12/04/2026
Akademiedirektorin Friederike Krippner hat im rbb24 Inforadio dafür geworben, Grautöne und Ambiguitäten auszuhalten. Dies gelte etwa in Debatten über die je eigene Haltung zu Krieg und Frieden, aber auch bei politischen Auseinandersetzungen über andere Fragen.
+++ Weitere Ausstrahlungen heute (Karfreitag) um 12:33 Uhr und 18:33 Uhr +++
In dem Gespräch ging es unter anderem um die EKD-Friedensdenkschrift vom vergangenen Herbst. Als deren theologischen Grundgedanken der Denkschrift beschrieb Krippner, Frieden als eine Verheißung Gottes zu verstehen: also als etwas, das „auf Erden nicht allein durch Menschen hergestellt werden kann, aber mit der Gnade Gottes gelingen kann“. „Wir gehen davon aus: Es gibt diese Verheißung Gottes, aber es gilt damit umzugehen in einer ‚unerlösten‘ Welt mit all ihren Unzulänglichkeiten.“
Die Abwägung, was das zu einer konkreten Frage wie der eigenen Haltung zur Wehrpflicht in der Praxis bedeutete, könne am Ende stets nur im politischen Einzelfall getroffen werden. „Die Ethik kann aber Orientierung dafür geben, wie der jeweils zu beurteilen ist“, so Krippner weiter. „Es ist ein sehr starkes Plädoyer dafür, nicht zu schnell ins ‚gut‘ oder ins ‚böse‘ zu verfallen, sondern jede politische Situation in ihrer Komplexität wahrzunehmen.“ Dazu gehöre, die Folgen einer Entscheidung für eine bestimmte Haltung dann auch zu Ende zu denken.
Mit Blick auf Bedrohungen für die Demokratie und den Umgang mit menschenfeindlichen politischen Haltungen warb die Akademiedirektorin für eine Diskussionskultur, „die ganz stark im Zuhören liegt“. Dabei sehe sie alle in der Verantwortung: Politik, Journalismus, aber auch jeden und jede Einzelne. Es gelte, bei allen Schwierigkeiten im Gespräch zu bleiben und keine Brücken abzubrechen.
Krippner betonte: „Ich glaube, dass es immer die Chance gibt zu verändern. Ich glaube, dass wir immer noch in einer sehr starken Demokratie leben.“ Der überwiegende Teil der Wählerinnen und Wähler wolle demokratische Kräfte und zweifle nicht grundsätzlich am demokratischen System.
Interview anhören: www.eaberlin.de/plaedoyer-fuer-komplexitaet
Foto: Karin Baumann / EAzB