25/06/2026
„Du musst einfach konsequenter sein.“
„Du lässt viel zu viel durchgehen.“
Als Mama eines autistischen Kindes habe ich diese Sätze schon oft gehört.
Und jedes Mal frage ich mich:
Konsequenter – wobei?
Gegen ein Kind, das sich vielleicht den ganzen Vormittag schon angepasst hat?
Gegen ein Nervensystem, das gerade alles gibt, um diesen Tag überhaupt zu bewältigen?
Viele Kinder schaffen es, sich an den Alltag der Erwachsenen anzupassen.
Sie funktionieren.
Sie halten aus.
Oft so lange, bis es nicht mehr geht.
Erst dann verändert sich der Alltag der Familie.
Nicht, weil Eltern plötzlich weniger konsequent werden.
Sondern weil sie beginnen zu verstehen, was ihr Kind wirklich braucht.
Das bedeutet manchmal, dass ein Spaziergang anders aussieht als bei anderen Familien.
Dass das Lieblingsspielzeug mitmuss.
Dass Wege angepasst werden.
Dass vieles von außen unnötig oder übertrieben wirkt.
Nicht, weil das einfacher wäre.
Sondern weil genau diese kleinen Anpassungen Teilhabe überhaupt erst ermöglichen.
Sie verändern ihren Alltag.
Sie stellen eigene Bedürfnisse zurück.
Sie organisieren, begleiten und improvisieren – oft dort, wo Unterstützung eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Nicht, weil sie sich diesen Alltag ausgesucht haben.
Sondern weil ihnen häufig keine andere Möglichkeit bleibt, ihr Kind so zu begleiten, wie es es braucht.
Vielleicht sollten wir deshalb seltener fragen, warum Eltern nicht konsequenter sind.
Und häufiger fragen:
"Was braucht diese Familie, damit die Bedürfnisse aller ihren Platz haben dürfen?"