MLG Consutling - Martina Leitgeb

MLG Consutling - Martina Leitgeb Fraud Management, Fraud Analyse, Interne Revision und Trainings

Woher haben Revisoren ihre Kristallkugeln?Das fragt man sich vor allem dann, wenn genau das eintritt, worauf Monate oder...
17/08/2026

Woher haben Revisoren ihre Kristallkugeln?

Das fragt man sich vor allem dann, wenn genau das eintritt, worauf Monate oder Jahre zuvor schon hingewiesen wurde.

Dabei haben Revisoren keine Kristallkugeln.

Sie verbringen nur ungewöhnlich viel Zeit damit, sich eine Frage zu stellen:

„Was könnte passieren?"

Während andere Prozesse nutzen, versucht die Revision, sie durchzudenken.

Während andere nach dem Normalfall suchen oder die Prozessbeschreibung als Formsache abtun, beschäftigt sie sich mit Ausnahmen.

Während andere erklären, warum etwas funktioniert, überlegt sie, warum es irgendwann vielleicht nicht mehr funktioniert.

Es ist nicht Pessimismus, sondern schlicht der Beruf und das Bestreben, das Unternehmen und die Mitarbeitenden zu schützen.

Die eigentliche Herausforderung liegt ohnehin nicht darin, Risiken zu erkennen.

Oft sind die Risiken bekannt.

Die Herausforderung besteht darin,

sie verständlich zu machen,

sie glaubhaft zu machen,

die richtigen Menschen an einen Tisch zu bringen,

und genug Aufmerksamkeit dafür zu erzeugen, dass tatsächlich etwas passiert.

Denn zwischen einer bekannten Schwachstelle und einer geschlossenen Schwachstelle liegen häufig Budgetdiskussionen, Priorisierungskonflikte, Ressourcenengpässe und unterschiedliche Interessen.

Vielleicht werden Risiken deshalb so oft als Überraschung wahrgenommen.

Nicht weil sie unbekannt waren, sondern weil niemand geglaubt hat, dass genau dieses Szenario tatsächlich eintreten würde.

Und dann wirkt es plötzlich so, als hätten die Revisoren eine Kristallkugel gehabt.

Dabei haben sie nur die unangenehme Angewohnheit, unbequeme Fragen zu stellen.

Welche Prüfungsfeststellung hast du erlebt, bei der im Nachhinein alle gesagt haben: "Eigentlich war das absehbar"?

Bei Audits frage ich:"Wer ist bei Ihnen für Risiken verantwortlich?"Die Antworten lauten meist:die Geschäftsführungdas R...
13/08/2026

Bei Audits frage ich:

"Wer ist bei Ihnen für Risiken verantwortlich?"

Die Antworten lauten meist:

die Geschäftsführung

das Risikomanagement

die Compliance-Abteilung (wenn es eine gibt)

die Interne Revision

die IT...

Selten kommt die Antwort:

"Eigentlich wir alle."

Dabei entstehen Risiken nicht im Risikomanagement.

Sie entstehen im Tagesgeschäft.

Beim Einkauf. Im Vertrieb. In Projekten. In der Buchhaltung. In der IT. In der Produktion.

Viele Unternehmen investieren viel Zeit in die Frage, welche Risiken es gibt.

Deutlich weniger Zeit investieren sie in die Frage, wer Risiken eigentlich im täglichen Doing kennen und mitigieren muss.

Eine Interne Revision kann Risiken prüfen.

Compliance kann beraten.

Datenschutz kann Anforderungen definieren.

Risikomanagement kann Transparenz schaffen.

Aber keiner dieser Bereiche kann täglich die Entscheidungen der operativen Verantwortungsträger treffen.

Vielleicht liegt genau darin einer der häufigsten Governance-Irrtümer:

Risiken werden als Aufgabe einer Funktion betrachtet.

Wo beobachtet ihr die größten Missverständnisse zwischen operativer Verantwortung und Governance-Funktionen?

Habt ihr auch eine schönes Risikoinventar, das einmal aufgesetzt wurde und nun einmal im Jahr aus der Schublade geholt wird?

