11/12/2025
Ich habe Empathie neu verstanden – beim Spielen mit einer Carrerabahn. 🚗
Am Wochenende hatte ich Familienbesuch mit Enkeln. Wir bauten die Carrerabahn auf und hatten eine Menge Spaß beim Wettrennen.
Abends als unser Besuch abgefahren ist, wollten wir es nochmal wissen - wer ist schneller.
Wir rasten im Kreis, mal flog der eine, mal der andere aus der Kurve.
Dann merkte ich - ich will was anderes - nicht mehr schnell, nicht mehr die Hektik, den Stress - nicht mehr das Gegeneinander, sondern MITEINANDER.
Gleiches Tempo, gleiche Kurve, gleiche Linie.
Was anfangs nach einem Kinderspiel klang, wurde zur Herausforderung. Mal war mein Partner zu schnell, mal zu langsam. Mal zog ich vor, mal fiel ich zurück.
Es war gar nicht so leicht, den Rhythmus zu halten, wenn der andere den Takt vorgibt.
Da fiel mir ein Satz von Marshall B. Rosenberg ein:
„Empathie führt nicht – sie folgt.“ 🌿
Empathie heißt nicht, vorauszufahren und den Weg zu bestimmen. Empathie heißt, aufmerksam zu werden. Zu spüren, wo wie viel Tempo beim anderen gerade möglich ist, zu akzeptieren, wie schnell wie langsam der andere fährt.
Führung funktioniert ähnlich. 🧭
Viele glauben, Führung bedeute, voranzugehen, Orientierung zu geben, Tempo zu machen. Und ja, das ist ein Teil davon.
Empathie bringt eine andere Bewegung hinein. Sie erinnert uns daran, dass Führen ohne Selbst- und Fremdwahrnehmung keine Verbindung schafft.
Wenn wir immer vorne fahren, verlieren wir den Kontakt.
Wenn wir zu sehr folgen, fühlen sich Menschen eingeengt, bedrängt und nicht akzeptiert.
Empathische Führung balanciert beides:
🤝 Sie folgt der Beziehung wegen.
💬 Und sie führt um Ziele zu erreichen.
In Coachings erlebe ich oft Führungskräfte, die diese Spannung gut kennen:
Zwischen dem Wunsch stark zu sein und der Fähigkeit sich einzustimmen.
Empathie bedeutet, den inneren Abstand zu verringern, ohne dabei sich selbst zu verlieren.
Beim Fahren mit der Carrerabahn bedeutet es, sich seiner eigenen Spur bewusst zu sein, während man neben dem anderen fährt.
Das braucht Bewusstheit, Übung und Selbstreflexion, manchmal einfach mitzuschwingen, statt zu steuern.
Vielleicht ist das das Schönste, was man auf einer Carrerabahn lernen kann:
Dass Führung nicht immer darin besteht, schnell zu gewinnen.
Sondern darin, in Verbindung zu bleiben, während alles in Bewegung ist mit dem Blick auf das Ziel.
Gegen einen Sprint ist zum ein oder anderen Zeitpunkt nichts einzuwenden. Doch auf Dauer steigt die Gefahr, dass es einem so geht wie uns zu Beginn: Wir fliegen aus der Bahn und der Schaden betrifft Menschen.
Wie gelingt es Ihnen, im Führungsalltag den Rhythmus anderer wahrzunehmen – ohne sich selbst zu verlieren?