22/07/2022
Tag 6: Regatta
Freitag, Palamut
Die Länge des Rumpfes ist der entscheidende Parameter für die Schnelligkeit eines Schiffes. Je länger desto schneller. Der Skipper einer Bavaria 42, die neben uns segelt, lädt uns über Funk zu einer Regatta ein.
Das hätte er nicht gemusst, denn 2 Segelschiffe, die in einer Richtung unterwegs sind, segeln immer eine Regatta.
Seine Andiamo ist 2 Meter kürzer als unsere Dharma. Es geht um eine Flasche Raki, türkischen Schnaps. Bei dem wenigen Wind, den wir haben, segelt uns die 42er auf und davon, denn unser Schiff ist nicht nur länger, sondern auch bedeutend schwerer. Nur noch 10 Seemeilen bis Turgutreis, unserem Heimathafen und die Andiamo in weiter Ferne voraus.
Aber dann: Wir kommen aus der Landabdeckung von Kos und der Wind frischt auf über 20 Knoten, Windstärke 6, auf. Mit voller Besegelung legt sich die Dharma ziemlich auf die Seite, kommt der Andiamo aber auch sofort näher. Jagdfieber erfasst Skipper und Crew.
Eigentlich hätten wir jetzt unsere Abschluss-Feedbackrunde machen wollen. Aber wie im richtigen Leben dominiert das operative Geschäft jede noch so sorgfältige Planung. Und was für ein operatives Geschäft wir haben. Es geht schließlich nicht nur um eine Flasche Raki, sondern um die Ehre!
Die Jagd dauert über eine Stunde. Eine Wende müssen wir fahren. Die gelingt uns besser als unserem Gegner. Segel trimmen. Sauber steuern. Co-Skipper Martin macht das perfekt. Wir kommen näher und näher und passieren schließlich unter Freudengeheul in Lee. Die Crew ist glücklich. Einen besseren Abschluss kann es nicht geben!
Turgutreis, D-Marina, Steg A, wir sind wieder im Heimathafen angekommen. Die letzte Reflexion der gerade gemachten Erfahrungen. Die Abschluss-Feedbackrunde müssen wir nun nachholen, weil wir ja lieber segeln wollten. Sie dauert bis weit nach 20.00 Uhr. Es gibt so viel zu sagen und zu hören. Eigentlich will keiner aufhören mit dem Seminar.
Realtime-Training, Echtzeit-Transfer, ist das Motto und der Anspruch des Seminars Wahrschau! Führen durch klaren Kurs. Lebendige Erfahrungen sofort und an Ort und Stelle integrieren und damit einen unmittelbaren, konkreten Nutzen in die eigene Lebens- und Arbeitswelt mitnehmen.
Das Teilnehmer-Feedback bestätigt, dass es funktioniert. Als besonders wertvoll wird die Verknüpfung von seemännischen Aktivitäten und Vorgängen im Führungsalltag gesehen. Das Leben auf dem Schiff als Metapher für das Leben in Unternehmen.
Ein Zitat von Marco: „Der Aktionsradius auf dem Schiff bietet so viele Analogien zu Führungsaufgaben, dass man fast auf ein strukturiertes Seminar-Programm verzichten kann.“
Lieber Marco, man kann, aber man muss nicht