Inkassounternehmen
Ein Inkassounternehmen, auch Inkassobüro genannt, ist ein Dienstleistungsunternehmen, das Gläubigern dazu
verhilft, das ihnen geschuldete Geld zu erlangen. Dies ist juristisch ausgedrückt „gewerbsmäßige Einziehung von
Forderungen“. Die Rechtsform eines sogenannten Inkassovertrages ist in der Regel ein Geschäftsbesorgungsvertrag
mit Dienstleistungscharakter. Arten von Inkassount
ernehmen
Ein kleiner Teil der Inkassobüros sind Abteilungen von Rechtsanwaltskanzleien, die sich auf das Beitreiben von
Forderungen spezialisiert haben. Manche davon arbeiten so schnell, effektiv und kostengünstig wie die großen
Inkassounternehmen, haben dabei aber zum Teil bessere Beitreibungsquoten. Dies dürfte vor allem dem latenten
psychologischen „Bedrohungspotenzial“ durch Anwaltsbriefköpfe zu verdanken sein, die wesentlich
einschüchternder wirken und, ohne speziell darauf einzugehen, eine Beitreibung mit gerichtlicher Hilfe implizieren. Ein besonderes Inkasso ist das Insolvenzverwalter-Inkasso, ein spezielles Inkasso für Insolvenzverwalter mit dem
Ziel, die Beitreibungsquote deutlich zu erhöhen und damit die Chancen auf ein Überleben der in die Insolvenz
geratenen Betriebe und die Erhaltung ihre Arbeitsplätze zu erhöhen. In der Vergangenheit sind große Gläubiger (insb. Banken) dazu übergegangen, das Inkasso an Inkassobüros
auszulagern. Einer der Gründe war, dass die externen Kosten des Inkassobüros auf den Schuldner abwälzbar sind,
die Kosten der internen Abwicklung der Forderungen jedoch nicht. Teilweise wurden Tochtergesellschaften
gegründet, um dieses Inkasso durchzuführen. Arten von Inkassogeschäften
• Der Gläubiger beauftragt das Inkassobüro, seine Forderungen beim Schuldner einzutreiben. Das Inkassobüro
handelt dann aufgrund einer Vollmacht des Gläubigers. Das Risiko, die Forderung nicht realisieren zu können,
verbleibt beim Gläubiger.
• Der Gläubiger verkauft seine Forderung (zumeist mit einem hohen Abschlag) an das Inkassobüro. Das
Inkassobüro handelt aufgrund einer Abtretungserklärung des Auftraggebers. Das Risiko, die Forderung nicht
realisieren zu können, übernimmt das Inkassobüro. Arbeitsweise
Typische Arbeitsmethoden von Inkassounternehmen sind:
• Den Schuldner durch wiederholte briefliche, telefonische oder persönliche Mahnungen zur Zahlung zu bewegen,
• gerichtliche Mahn-/Vollstreckungsbescheide veranlassen (Inkassounternehmen dürfen seit Inkrafttreten des RDG
zum 1. Juli 2008 auch im gerichtlichen Mahnverfahren tätig werden),
• durch Zwangsvollstreckung (bei Vorliegen eines vollstreckbaren Titels) mit Hilfe des Gerichtsvollziehers eine
Pfändung herbeiführen, insbesondere auch einen Haftbefehl zur Erzwingung der Abgabe der eidesstattlichen
Versicherung beantragen,
• die Information des Schuldners über mögliche juristische Folgen seiner Säumigkeit (Klage, Pfändung usw.),
• das Auffinden von Werten, die sich im Eigentum des Schuldners befinden und dem Gerichtsvollzieher für eine
Pfändung empfohlen werden, zum Beispiel vom Schuldner verstecktes Bargeld, versteckter Schmuck oder
verborgene Bankkonten,
• das Verwerten von Kreditsicherheiten,
• das Aushandeln und Abwickeln von Ratenzahlungen, Stundungs- und Vergleichsvereinbarungen,