29/01/2022
LINES&SPACES
2021
Meine Deckenarbeit im überkonfessionellen Besinnungsraum zeigt Liniengebilde aus fragmentarischen Tapetenstücken, in deren Textur sich Wolkenbilder räumlich ein-geschrieben haben.
Die frei geführte Linie zieht sich über das ganze Tonnengewölbe, nimmt unerwartete Wendungen, verschwindet aus dem Blickfeld und taucht wieder auf, um sich an ei-ner anderen Stelle fortzusetzen. Der Anfangspunkt bleibt in gleicher Weise undefi-niert wie das Ende des Linienflusses.
Die einzelnen, zugeschnittenen Tapetenstücke fügen sich aneinander und überein-ander und sind an ihren Schnittstellen oft leicht verschoben. Dadurch entstehen überraschende Richtungswechsel und veränderte perspektivische Wahrnehmungen. Schliesslich erweitern die Wolkenbilder auf den Tapeten den Blick in eine räumliche Tiefe, die sich einer eindeutigen Perspektive entzieht.
Die Tapeten erinnern an Innenräume, an einen Raum, wo sich Menschen physisch treffen können. Gleichzeitig öffnen die Wolkenbilder diesen realen Raum nach au-ssen in den unendlichen Raum, in den Kosmos. Die Wolkenbilder, die auf verschie-dene Tapeten gedruckt sind, schreiben sich unterschiedlich in die Texturen der je-weiligen Tapete ein. In einzelnen Ausschnitten verschwinden sie in den Strukturen, legen das verborgene Muster frei und verweisen dadurch auf den Innenraum. Doch bereits in einem nächsten Abschnitt tritt das nicht wirklich Fassbare der Wolken in den Vordergrund, sodass der Bezug zur immateriellen Welt sichtbar und spürbar wird. Unser Blick bekommt die Möglichkeit zwischen verschiedenen Räumen und Wahrnehmungen zu pendeln. Die Idee der Bewegung zeigt sich auch im Fluss der Linie, die sich stets verändert, endlos scheint, sodass die bewegte Linie und die fra-gilen Wolkengebilde als Fragmente eines nicht fassbaren Ganzen aufscheinen, wahrnehmbar nur in einem kurzen Moment als Spuren von Raum und Zeit, die in ihrem endlosen Wechsel dennoch auf die Dauer hinweisen.
Raum der Stille, überkonfessionellen Besinnungsraum in Stans, Nidwalden, Schweiz.
My ceiling work in the interdenominational reflection room shows line formations of fragmentary wallpaper pieces, into whose texture cloud images have spatially inscribed themselves.
The freely guided line (14 Lines) stretches across the entire barrel vault, takes unexpected turns, disappears from view, and reappears to continue at another point. The starting point remains undefined in the same way as the end of the line flow.
The individual, cut pieces of wallpaper fit together and on top of each other and are often slightly displaced at their intersections. This creates surprising changes of direction and altered perceptions of perspective. Finally, the cloud images on the wallpaper expand the view into a spatial depth that eludes a clear perspective.
The wallpapers are reminiscent of interiors, of a space where people can physically meet. At the same time, the cloud paintings open this real space outward into infinite space, into the cosmos. The cloud images, printed on different wallpapers, inscribe themselves differently into the textures of the respective wallpaper. In individual sections, they disappear into the structures, exposing the hidden pattern and thus referring to the interior. But already in a next section the not really comprehensible of the clouds comes to the fore, so that the reference to the immaterial world becomes visible and perceptible. Our gaze is given the opportunity to oscillate between different spaces and perceptions. The idea of movement is also evident in the flow of the line, which is always changing, seems endless, so that the moving line and the fragile cloud formations appear as fragments of an intangible whole, perceptible only in a brief moment as traces of space and time, which in their endless change nevertheless point to duration.
Work: Room of Silence, Interdenominational reflection room in Stans, Nidwalden, Switzerland.