20/01/2018
Nach wie vor ein sehr interessanter und inspirierender Artikel von Conrad , zum Thema Mut, und :
Heimisches : Mut kann man nicht brauen
In Österreich entstanden in den vergangenen Jahren viele – Qualität bringen vor allem jene, die sich nicht nur auf die Brauanlage verlassen
Zum Bierbrauen braucht man nach landläufiger Meinung viererlei: und , ein wenig und noch weniger Hefe.
Und, das darf man nicht außer Acht lassen: , um eine einzurichten, sei sie auch noch so bescheiden.
Die wichtigste Bierzutat ist aber Mut – der Mut, überhaupt ins Braugeschäft einzusteigen, und der Mut, Biere zu brauen, die anders sind als das, was man ohnehin in jedem Supermarkt kaufen kann.
Da beginnt sich rasch die Spreu vom Weizen (oder, weil wir beim Bier sind, die Spelze von der Gerste) zu trennen: Denn viele der Kleinbrauereien, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, hatten diesen Mut zur Differenzierung nicht. Da werden dann Biere gebraut, die als "Helles" verkauft werden – obwohl gerade dieser Bierstil (ähnlich wie das österreichische Märzen) eine Perfektion der Brautechnik und ein Können des Braumeisters verlangt, wie sie eben nur in größeren Betrieben zu finden sind.
Es bedarf also auch des Mutes, klar abzugrenzen und sich auf das zu konzentrieren, was auch die einfachen Anlagen einer in guter, oft sogar exzellenter Qualität hervorbringen können. Einer der ersten Österreicher, die das verstanden haben, war Siggi Flitter, dessen schon in den 1990er-Jahren das erste österreichische Pale Ale auf den Markt gebracht hat. Flitters Gasthausbrauerei zelebrierte die Bierkultur, indem sie sich bei amerikanischen Rezepten auf das Wissen eines amerikanischen Brauers verließ und indem sie sich beim Prager Dunkel auf die Erfahrung eines tschechischen Braumeisters stützte.
Tränenreich
Die Experimentierfreude des Siebensternbräu inspirierte auch andere. Lange bevor der Begriff Craft-Beer in der Szene verankert wurde, hatte es im -Bräu mit Ingwer, im Brauhaus ein Bier mit Roten Rüben, in der Handbrauerei ein Styrian Ale gegeben.
Und in der Wiener Innenstadt etablierte sich die , deren Gründer Horst Asanger schon mit der Namensgebung darauf hindeutete, dass er sich mehr an der US-Szene als an den bestehenden Gasthausbrauereien orientiert. Das Experiment war kein großer Erfolg: Um das Jahr 2000 herum waren die Biertrinker eben nur das Märzenbier und allenfalls im Winter einen Bock, im Sommer eine Weisse gewohnt.
Langsamer Aufbau
Macht nichts. Asanger blieb konsequent, weil er erkannte, dass sein Hoffnungsmarkt ohnehin die sind, die mit den Bieren von BrauUnion, Stiegl und Co ohnehin gut bedient sind.
Vielmehr ging es – und geht es heute noch – darum, jene Kunden anzusprechen, denen das vorhandene eben nicht genug ist. Nur musste diese erst langsam aufgebaut, die Geschmackskultur durch neue Angebote verfeinert werden. Rückschläge inbegriffen: Dem steirischen Craft-Beer-Pionier Gerhard Forstner kamen regelmäßig die Tränen, wenn er mitansehen musste, wie seine aufwendig nach belgischem Rezept gebrauten Ales von den Gästen seines Lokals mit Limonade zum Radler gestreckt wurden – er hat das Lokal konsequenterweise zugesperrt und andere Vertriebswege für seine Spezialitäten gefunden.
So viel zum Thema Mut. Die Pioniere der österreichischen Craft-Brauer hatten Mut und Durchhaltevermögen – und sie haben den Markt bereitet, auf dem die Szene aufblühen konnte. Die ein Jahrzehnt später gegründete Brauerei in Kötschach-Mauthen tat sich mit ihren 2007 eingeführten Spezialitäten schon etwas leichter, die als reine Ale-Brauerei gegründete -Brewery in Bad Radkersburg hat bewiesen, dass österreichisches Craft-Beer durchaus erfolgreich exportiert werden kann. Und das Brauhaus in Hof bei Salzburg hat sich mit seinen Demeter-zertifizierten Biobieren überhaupt eine neue Nische geschaffen.
Maßstab
Gusswerk-Chef Reini Barta hat sich denn auch von der Craft-Szene abgesetzt – "ich bin nicht Craft", sagt er plakativ unter dem Hinweis, dass er anders als manch selbsternannter Craft-Brewer Brauwesen studiert hat und auch über eine professionelle verfügt.
Braucht man eine professionelle auf , um gutes Bier zu brauen? Für manche Bierstile – Helles, Pils und Märzen – ganz sicher. Viele Ales gelingen aber auch auf Anlagen, die einfacher konstruiert sind.
Und einige Brauer haben sich gar darauf verlegt, ganz ohne Brauanlage auszukommen. Das hat Jim Koch von Boston Beer mit seiner Marke Samuel Adams in den USA vorgemacht – und in kleinerem Maßstab machen das die jungen Brauer von in Wien ähnlich: Sie sind Profis, sowohl was das Bierbrauen als auch was das Marketing betrifft. Aber für mehr als eine kleine Versuchsanlage hat das Investitionskapital nicht gereicht.
Kein Problem: Es gehört zur Kultur der Craft-Brew-Szene, dass ein Brauer dem anderen aushilft, wenn es sein muss mit einer ganzen Brauanlage. Also ziehen die jungen Leute von Brauerei zu Brauerei und brauen Biere wie die (ein Cascadian Dark Ale), den (einen Barley Wine) oder den (ein Imperial India Pale Ale). Neuestes Produkt ist das in einem Rotweinfass gereifte – eine auf 540 Flaschen limitierte .
All das beweist, dass Mut doch wichtiger ist als eine Brauanlage.
Conrad Seidl, RONDO, 30.5.2016
In Österreich entstanden in den vergangenen Jahren viele Kleinbrauereien – Qualität bringen vor allem jene, die sich nicht nur auf die Brauanlage verlassen