16/08/2026
4. Teil Frage Zyklus
Weil Sonntag ist, heute mal etwas länger geworden..3 Fragen, die jedoch zusammenhängen😊
Müssen wir alles durchfühlen, damit es wirklich gehen kann? Oder reicht es, sich den Energien hinzugeben?
Brauchen wir noch mehr Techniken und die grosse Angst bei vielen.. Habe ich die richtige Technik bei der Hand?
Es gibt eine Überzeugung, die sich fast durchs gesamte Heilungs- und Bewusstseinsfeld zieht, selten laut ausgesprochen und doch überall spürbar, wie eine Erwartung/ Vorrschreibung, die im Raum hängt. Die Überzeugung, die ich meine und die du bestimmt schon oft gehört..oder mitbekommen hast, lautet:
Fühlen ist Heilen.. Du musst da durch, denn was nicht gefühlt wurde, bleibt. Was nicht durchlebt wurde, kommt wieder..und wieder..und wieder.
Und ja..darin steckt eine grosse Wahrheit, aber gleichzeitig auch eine Falle, die ich für eine der schlimmsten im gesamten Feld halte.
Zuerst mal zu der "Wahrheit" Auch ein grosses Wort, über das man vermutlich ein ganzes Buch schreiben könnte..denn was ist schon Wahrheit..wer kennt, hat sie und wer prüft die Wahrheit? Also einfach im folgenden mal meine Wahrnehmung..ob sie für dich eine Art von Wahrheit darstellt..fühle selbst 😊
Aus eigener Erfahrung und oft erlebt..was weggedrückt wird, verschwindet nicht, was betäubt wird, lagert sich ab.. im Körper, im Gewebe, im Nervensystem, in den Mustern, die wir leben, ohne meist zu verstehen warum.
Eine alte Verletzung, Schuld oder Scham, die nie wirklich gesehen wurde, sucht sich ihren Weg, ob durch Körpersymptome, durch Beziehungsmuster, durch eine diffuse Schwere, die schon da ist, bevor der Tag überhaupt begonnen hat...ich bin sicher, jeder von euch kennt solche Situationen
Und ja, da braucht es dann oft einen Moment echter Begegnung mit dem, was da ist..ein Hinschauen, ein Fühlen-Dürfen was macht mich grad schwer oder...
Einen Augenblick, in dem du dem, was sich zeigt, wirklich begegnest, anstatt daran ignorierend vorbeizugehen.
Aber Fühlen ist nicht dasselbe wie Durchleiden und da trennt sich oft das Wissen bzw die vorgebeteten Überzeugungen..Nur weil du dir ein Gefühl, eine Emotion bewusst machst..zb einen Schmerz aus der Kindheit..muss ich nicht jedesmal wieder alles erleben/ durchleiden
Stell dir einen zugefrorenen Fluss vor. Das Eis ist die unterdrückte Emotion, das festgehaltene Muster, die eingefrorene Erfahrung..Durchfühlen bedeutet nicht, dass du dich ins eiskalte Wasser stürzt und hoffst, irgendwann auf der anderen Seite anzukommen..und das sich dad Eis auf wundersame Weise auflöst..
Durchfühlen bedeutet, dass du dir Zeit nimmst und dich bewusst ans Ufer stellst und dass du das Eis anschaust. Dass du spürst, wie kalt es ist..wirklich spürst, nicht nur weißt..und dass du bleibst, lange genug, damit es beginnt aufzutauen..und ja..das kann oft dauern, denn das Auftauen passiert nicht weil du jetzt grad 5 minuten hinschaust oder Zeit hättest, noch geschieht es durch Gewalt. Es passiert durch deine Präsenz, durch deine (Herz)Wärme, durch das ruhige, geduldige Dabeisein, zulassen..ohne hineinzukippen und im Eis jedesmal zu erfrieren.
