Susanne Vietz: Generationenübersetzerin

Susanne Vietz: Generationenübersetzerin Für mehr Verständnis zwischen den Generationen. Entwicklungspsychologie für deinen Ausbildungs- und Führungsalltag. Psychologischer Coach | Trainerin

„Früher war alles besser.“Ein Satz, den ich in meinen Workshops regelmäßig höre.Aber war früher wirklich alles besser?Au...
13/08/2026

„Früher war alles besser.“

Ein Satz, den ich in meinen Workshops regelmäßig höre.
Aber war früher wirklich alles besser?

Aus psychologischer Sicht lässt sich das objektiv kaum behaupten.

Vielmehr handelt es sich häufig um eine subjektive Wahrnehmung. Unser Gehirn speichert Erinnerungen nämlich nicht wie eine Kamera. Mit der Zeit verblassen belastende Erlebnisse, während schöne Momente stärker in Erinnerung bleiben. Die Psychologie spricht hier vom Rosy-Retrospection-Effekt.

Dazu kommt: Die Vergangenheit kennen wir bereits. Sie ist abgeschlossen. Wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Die Gegenwart hingegen ist geprägt von Veränderung, Komplexität und Unsicherheit.
Künstliche Intelligenz, neue Technologien und eine sich wandelnde Arbeitswelt.

Gerade in solchen Zeiten sehnen wir uns nach Orientierung. Das Vertraute fühlt sich dann oft besser an - auch wenn es objektiv gar nicht besser war.

Deshalb dürfen wir vorsichtig sein, mit dieser Verallgemeinerung.
Denn unsere Erinnerungen sind wertvoll, aber sie sind nicht immer objektiv.

Vielleicht war früher nicht alles besser, sondern einfach vertrauter.

Wie siehst du das?

“Ja, aber…”Ich habe den Eindruck, dass wir Jugendlichen heute kaum noch zumuten, Widersprüche auszuhalten.Entweder etwas...
06/08/2026

“Ja, aber…”

Ich habe den Eindruck, dass wir Jugendlichen heute kaum noch zumuten, Widersprüche auszuhalten.

Entweder etwas ist richtig oder falsch.
Jemand ist gut oder schlecht.
Ein Arbeitgeber ist super oder eine Katastrophe.
Ein Feedback ist Wertschätzung oder Kritik.

Schwarz oder weiß - und dazwischen scheint oft wenig Platz zu sein.

Dabei besteht ja das Leben genau daraus!

Du kannst deinen Beruf mögen und trotzdem einen schlechten Tag haben.
Du kannst deine Ausbilder:innen schätzen und dich trotzdem einmal ungerecht behandelt fühlen.
Du kannst Kritik bekommen und trotzdem wissen, dass dein Wert als Mensch dadurch nicht kleiner wird.

In der Psychologie nennt sich diese Fähigkeit Ambiguitätstoleranz.
Sie beschreibt die Fähigkeit, Widersprüche, Unsicherheiten und unterschiedliche Perspektiven auszuhalten - ohne sofort eine einfache Antwort oder eindeutige Lösung zu brauchen.

Gerade Jugendliche befinden sich entwicklungsbedingt in einer Phase, in der Orientierung besonders wichtig ist. Gleichzeitig wachsen sie in einer Welt auf, die ihnen ständig schnelle Antworten liefert:
Google kennt die Lösung und TikTok erklärt die Welt in 30 Sekunden.
Der Algorithmus zeigt häuftig nur das, was zur eigenen Meinung passt.

Die Welt selbst funktioniert aber anders.

Menschen sind manchmal widersprüchlich und Situationen können komplex sein.
Nicht jede Frage hat eine eindeutige Antwort (- so sehr wir uns das manchmal auch wünschen würden).

Deshalb halte ich Ambiguitätstoleranz für eine der wichtigsten Zukunftskompetenzen:
Nicht sofort bewerten - sondern lernen, Spannungen auszuhalten, verschiedene Sichtweisen zuzulassen und trotzdem handlungsfähig zu bleiben.

Wie erlebst du das in der Arbeit mit Jugendlichen?

Dieser Post ist für alle, dich sich in letzter Zeit gefragt haben - ich eigentlich noch was arbeite oder nur mehr am Rad...
02/08/2026

Dieser Post ist für alle, dich sich in letzter Zeit gefragt haben - ich eigentlich noch was arbeite oder nur mehr am Radfahren bin 😜

Die Antwort ist: Ja, ich arbeite. Nur gerade etwas anders.

