01/09/2026
Rational formuliert ist nicht frei von Interpretation.
Letzte Woche beim nlc Competence Camp von hatte ich ein schönes Gedankentraining.
Mit fachsimpelten wir über „Feedback“. Ein schönes Thema. Zum Beispiel Feedback geben im Burgerstil: Lob – Kritik – Lob.
Mein erster Gedanke: „Ist das noch richtig?“
Nach der Systemtheorie bzw. meinem derzeitigen Future-Leadership-Blick ist das zumindest eine Praktik, die man hinterfragen darf. Erfüllt sie noch den Sinn und Zweck, für den sie ursprünglich einmal gedacht war?
Feedback mit der Intention, einer anderen Person eine Möglichkeit zur
Weiterentwicklung zu geben.
Aber kommen wir zu meinem eigentlichen Gedankentraining.
Auf der Leinwand groß vor mir:
Beobachtung – Interpretation – Feedback
Ein schönes Beispiel:
Beobachtung:
„Bei unseren letzten vier Projektmeetings bist du jeweils fünf Minuten nach dem vereinbarten Beginn gekommen.“
Interpretation:
„Du kommst immer zu spät.“
Klingt direkt. Klingt sachlich.
Ist es aber gar nicht.
Aus vier beobachtbaren Situationen wurde mit ein paar kleinen Wörtern eine vermeintliche Wahrheit über eine Person:
𝗗𝘂. 𝗸𝗼𝗺𝗺𝘀𝘁. 𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿. 𝘇𝘂 𝘀𝗽ä𝘁.
Wer sich selbst als rational und direkt bezeichnet, kürzt Mitteilungen gerne ab. 𝗭𝗮𝗵𝗹𝗲𝗻, 𝗗𝗮𝘁𝗲𝗻, 𝗙𝗮𝗸𝘁𝗲𝗻. Keine unnötigen Schleifen.
„Ich sage ja nur, was Sache ist.“
Aber ist das wirklich so?
Sagen wir „NUR“, was Sache ist?
Oder formulieren wir manchmal einfach unsere Interpretation einer Beobachtung so kurz und bestimmt, dass sie wie eine Tatsache klingt?
Gerade in Projekten begegnen mir solche vermeintlich sachlichen Wahrheiten ständig:
„Der Einkauf blockiert.“
„Der Kunde weiß selbst nicht, was er will.“
„Die Techniker sind nicht kundenorientiert.“
„Der Kollege ist unzuverlässig.“
Klingt alles herrlich sachlich.
Nur: Keiner dieser Sätze beschreibt eine Beobachtung.
Vielleicht haben wir in Projekten deshalb gar nicht immer ein Kommunikationsproblem, weil Menschen zu emotional kommunizieren.
Denn auch rational formulierte Interpretationen bleiben Interpretationen.
Sie klingen nur verdammt überzeugend.