und dann rausrennen, weil es nicht aushaltbar ist..um beim nächsten mal die selbe Taktik zu versuchen..und dabei immer wieder und wieder zu leiden..und schlussendlich am Eis/ Schmerz zu scheitern..was logischerweise dann die Begegnung mit dem Schmerz nicht leider macht..weil jedesmal, wenn du ihn anschaust/ auflösen willst.. tut es wieder weh..und verstärkt das alte Muster
Folgendes halte ich für Basics und unfassbar wichtig, wird meiner Erfahrung nach in spirituellen Kreisen erschreckend selten gesagt, selten auch in klassischer Therapie
Das Nervensystem kann nur integrieren, was es in einem Zustand relativer Sicherheit berührt und erlebt..dann kann es umlernen..Veränderung zulassen. Wenn du hingegen in eine Emotion (Eis) hineinfällst und überwältigt wirst, wenn der Boden unter dir wegbricht, wenn du nicht mehr weißt, wo oben und unten ist, dann lernt dein System das ist gefährlich, ich muss mich schützen, ich muss mich noch mehr verschließen.
Und genau das passiert, wenn Menschen jahrelang immer wieder in denselben Schmerz hineingehen, in der festen Überzeugung, sie müssen da durch und sich trotzdem nichts verändert..Nein, dann bedeutet es NICHT, dass du zu wenig spirituell oder unempathisch bist..und NEIN, du musst nicht noch 1000x mit einem Therapeuten oder Guru in den Schmerz..denn es ist nicht, dass du zu wenig fühlst ubd sich deshalb nix ändert, sondern weil dein System sich dabei nicht sicher genug fühlt, um wirklich zu integrieren und zu heilen...
Das nennt man in der Traumaarbeit Retraumatisierung und es wird leider erschreckend oft als spirituelle Tiefe verkauft..
Was es wirklich braucht, ist Kontakt, Begegnung..
Denn Kontakt ( mit dem Eis/ Schmerz) bedeutet, ich berühre das, was da ist. Ich erkenne es an. Ich lasse es da sein, ohne es wegzuschieben, aber auch ohne mich darin aufzulösen. Ich stehe am Ufer, bin gleichzeitig diejenige, die fühlt, und diejenige, die stehen bleibt... Ich lasse die Welle kommen, sich das Eis bewegen.. und ich stehe noch..immer noch am Rand vom Ufer..Ohne mich vom Eis erfrieren oder wegbrechen zu lassen
Ich weiss, dass klingt grad für viele vermutlich logisch..und auch recht einfach..ist es nicht wirklich, denn es ist eine Fähigkeit, die wir lernen dürfen..keine Selbstverständlichkeit. Laufen, Gehen, Stehen..mit Messer & Gabel essen..sind Fähigkeiten, die wir alle haben.. und doch lernen müssen..Sie entwickelt sich mit Zeit, mit Übung, mit der richtigen Begleitung.
Und jetzt zur zweiten Hälfte der Frage: Reicht es, sich den Energien hinzugeben?
Ja. Manchmal braucht dein System genau das..Hingabe ohne Kontrolle
Wenn Energien fließen, wenn der Körper beginnt zu vibrieren, wenn du merkst, dass in dir Wärme entsteht, ohne dass du etwas dafür getan hast, wenn sich in der Stille etwas bewegt, das größer ist als dein Verstand.. dann ist da etwas Intelligentes am Werk. Etwas, das nicht erklärt werden kann, weil es nicht greifbar ist.. Etwas, das deinen Körper kennt, besser als du. Das weiß, was als nächstes dran ist, ohne dass du es planen musst..Hier kommt deine Seele..dein Spirit ins Spiel
Sich dem hinzugeben bedeutet nicht aufzugeben, es bedeutet, deinem System zu sagen Ich bin da, ich halte mich..du darfst arbeiten und ich vertraue dir(deiner Seele)
Nehmen wir als Beispiel eine Hebamme. Sie macht nicht die Geburt für dich ( auch wenn das manchmal sehr praktisch wäre ;) Sie begleitet die Geburt, sie schafft die äußeren Bedingungen, Wärme, Sicherheit, Geborgenheit und dann vertraut sie dem Körper der Gebärenden, dass er weiß, was er tut.. Ohne Anleitung oder Plan, wie es zu funktionieren hat
Genauso kannst du dich deinem eigenen inneren Prozess gegenüber verhalten. Nicht du bist die Projektmanagerin, die alles kontrolliert, du bist auch nicht die Zuschauerin, die passiv wartet, dass sich alles von selbst löst..sondern du bist die aktive Begleiterin deines eigenen Lebens..Fühlend..wahrnehmend..und einer inneren Führung vertrauend
Und daraus ergibt sich dir nächste Frage..denn meist scheint das ja viel zu einfach..was, ich kann mich selbst begleiten? Aber es gibt doch sooooo viele Techniken..jeder Lehrer, Guru ,Therapeut verkauft meist seine Technik als die zielführende..aber
Brauchen wir noch mehr Techniken und habe ich die richtige Technik bei der Hand?
