12/10/2026
Wenn der Redner selbst trauert …
Als freier Redner begleite ich viele Familien beim Abschied. Ich erzähle Geschichten, lasse Erinnerungen aufleben und versuche, mit meinen Worten ein wenig Trost zu schenken.
Doch dann stand ich selbst vor einer ganz besonderen Aufgabe.
Ich habe die Trauerrede für einen Menschen aus meiner eigenen Familie gehalten.
Diesmal waren es nicht nur die Erinnerungen anderer, von denen ich erzählte. Es waren auch meine eigenen.
Vor mir saßen Menschen, mit denen ich selbst so vieles erlebt und geteilt habe. Menschen, die genauso traurig waren wie ich.
Natürlich hatte ich meine Rede vorbereitet. So, wie ich es immer mache. Mit viel Herz, mit schönen Erinnerungen und auch mit Momenten, die ein kleines Lächeln schenken sollten.
Aber sie dann zu halten, war etwas ganz anderes.
Da war plötzlich dieser Kloß im Hals. Die Stimme wurde brüchig. Manche Erinnerungen gingen mir so nah, dass ich kurz innehalten musste.
Und ja, da waren auch Tränen.
Darf einem Redner so etwas passieren?
Aber natürlich. Auch ich bin ein Mensch, der liebt, vermisst und traurig ist.
Diese Erfahrung hat mir noch einmal auf eine sehr persönliche Weise gezeigt, was die Familien fühlen, die ich sonst bei ihren Abschieden begleite.
Wie schwer es sein kann, einen geliebten Menschen gehen zu lassen. Und wie schön es gleichzeitig ist, noch einmal gemeinsam auf sein Leben zurückzublicken.
Vielleicht nehme ich genau das auch für meine Arbeit als Redner mit.
Dass nicht jeder Satz perfekt sitzen muss. Dass ein kleiner Moment Stille manchmal dazugehört. Und dass neben den Tränen auch gelacht werden darf.
An diesem Tag war ich Redner und Angehöriger zugleich.
Das war nicht leicht. Aber ich bin froh, dass ich diese letzte Geschichte selbst erzählen durfte. ❤️