27/04/2013
Sagen und Tun sind nicht das Gleiche !
Die folgende Geschichte hat mich so beschäftigt, dass ich nach einer kurzen Schaffenspause meinen Blog über Beziehungs- und Service-Erlebnisse wieder aufnehme …
Gestern abend um 23.00 Uhr habe ich über Internet einen Flug nach Warschau gebucht. Genau als ich "bestätigen" drücke, fällt mir auf, dass ich am Freitag von Warschau nach Zürich und am Sonntag von Zürich nach Warschau eingegeben habe. Uff, genau die Gegenrichtung …. zu spät … und keine Annullation möglich. Durch das Surfen für verschiedene Angebote hat die Suchmaschine schlussendlich seine eigenen Destinationen abgespeichert.
Was mache ich denn da ? Zum Glück bietet Swiss eine Hotline - also wähle ich die Nummer und gehe durch das für Grosskonzerne normale Prozedere, welches wie folgt tönt:
"Möchten Sie ….,drücken Sie die 1, die 2 usw. Sehr geehrter Kunde, Sie sind uns wichtig, bitte bleiben Sie am Apparat. Alle Ihre Ansprechspartner sind momentan besetzt. Wir bedienen Sie sobald wie möglich.*
Plötzlich - ca. nach 2 Minuten - kommt die Ansage: "Lieber Kunde, wenn Sie zur rascheren Bedienung einen englischsprachigen Ansprechpartner möchten, drücken Sie die Taste 2". Während ich mir denke, dass der Anruf jetzt wohl irgendwo in Indien landet, drücke ich die 2 und bin überzeugt, dass es sich jetzt nur noch um Sekunden handeln kann …. aber im Rhythmus von 30 Sekunden höre ich immer wieder: "Sehr geehrter Kunde, Sie sind uns wichtig, bitte bleiben Sie am Apparat. Alle Ihre Ansprechspartner sind momentan besetzt. Wir bedienen Sie sobald wie möglich."
Ich habe definitiv keine Lust, Fr. 300.- durch dieses Missgeschick abzuschreiben und sehe diesen Anruf als letzte Möglichkeit. Also bleibe ich hartnäckig. Ich leite das Gespräch auf Lautsprecher und lege mich ins Bett. Ich kämpfe mit fallenden Augenliedern und höre in regelmässigem Abstand: "Lieber Kunde, Sie sind uns wichtig …. Lieber Kunde, Sie sind uns wichtig …." Plötzlich schrecke ich aus dem Schlaf auf. Eine weibliche sympathische Stimme tönt aus dem Lautsprecher: Hello … is there somebody ? How can I help you ? Ich weiss sofort, jetzt oder nie. Freundlich bleiben … nur sie kann den Flug annullieren. Und es klappt, nach 45 Sekunden Gespräch habe ich Fr. 300.- gespart.
Als ich das Handy auf den Nachttisch zurücklege, checke ich kurz die Dauer des Anrufes: 49 Minuten und 38 Sekunden ….während meine Augen wieder zufallen, läuft in mir die Aussage ab: "Lieber Kunde, Sie sind uns wichtig …."
Auch wenn ich dankbar bin, dass der Flug annulliert wurde, kann ich den Kundendienst der Swiss nicht mehr ernst nehmen. Obwohl mir die Swiss gefühlte 100 Mal gesagt hat, dass ich wichtig bin …. Wie hätte ich wohl reagiert, wenn die freundliche Dame den Flug nicht annulliert hätte ?