1, 2 oder 3?Wie oft darf sich derselbe Fraud-Fall in einem Unternehmen wiederholen?Beim ersten Mal spricht man oft von e...
10/08/2026

1, 2 oder 3?

Wie oft darf sich derselbe Fraud-Fall in einem Unternehmen wiederholen?

Beim ersten Mal spricht man oft von einem Einzelfall.

Beim zweiten Mal von einer Verkettung unglücklicher Umstände.

Beim dritten Mal wird es schwierig.

Denn spätestens dann stellt sich eine andere Frage:

War das Problem wirklich der Täter oder längst das System?

Im Nachhinein sind Fraud-Fälle oft klar und die Schwachstellen einfach erklärbar:

Die Schwachstelle war bekannt.

Die Feststellung war bekannt.

Die Maßnahme war beschlossen.

Die Umsetzung wurde verschoben oder nicht flächendeckend durchgeführt.

Niemand akzeptiert drei Einbrüche hintereinander mit derselben offenen Tür.

Bei Fraud, Compliance-Verstößen oder Kontrollversagen sind wir manchmal erstaunlich toleranter.

Natürlich wird sich nicht jeder Vorfall verhindern lassen.

Aber irgendwann geht es nicht mehr um den Vorfall selbst, sondern um die Entscheidung, bekannte Risiken weiterhin zu akzeptieren.

Wann ist aus Ihrer Sicht die letzte Chance, eine bekannte Schwachstelle zu schließen?

Nach dem ersten Vorfall? Nach dem zweiten? Oder erst nach dem dritten?

Gibt es in Ihrem Unternehmen Risiken oder Themen, wo das zutreffen könnte?

Manchmal beginnt ein ziemlich großer Fall mit einem ziemlich kleinen Moment.Ein Sachbearbeiter beim BFA macht eine Routi...
12/06/2026

Manchmal beginnt ein ziemlich großer Fall mit einem ziemlich kleinen Moment.

Ein Sachbearbeiter beim BFA macht eine Routineeingabe und merkt: Da stimmt etwas nicht.

Denn der Betroffene ist laut System plötzlich österreichischer Staatsbürger.

Also der naheliegende Schritt:

👉 Akt ziehen

👉 Bescheid prüfen

… nur: Der Bescheid ist nicht auffindbar.

Ab diesem Punkt kippt die Geschichte:

Geschäftszahl passt nicht

Kein Eintrag in Verleihungslisten

Kein sauberer Audit Trail

Trotzdem: Status „Staatsbürger“

Das ist der Moment, wo man denkt:

Das ist kein operativer Fehler mehr, das ist ein Kontrollproblem.

Und dann passiert, was in solchen Fällen passieren sollte:

👉 Die Interne Revision kommt dazu.

Sie untersucht, wie der Prozess gestaltet ist, wie es möglich war und ob es weitere Fälle gibt. Wer hatte welche Vorteile daraus?

Jeder Vorfall braucht nämlich einen Rahmen, der ihn ermöglicht:

Schnittstellenthematiken

Kontrollen sind nicht zwingend vorgesehen oder könne umgangen werden

Entscheidungen können formal erfolgen, ohne zwingenden Nachweis

Ein funktionierender Workaround genügt.

Das ist eine Story über ein System, in dem:

Daten nicht konsistent sind

Prozesse Lücken haben

Entscheidungen entstehen können, die später niemand sauber erklären kann

Und genau hier wird es für uns relevant.

Die unbequeme Frage ist nicht:

Wie konnte das dort passieren?

Sondern:

Wo könnte es bei uns passieren und es ist nur noch unentdeckt?

In den Medien erregt ein Fall erst dann Aufmerksamkeit, wenn aus einem Workaround oder einer Lücke ein Vorfall geworden ist.

Aber die Revision macht Tag für Tag sichtbar, wo wir uns zu sehr auf Vertrauen verlassen oder Workaround und Lücken ignoriert haben.

Und das ist selten angenehm.

