04/08/2021
So schön zusammengefasst von Nora Imlau 💛. Jedes Kind entwickelt sich in seinem Tempo und mit individuellen Vorlieben. Unsere Aufgabe, als Erwachsene, Eltern, Bezugspersonen, ist es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nähe und Freiraum zu schaffen - der sichere Hafen zu sein. Und zu vertrauen.
Dass Kinder wachsen und groß werden wollen, liegt in der Natur. Niemand will für immer das Nesthäkchen sein. Aber: Rückversicherung und Geborgenheit bleibt für viele Kinder länger wichtig, als unsere auf Selbstständigkeit und Autonomie versessene Kultur es oft für angemessen erachtet.
Ich versuche deshalb, mich von Altersangaben zu lösen, die uns vorschreiben wollen, was meine Kinder wann alleine können sollen. Und ihnen und mir zu erlauben, dass sie gleichzeitig klein und groß sein dürfen.
Verbundenheit und Freiheit, Sicherheit und Autonomie - zwischen diesen Polen passiert, was wir Wachstum nennen, bei Kindern wie bei Erwachsenen.
Für mich heißt das: Es ist kein Widerspruch, meine Kinder lang zu stillen und sie früh in den Kindergarten gehen zu lassen. Sie Abend für Abend in den Schlaf zu begleiten und genau diese Aufgabe ab und zu auch an andere abzutreten.
Den Rahmen dafür, wie viel Freiheit und wie viel Verbundenheit gerade dran ist, stecken wir dabei gemeinsam ab: je nach Tagesform, je nach Ressourcen, je nach Situation.
Für mich hat es sich zum Beispiel immer stimmig angefühlt, das Festhalten und Loslassen in den ersten Lebensjahren an unsere Stillbeziehung zu knüpfen: je länger meine Kinder auch mal ohne Stillen sein konnten, desto länger konnten sie auch ohne mich sein. So kamen wir am Anfang auf wenige Stunden ohne einander, und später auf ganze Tage, aber lange nicht auf ganze Nächte.
Dazu kommt die Individualität eines jeden Kindes: eins unserer Kinder schläft am liebsten bei uns, eins lieber im eigenen Bett. Eins will abends in den Schlaf begleitet werden, eins schläft lieber allein ein. Bei einem unserer Kinder war der Schnuller ein Segen, bei einem der Kinderwagen, bei einem das Tragetuch. Eines aß schon ganz früh am Tisch mit, eins sehr spät. Eins mochte lieber Brei, ein anderes Fingerfood. Und immer so weiter.
Jedes Kind ist anders, und jede Familien ist das anders. Und das ist okay.
Wichtig finde ich nur, dass wir nicht mit Gewalt versuchen, unsere Kinder zum Großwerden zu drängen. Sondern dass sie bei uns klein sein dürfen, auch mit zwei oder acht oder dreizehn Jahren noch. Dann werden sie ganz von alleine groß.