30/04/2026
Strom im Überfluss – und ein paar Stunden später wieder Mangel
Was derzeit am Strommarkt passiert, ist aus technischer Sicht längst erklärbar – aber politisch noch immer ungelöst.
Wenn man sich die aktuellen Spotpreise anschaut, sieht man innerhalb eines Tages extreme Schwankungen:
Mittags teilweise bis zu -49 ct/kWh, am Abend dann wieder deutlich über 15–18 ct/kWh. Das ist kein Ausreißer mehr, sondern mittlerweile ein regelmäßiges Muster.
Der Hintergrund ist relativ klar:
Zu Mittag produzieren Photovoltaikanlagen enorme Mengen Strom, die aktuell nicht vollständig genutzt oder gespeichert werden können. Das führt dazu, dass Strom im Überfluss vorhanden ist – teilweise so viel, dass er „verschenkt“ wird oder man sogar dafür zahlen muss, dass ihn jemand abnimmt.
Ein paar Stunden später dreht sich die Situation komplett:
Die Sonne ist weg, der Verbrauch steigt, und es fehlt genau dieser Strom wieder. Ergebnis: steigende Preise.
Technisch gesehen haben wir kein Erzeugungsproblem mehr, sondern ein Zeitproblem.
Strom ist genau dann im Überfluss vorhanden, wenn wir ihn nicht brauchen – und fehlt dann, wenn die Nachfrage hoch ist. Ohne ausreichende Speicher verschärft sich dieser Effekt immer weiter.
Aus meiner Sicht wird man langfristig nicht darum herumkommen, das Thema Speicher deutlich ernster zu nehmen.
Es reicht nicht, nur den Ausbau von PV-Anlagen voranzutreiben – das System muss als Ganzes funktionieren.
Ein zusätzlicher, oft unterschätzter Hebel wäre hier die Rückspeisung von E-Autos ins Netz.
Wenn Fahrzeuge nicht nur laden, sondern bei Bedarf auch Energie wieder abgeben könnten (Vehicle-to-Grid), hätten wir schlagartig eine enorme, dezentrale Speicherkapazität im System.
Genau hier braucht es klare Vorgaben:
Die Technik ist grundsätzlich vorhanden – aber sie wird von vielen Herstellern noch nicht konsequent umgesetzt.
Wenn man diesen Weg ernsthaft gehen will, wird man auf politischer Ebene – insbesondere auf EU-Ebene – Rahmenbedingungen schaffen müssen, die:
- bidirektionales Laden zum Standard machen
- Fahrzeughersteller in die Pflicht nehmen
- und die Integration ins Stromnetz sauber regeln
Das wäre ein echter Hebel, um solche extremen Preisschwankungen deutlich abzufedern.
Solange diese Bausteine fehlen, werden wir genau solche Preisverläufe weiterhin sehen.
Manfred Schmelzer
Manfred Schmelzer GmbH