01/07/2026
Es macht mich traurig und wütend, was gestern in Stade passiert ist.
In einer Einrichtung wurden Sozialarbeiter:innen getötet und es macht mich fassungslos als Sozialarbeiterin. Mein Beileid gilt den Hinterbliebenen und meine aufrechte Anteilnahme. (Auch wenn ein Posting dazu nichts beiträgt)
Was mich allerdings wütend macht und das schon sehr lange, ist die Tatsache, wie mit Menschen, die in der Sozialen Arbeit tätig sind, umgegangen wird. Aktuell sind viele von Sparmaßnahmen betroffen, einige, die ihre Tätigkeiten nicht mehr nachgehen können. Zum Einen gibt es weniger Betreuung für die Klient:innen/ Adressat:innen und zum Anderen: Ja auch Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen haben ein Leben, welches sie finanzieren müssen.
In den Supervisionen der letzten drei Jahre spürte ich den enormen Druck, welchen die Kolleg:innen unterliegen. Sie erzählten von Personen, die sie bedrohen, anzeigen, ihre Familie bedrohen. Kein feines Gefühl, wenn man bedenkt, dass man Menschen in präkeren Lebenssituationen unterstützt und sie einen Teil ihres Weges begleitet. Du denkst, du hilfst Menschen und musst dennoch soviel Wut und Hass aushalten.
Ich selbst bin Sozialarbeiterin und war lange im Suchtbereich tätig, auch in der Kinder- und Jugendhilfe. Den Druck, der von Außen auf einem lastet, kann man eine Zeit lang gut wegstecken, doch wenn du persönlich bedroht wirst, erreicht das ein ganz anderes Level. Es macht dir Angst, du beginnst über deine Arbeit, deine Leidenschaft, deine Berufung nachzudenken und hegst vielleicht auch Zweifel. Du fragst dich: WARUM? WOZU?
Als Supervisorin begleite ich Teams, die das Gefühl haben, nicht seitens ihres Arbeitgebers geschützt zu werden. Tja, oft ist das nicht nur ein Gefühl, sondern Tatsache. Solange nichts passiert... was sollen wir denn ändern, ohne Geld?
Es ist über 16 Jahre her, als ich meine damalige Chefin fragte, ob ich ein Sicherheitssystem haben kann, weil ich sehr oft alleine und sehr oft nach 18:00 Uhr (Auch oft 20.00) gearbeitet hatte. Die erste Lösung? Ein Schrillalam Anhänger war die Lösung. Nett- doch wenn ich niemanden zu Hause gehabt hätte, hätte mich damals von Donnerstag abends bis Montag niemand vermisst. Ich musste für meine Sicherheit kämpfen. (Klappte schließlich- nur damit ihr bescheid wisst)
Was soll also noch passieren?
Als Vorstandsmitglied des OBDS - Österreichischer Berufsverband der Sozialen Arbeit fordere ein Berufsgesetz, welches auch zum Mitarbeiter:innenschutz beitragen kann.
Was ich mir wünsche? Die Kolleg:innen sollen ernst genommen werden, auch sie haben ein Sicherheitsbedürfnis, auch sie haben Ängste. Sie sind keine Superheld:innen und stehen nach einem Schlag wieder auf. Nein, sie sind Menschen, deren Leben genauso wichtig sind.
Wie steht ihr dazu?