin
als ausgesprochen auf der Höhe seiner Zeit und von bemerkenswert reifer kompositorischer Handwerkskunst. Muß er sich doch als Zeitgenosse mit Brahms und Bruckner vergleichen lassen, als Schöpfer von Fugen sogar mit dem gerade mal 100 Jahre toten "Nachbarn" Johann Sebastian Bach! Daß er dieser Aufgabe standesgemäß gewachsen war, bewies er im Schlußsatz seiner Sinfonie bravourös - einer thematisch anspruchsvollen und ausgesprochen interessant verarbeiteten Fuge. Dafür erhielt die Landeskapelle unter ihrem Gastdirigenten Florian Krumpöck langen und begeisterten Applaus. Besonders hervorstechend war dabei das ausdrucksstark und wunderschön gestaltete Cello-Solo von Andreas Gruner. Glückwunsch!
Der Sinfonie vorangegangen war Beethovens 5. Klavierkonzert in Es -Dur, wunderschön gespielt von der jungen Russin Tatjana Kachko. Die derzeit an der Weimarer Hochschule im Konzertexamen befindliche junge Frau spielte das Konzert technisch souverän (und "natürlich" auswendig!) sowie musikalisch ausgesprochen reif. Besonders ihre Rubati waren von ausgesprochen reifer Art beseelt. ("Rubato" = ital. "geraubt", hier "stielt" sich der Künstler an Übergängen gewissermaßen zur harmonischen Überleitung etwas Tempo) Von ihr wird man sicher noch hören!
Dieses Klavierkonzert erlebte seinerzeit seine öffentliche Uraufführung mit Friedrich Schneider, dem Lehrer von Lux, am Klavier im Leipziger Gewandthaus.
Am Samstag erfolgte Teil II: Im akustisch bei gefülltem Saal so wunderschönen Wilhelmsthaler Telemannsaal brachte das dazu extra aus Wien angereiste junge "Friedrich Lux" - Streichquartett mit Maria Fomina (Vl I), Noriko Takenaka (Vl II), Anna Firsanowa an der Bratsche und Kenta Uno am Violoncello drei wunderschöne Streichquartette von Lux zu Ohren. Vor leider nicht ganz gefülltem Saal (wo waren die Eisenacher ?!) erklang zunächst das Quartett op. 58 in d-Moll, das der damals 57jährige in seiner Mainzer Zeit als Beitrag zu einem Kompositionswttbewerb geschrieben hatte, den er damit gewann. Es ist ein reifes Werk, das in der damaligen
Zeit auf große Resonanz stieß. Am meisten beeindruckte dabei der letzte Satz, ein Fugato. Auch hier konnte Lux seine bestechenden diesbezüglichen Fähigkeiten demonstrieren - ein wahrhaftes Meisterwerk, das keinen Vergleich mit berühmteren Zeitgenossen zu scheuen braucht und in der Verarbeitung seiner Zeit um Jahrzehnte vorauseilt.
Nicht umsonst wurde dieser Satz nach langen und intensiven "Standing Ovations" als Zugabe noch einmal dargeboten. Sein kompositorisches Niveau konnte Lux aber auch mit den folgenden Werken in C-Dur (Op. 87) und g-Moll (Op.95) unter Beweis stellen - kongenial interpretiert von den jungen Künstlern. Zum Abschluß dankte der Vorsitzende des Lux -Festspiel -Vereins e.V., Dr. Gerald Slotosch, allen in der Organisation und Technik beteiligten Mitarbeitern, die dafür ebenfalls herzlichen Beifall erhielten. Es ist bewundernswert, was dieser eher kleine Verein, der sich nicht auf eine Lux'sche Berühmtheit stützen kann wie Telemann- und Bachvereine, dieses Jahr auf die Beine gestellt hat. Und hoffentlich in zwei Jahren zur nächsten Runde wieder so gut hinkriegt!
Man kann den Verantwortlichen dazu nur Mut, Sponsoren und angemessenes Interesse wünschen.
Und ihnen dafür danken, daß Lux wieder erstrahlt und seine besten musikalischen Jahre noch vor sich hat.
Frank-Dietrich Müller