Im Sommer gönne ich mir bewusst ein paar workshopfreie Wochen.

Diese Zeit nutze ich, um im Büro wieder auf Stand zu kommen, neue Themen aufzubereiten, aktuelle Studien zu lesen, Konzepte weiterzuentwickeln und neue Inhalte für meine Trainings zu erarbeiten.

Und ja - sie dient auch der aktiven Regeneration.

Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten. Ich liebe Workshops, Vorträge und den Austausch. Genau das erfüllt mich.

Aber in den letzten Jahren habe ich auch gelernt, auf meinen Körper zu hören.
Mir bewusst Zeiten zu nehmen, in denen ich nicht in Seminarräumen stehe, nicht permanent präsent sein und performen muss.

Früher hätte ich gedacht, das wäre verlorene Zeit.
Doch heute weiß ich: Genau in diesen Phasen entstehen oft die besten Ideen.

Und ich freue mich jetzt schon auf den Herbst. Der Kalender wird wieder voll sein - mit Workshops, Vorträgen und vielen Begegnungen. Genauso voll werden dann aber auch meine Energietanks sein.
Denn ich habe gelernt: Wer anderen Energie geben möchte, darf die eigene nicht vergessen. 💫

Manchmal frage ich mich, wann wir eigentlich aufgehört haben, Jugendliche als Jugendliche zu sehen.Wir erwarten von ihne...
28/07/2026

Manchmal frage ich mich, wann wir eigentlich aufgehört haben, Jugendliche als Jugendliche zu sehen.

Wir erwarten von ihnen Eigenverantwortung, Selbstorganisation, professionelles Auftreten, Kritikfähigkeit und Stressresistenz. Alles Fähigkeiten, die wichtig sind - keine Frage.

Gleichzeitig vergessen wir manchmal, dass wir diese Erwartungen an junge Menschen richten, deren Gehirn sich noch mitten in der Entwicklung befindet. Gerade die Bereiche, die für Selbststeuerung, Impulskontrolle oder Emotionsregulation verantwortlich sind, reifen erst nach und nach.

Für mich ist das keine Ausrede für unangemessenes Verhalten. Viel mehr ist es eine Erklärung, die einen entscheidenden Unterschied macht.

Denn Entwicklungspsychologie bedeutet nicht, Erwartungen zu senken. Sie hilft uns vielmehr dabei, Erwartungen altersgerecht zu gestalten und Verhalten besser einzuordnen. Wer versteht, in welcher Entwicklungsphase sich ein junger Mensch befindet, wird nicht alles gutheißen - aber vieles besser verstehen. Genau dieses Verständnis verändert oft auch die Art, wie wir begleiten, Feedback geben und Entwicklung ermöglichen.

Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zwischen einer Ausbildung, die sich darauf konzentriert, Fachkräfte auszubilden, und einer Ausbildung, die junge Menschen in ihrer Entwicklung begleitet und ihnen hilft, zu selbstständigen Persönlichkeiten heranzuwachsen.

Ich wünsche mir, dass wir in der Lehrlingsausbildung wieder öfter den Menschen hinter dem Verhalten sehen.

Wie siehst du das?

Was passiert, wenn Jugendliche drei Wochen lang auf ihr Smartphone verzichten?Beim großen ORF-„Dok1“-Handyexperiment hab...
15/06/2026

Was passiert, wenn Jugendliche drei Wochen lang auf ihr Smartphone verzichten?

Beim großen ORF-„Dok1“-Handyexperiment haben mehr als 72.000 Kinder und Jugendliche genau das ausprobiert.

Und die Ergebnisse sind spannend: Schlafprobleme gingen zurück, das psychische Wohlbefinden stieg und depressive Symptome nahmen ab.

Für mich ist das keine Einladung zum einfachen Satz: „Na bitte, Handy weg und alles ist gelöst.“

So einfach ist es nicht - leider!

Aber es ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wie stark digitale Dauerreize junge Menschen beeinflussen.

Gerade in der Entwicklungspsychologie wissen wir:
Jugendliche befinden sich in einer Phase, in der Selbststeuerung, Impulskontrolle, Emotionsregulation und Identitätsentwicklung noch mitten im Aufbau sind.