Aber fast immer notwendig.

Und beugt solchen Vorfällen vor.

12/02/2026

„Das wird EH kontrolliert.“ „Das wird EH dann abgestimmt.“ „Passt eh.“ Dieses „eh“ ist das Einfallstor für Fehler und Fraud. Weil es Verantwortlichkeit verdünnt. Niemand fühlt sich zuständig und alle glauben, jemand anderer schaut hin. Gute Organisationen ersetzen „eh“ durch klare Rollen, Checkpoints und Nachweise.

08/02/2026

Betrüger*innen profitieren von Routine. Wenn jeden Monat dieselben Rechnungen durchlaufen. Wenn Freigaben „automatisch“ passieren. Wenn niemand mehr kritisch hinsieht. Gewohnheiten sind die besten Tarnkappen. Deshalb ist Rotation, Plausibilisierung und Stichprobenlogik so wichtig. Nicht, weil alle verdächtig sind, sondern weil Routine blind macht.

06/02/2026

Leitbilder sind leicht. Kultur ist das, was passiert, wenn niemand hinsieht. Wenn Regeln „flexibel“ ausgelegt werden. Wenn Ausnahmen selbstverständlich sind. Wenn Leistung wichtiger ist als Integrität. Fraud entsteht selten über Nacht. Er wächst im Graubereich, der geduldet wird. Wer Kultur ernst nimmt, muss dort hinschauen, wo es unangenehm wird: bei Grenzverletzungen, Rechtfertigungen und stiller Akzeptanz.

04/02/2026

Viele Unternehmen glauben, sie kennen ihre Risiken. Bis etwas passiert. Revision ist unbequem, weil sie Fragen stellt, wo man längst „fertig“ sein wollte. Aber genau das ist der Nutzen: Sie liefert Realität statt Annahmen. Sie zeigt, wo Kontrollen nur auf dem Papier existieren. Und sie schützt vor dem teuersten Fehler im Risikomanagement: Selbstüberschätzung.

🎥 Korruption betrifft uns alle – Zeit, genauer hinzuschauenHand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal über Korruption n...
03/02/2026

🎥 Korruption betrifft uns alle – Zeit, genauer hinzuschauen
Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal über Korruption nachgedacht? Klingt nach einem großen, abstrakten Thema – ist es aber gar nicht. Korruption passiert oft im Kleinen, im Alltag, und untergräbt genau das, worauf wir uns verlassen sollten: Vertrauen, Fairness und ein funktionierendes Miteinander.
Das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) hat ein Video veröffentlicht, das das Ganze richtig gut auf den Punkt bringt. Keine trockene Theorie, sondern verständlich erklärt: Was ist Korruption eigentlich? Wie zeigt sie sich im echten Leben? Und vor allem: Was können wir dagegen tun?
Was dich erwartet:

Ein klarer Überblick, der wirklich Sinn macht
Beispiele aus dem Alltag, bei denen du vielleicht denkst: "Ah, kenn ich!"
Praktische Einblicke, wie Prävention funktioniert
Hintergrundinfos zur Arbeit des BAK – von Aufklärung bis internationale Kooperation

👉 Hier geht's zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=GvTkfDwWPF4
Ob in der Wirtschaft, in Behörden oder im Alltag – Korruption geht uns alle an. Und je besser wir verstehen, wie sie funktioniert, desto eher können wir etwas dagegen tun.
💬 Wenn du auch findest, dass Wissen der erste Schritt ist, teil den Beitrag gerne weiter!

02/02/2026

„Hat immer funktioniert“ ist kein Kontrollnachweis. Es ist ein Gefühl. Und Gefühle schützen nicht vor Fraud. Prozesse altern: Mitarbeitende wechseln, Systeme ändern sich, Druck steigt, Ausnahmen werden zur Regel. Genau die lang laufenden Abläufe werden selten hinterfragt und sind damit besonders anfällig. Wer sie regelmäßig reviewed, findet oft nicht nur Risiken, sondern auch Effizienzgewinne.

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Möllersdorf
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