28/03/2024
Frohe Ostern !
Die Friedenstaube lebt, wenn auch nur schwach ( E.Hammerschmid, Tusche auf Papier, 2024)
Ein paar aktuelle Gedanken*) zu Ostern :
Heuer ist sicher ein besonderes Jahr: Es wüten Kriege mitten in Europa und im nahen Osten – und kaum absehbare wirtschaftliche Probleme beeinflussen den Alltag vieler.
Wer soll in dieser apokalyptischen Zeit noch guten Mutes sein und froh in die Zukunft schauen?
„ In diesem Zusammenhang ist eine von Dostojewskis großen Geschichten, die so genannte Legende vom Großinquisitor, immer noch aktuell. Sie erzählt von Jesus, der nach mehreren Jahrhunderten auf die Erde zurückkehre. Er wird sofort von der festlichen Menge begrüßt, die ihn erkenne und bejuble. Doch dann wird er vom Inquisitor verhaftet, der die weltliche Logik vertritt. Der Inquisitor befragte ihn und kritisiere ihn heftig. Der letzte Grund für den Tadel war „dass Christus, obwohl er dazu in der Lage war, niemals zum Cäsar, dem größten König dieser Welt, werden wollte, sondern den Menschen lieber in Freiheit ließ, als ihn zu unterjochen und seine Probleme mit Gewalt zu lösen“.
Er hätte den Frieden in der Welt herstellen können, indem er das freie, aber unsichere Herz des Menschen mit der Kraft einer höheren Macht beuge, aber er wollte es nicht: „Du", sage der Inquisitor zu Jesus, „hättest, indem du die Welt und den Purpur der Cäsaren angenommen hättest, das universelle Reich gegründet und den universellen Frieden gegeben“ (Die Brüder Karamasow). Und mit einem peitschenden Satz schließt er: „wenn es jemanden gibt, der unsere Verbrennung mehr als jeder andere verdient hat, dann bist du es“. Das ist die Täuschung, die sich in der Geschichte wiederholet die Versuchung eines falschen, auf Macht basierenden Friedens, der dann zu Hass und Verrat führt.
Am Ende wollte der Inquisitor, dass Jesus etwas zu ihm sage, vielleicht sogar etwas Bitteres, etwas Schreckliches. Doch Christus reagiere mit einer süßen und konkreten Geste: „Er nähert sich ihm schweigend und küsst ihn sanft auf seine alten, blutlosen Lippen“. Der Friede Jesu überwältige die anderen nicht, er sei niemals ein bewaffneter Friede. Die Waffen des Evangeliums seien so das Gebet, die Zärtlichkeit, die Vergebung und die unentgeltliche Liebe zum Nächsten, zu jedem Nächsten:
„So bringen wir den Frieden Gottes in die Welt. Deshalb ist die bewaffnete Aggression dieser Tage, wie jeder Krieg, ein Frevel an Gott, ein blasphemischer Verrat am Herrn von Ostern, eine Bevorzugung seines sanften Antlitzes gegenüber dem des falschen Gottes dieser Welt“.
Vor seinem letzten Pascha sage Jesus zu seinen Jüngern: „Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht“ Ja, denn „während die weltliche Macht nur Zerstörung und Tod hinterlässt, baut sein Friede die Geschichte auf, ausgehend vom Herzen eines jeden Menschen, der ihn aufnimmt“. Ostern sei also das wahre Fest Gottes und der Menschen, denn der Friede, den Christus am Kreuz durch seine Selbsthingabe errungen habe, werde an uns weitergegeben.
„Ostern bedeutet ‚Übergang’. Es ist, besonders in diesem Jahr, die gesegnete Gelegenheit, vom weltlichen Gott zum christlichen Gott überzugehen, von der Gier, die wir in uns tragen, zur Liebe, die uns frei macht, von der Erwartung eines gewaltsam herbeigeführten Friedens zur Verpflichtung, den Frieden Jesu konkret zu bezeugen. Stellen wir uns vor den Gekreuzigten, die Quelle unseres Friedens, und bitten wir ihn um Frieden im Herzen und Frieden in der Welt“.
In diesem Sinn ein frohes Osterfest!