Das Gehirn ist in dieser Zeit keine fertige Steuerzentrale.
Es ist eine Großbaustelle mit viel Potenzial, aber auch mit vielen offenen Baustellen.

Genau dort trifft das Smartphone auf ein System, das noch lernt:
Wie halte ich Langeweile aus?
Wie reguliere ich Stress?
Wie bleibe ich bei einer Aufgabe?
Wie gehe ich mit sozialem Vergleich um?
Wie spüre ich überhaupt, was ich brauche?

Wenn junge Menschen ständig erreichbar, abgelenkt und bewertet sind, hat das Auswirkungen.

Ihr System reagiert auf Reize, für die es oft noch keine stabilen Strategien hat.

Für die Lehrlingsausbildung heißt das für mich:
Wir müssen nicht gegen das Handy kämpfen. Wir müssen über Aufmerksamkeit, Selbststeuerung und gesunde Grenzen sprechen.

Junge Menschen brauchen nicht (nur) Regeln. Sie brauchen Erwachsene, die ihnen helfen, ihr eigenes Verhalten besser zu verstehen.

Vielleicht zeigt uns dieses Experiment vor allem eines:
Viele Jugendliche können sehr wohl verzichten, reflektieren und neue Erfahrungen machen!

Umso älter ich werde, umso mehr wird mir bewusst, was du für einen unfassbar guten „Job“ gemacht hast.Du hast es geschaf...
10/05/2026

Umso älter ich werde, umso mehr wird mir bewusst, was du für einen unfassbar guten „Job“ gemacht hast.

Du hast es geschafft, uns (ich spreche da jetzt einfach mal für meine Schwestern mit - ok Girls? 😘) Wurzeln zu geben. Ein starkes Urvertrauen ins Leben, in uns selbst und in andere Menschen.

Gleichzeitig hast du dafür gesorgt, dass wir unsere Flügel ausbreiten dürfen. Dass jede von uns dorthin fliegen kann, wo sie sich angekommen fühlt. Dorthin, wo sie das machen kann, was sie wirklich möchte.

Danke, dass du noch immer die Person bist, die ich als Erste anrufe, wenn ich einen tollen Auftrag gewinne. Wenn ich am Weg zu einer Keynote bin und etwas aufgeregt bin. Wenn ich gerade nicht weiß, wo mir der Kopf steht.

DANKE, dass ich bei dir immer ein Zuhause habe. Einen Ort, an dem ich einfach sein kann, wie ich bin.

Dafür bin ich dir unendlich dankbar! 💙

Und wer sich fragt, woher ich das habe, dass ich gern gschaftig bin und ein echtes Interesse für meine Mitmenschen habe:
Ich sag nur eins: I got it from my Mama. 😘

Pubertier im ArbeitsdschungelNicht nur der Titel, sondern auch der Vortrag auf der ART of Recruiting hat Spaß gemacht! 🚀...
04/05/2026

Pubertier im Arbeitsdschungel

Nicht nur der Titel, sondern auch der Vortrag auf der ART of Recruiting hat Spaß gemacht! 🚀

Gemeinsam mit Vittoria Bottaro durfte ich darüber sprechen, warum Lehrlingsausbildung manchmal so herausfordernd ist und warum das nicht automatisch bedeutet, dass junge Menschen „nicht wollen“.

Oft passiert im Arbeitsalltag sehr schnell eine Bewertung. Ein Lehrling reagiert genervt, arbeitet ungenau, wirkt unmotiviert oder zieht sich zurück und schon entstehen Gedanken wie: „Der hat keine Lust“ oder „Die Jugend von heute ist einfach schwierig.“

Ganz so einfach ist es aber meistens nicht.

Die Pubertät bzw. die Adoleszenz ist keine Ausrede für jedes Verhalten - aber sie ist ein wichtiger Kontext, wenn wir junge Menschen besser verstehen und gut begleiten wollen. In dieser Phase passiert unglaublich viel: Im Kopf, im Körper, in Beziehungen, in der eigenen Identität und natürlich auch im Umgang mit Erwartungen.

Genau das zeigt sich dann auch im Betrieb!

