25/03/2026
🔧 Expertengespräch: Reparieren oder Recyceln - Besitzen oder Nutzen - was verhindert Elektroschrott wirklich?
Eine 40 Jahre laufende Waschmaschine - eine Katastrophe? In einer Diskussion auf Ö1 treffen unterschiedliche Perspektiven der Kreislaufwirtschaft aufeinander.
📋 Markus Piringer von der Umweltberatung Wien sieht Bewegung: Die EU-Ökodesign-Richtlinie verpflichtet Hersteller inzwischen, Ersatzteile bereitzustellen und Geräte reparierbar zu bauen. In Österreich deckt der Reparaturbonus 50 Prozent der Kosten ab, bis zu 130 Euro pro Reparatur. Und überall in Europa entstehen Repair-Cafés, offene Werkstätten und Materialtauschbörsen – das Thema ist in der Gesellschaft angekommen.
♻️ Warum das so dringend ist, macht Sepp Eisenriegler vom R.U.S.Z
deutlich: 75 Prozent der EU-Haushalte tauschen ihr Elektrogerät nach der ersten Fehlfunktion einfach aus. Weltweit werden jährlich 100 Milliarden Tonnen Rohstoffe abgebaut – 100 LKW-Ladungen pro Sekunde – um Produkte neu herzustellen, die längst existieren. Dahinter steckt Kalkül: Auf gesättigten Märkten bauen Hersteller gezielt auf billigeres Material und kürzere Lebensdauern. Eisenriegler nennt Reparatur deshalb die „Königsdisziplin der Kreislaufwirtschaft" – die einzige Methode, Nutzungsdauern wirklich zu verlängern und Ressourcen zu schonen.
💶 Michael Braungart, Verfahrenstechnik-Professor und Mitentwickler des Cradle-to-Cradle-Konzepts, denkt industriepolitisch – und provoziert bewusst: Eine Waschmaschine, die 40 Jahre hält, sei für ihn „die absolute Katastrophe", weil die Materialien so lange gebunden bleiben und nie in den Kreislauf zurückfließen können.
Statt auf Langlebigkeit zu setzen, plädiert er dafür, dass Hersteller Waschgänge statt Waschmaschinen verkaufen – Eigentum beim Hersteller, Materialien am Ende zurück in den Kreislauf. Beim Kopiermarkt funktioniert das längst. Doch solche Modelle brauchen willige Hersteller, funktionierende Rücknahmesysteme – und Konsumenten, die bereit sind, Eigentum aufzugeben. Beides ist heute die Ausnahme, weshalb Reparatur die praktikablere Antwort bleibt.
💡 Und das zahlt sich aus, betont Markus Piringer zum Abschluss: Wer Produkte länger nutzt, schont nicht nur die Umwelt – er spart auch bares Geld. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist Reparatur eine der direktesten Möglichkeiten, materiellen Wohlstand zu erhalten, ohne immer neue Ressourcen zu verbrauchen.