Mir ist wichtig, dass wir in der Lehrlingsausbildung nicht alles schönreden. Es braucht Klarheit, Verbindlichkeit und Grenzen. Aber es braucht eben auch Erwachsene, die bereit sind, hinter das Verhalten zu schauen und sich zu fragen, was da gerade eigentlich los sein könnte.

Genau darum ging es in unserem Vortrag. Um mehr Verständnis, um entwicklungspsychologische Einordnung und um ganz konkrete Situationen aus dem Ausbildungsalltag.

Danke an das Team der ART of Recruiting (Andrea Starzer, Dorine Bärenthaler BSSc BA, Thomas Ritter) für die Bühne und an Vittoria für den gemeinsamen Vortrag.
Es war schön zu sehen, wie viel Interesse und Offenheit für dieses Thema da war.

Denn ja, Lehrlingsausbildung ist manchmal ein kleiner Arbeitsdschungel. Aber sie lohnt sich, sehr sogar!

Was macht das Generationenthema noch greifbarer als eine Generationenübersetzerin?Richtig:Eine Generationenübersetzerin ...
24/04/2026

Was macht das Generationenthema noch greifbarer als eine Generationenübersetzerin?

Richtig:
Eine Generationenübersetzerin und ein Kollege, der ein paar Jahre älter ist, einer anderen Generation angehört und die Dinge manchmal anders sieht. 😉

Gemeinsam mit Markus Fabbris durfte ich die Keynote beim diesjährigen Get-Connect Event von Valantic halten.

Unser Motto: „We listen and we don’t judge - Warum echtes Verständnis über Zusammenarbeit und Erfolg entscheidet.“

In unserer Keynote haben wir mit viel Humor auf die Unterschiede zwischen Generationen geschaut. Aber nicht nur auf die Unterschiede selbst, sondern auch darauf, warum sie entstehen und wie wir im Arbeitsalltag besser damit umgehen können.

Denn am Ende geht es nicht darum, wer recht hat - sondern darum, einander besser zu verstehen.

Mein Fazit aus unserer Keynote:
Nimm dich selbst nicht zu wichtig und deine Wirklichkeit ist nicht automatisch die Wirklichkeit der anderen.

Danke, liebe Ines Eschbacher, dass wir dabei sein durften.
Und danke, Markus, für diese geniale gemeinsame Keynote.

Hoffentlich auf viele weitere. 🙌

📷: © valantic Austria

Ich mag die Lehrlingsausbildungsbubble!Und seit dem FOKUS LEHRE SUMMIT ehrlich gesagt noch ein bisschen mehr!Diese Tour ...
20/04/2026

Ich mag die Lehrlingsausbildungsbubble!
Und seit dem FOKUS LEHRE SUMMIT ehrlich gesagt noch ein bisschen mehr!

Diese Tour durch Linz, Salzburg, Innsbruck und die Steiermark hat mir wieder einmal gezeigt, wie viele Menschen es gibt, die für Lehrlingsausbildung wirklich brennen.

Menschen, die nicht einfach ausbilden, weil es halt irgendwer machen muss.
Sondern Menschen,. die sich Gedanken machen,. die etwas weiterbringen wollen,. die junge Menschen nicht nur fachlich gut ausbilden, sondern auch menschlich gut begleiten möchten.

Was mich besonders gefreut hat: Das Interesse an Entwicklungspsychologie!

Ich finde, genau da merkt man, dass sich in der Lehrlingsausbildung gerade viel bewegt. Dass wir wegkommen von reinem „so haben wir das immer gemacht“ und mehr hinschauen:
Was brauchen junge Menschen heute eigentlich wirklich?
Wie können wir sie gut begleiten?
Was braucht es, damit Ausbildung nicht nur funktioniert, sondern wirklich Wirkung hat?

Genau solche Tage mag ich. Weil man spürt: Da sind viele, die nicht einfach nur mitschwimmen, sondern wirklich etwas verändern wollen.
Und ja - ich mag es einfach, wenn Menschen für dieselbe Sache brennen.

Danke an Lukas Untersberger und Michael Weinberger für diese starke Plattform!
Danke auch an meine Keynote-Kolleg:innen (Matthias Strolz, Bastien Huber, Fabian Chisté) für den Austausch, das Miteinander und die gemeinsamen Impulse.

Ich nehme viel mit! Vor allem aber das gute Gefühl, dass in der Lehrlingsausbildung richtig viel in Bewegung ist.

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