Ich hab länger überlegt, wie ich auf diese Frage antworte, weil ich selbst in diesem Feld arbeite und auch Methoden anbiete..für mich war und ist bei meinen Kursen jedoch immer das wichtigste, Werkzeuge weiterzugeben, um dir näher zu kommen..Nicht, um abhängig zu werden oder das es ohne mich oder meine Methode nicht geht
Wir leben gerade in einem Zeitalter der spirituellen Technikschwemme. Gefühlt gab es noch nie so viele Methoden, Ansätze und Werkzeuge.. Atemtechniken, Meditationsformen, Energiearbeit, Frequenzarbeit, Codes, Aktivierungen, Lichtsprachen, Rituale, Protokolle, Bewegungspraktiken, Somatik... Jeden Monat kommt etwas Neues, jeden Monat wird auf Insta und Co versprochen, dass genau das jetzt der Schlüssel ist. Der eine.. Der richtig!! Der, den du bisher noch nicht hattest..der dir noch fehlt..DANN löst sich endlich alles
Und die Frage, die bei all diesen Werbungen unweigerlich oft innerlich entsteht.. Habe ich die richtige Technik? Mache ich das falsche? Verpasse ich vielleicht etwas, das entscheidend wäre?
Selten ist diese innere Stimme Neugier..meist spricht diese Stimme aus Angst oder Unsicherheit..Und Angst ist immer ein sehr schlechter Kompass für (spirituelle) Entscheidungen.
Weisst du was es für mich eine Technik ist, wenn ich sie mir energetisch anschaue? Und ich hab mir viiiiiele viele in den letzten Jahren angesehen:)
Im Grunde ist jede Technik, wirklich jede, egal wie ausgeklügelt, egal wie alt, egal wie neu, wie gut vermarktet nur eine Einladung.. Eine Einladung, in eine bestimmte Qualität der Aufmerksamkeit zu kommen.. Eine Einladung in deinen Körper, in die Stille, den bewussten Atem, in den Kontakt mit dem, was ist zu kommen..
Die Technik selbst ist nie der Wirkstoff, die Tablette die heilt..die Technik ist die Tür. Aber du bist diejenige, die hindurchgeht! Und wenn du nicht durchgehst, wenn du die Tür anschaust, analysierst, mit anderen Türen vergleichst, dir überlegst, ob es vielleicht eine bessere Tür gäbe, dann nützt die schönste Tür der Welt dir gar nichts..denn du wirst ewig lang davor stehen..und dein Eis kein stück schmelzen lassen können
Ein Beispiel aus meiner Arbeitspraxis:
Ein junger Mann, ein begnadeter Koch, hat nach kurzer Zeit eine eigene Küche bekommen, um sich auszutoben..hat darin gute Messer, frische Zutaten, er kocht wahnsinnig gern und auch bereits richtig gut, aber er hört immer wieder von einem neuen Messer, das angeblich alles verändert.. also braucht er diese Messer..dann hört er von einer neuen Schnitttechnik, sieht Kurse dazu..dann erzählt ihm ein Kollege von einem neuen Herd mit besonderen Features, den er unbedingt braucht..Und er kauft und kauft und kauft..und sucht weiter und kauft.. mittlerweile steht er in einer Küche voller Geräte und kocht nicht mehr, weil er zu beschäftigt ist mit dem Suchen nach dem Nächsten..
Das Essen war längst genial.. Mit dem, was er schon hatte..seiner Begeisterung und seiner Kreativität ( mittlerweile kocht er wieder, auf einer kleinen Hütte mit Holzofen;)
Die meisten Menschen, die ich kenne, die wirklich tiefe Veränderung erlebt haben, die haben irgendwann aufgehört, neue Techniken zu suchen, weil sie irgendwann bemerkt haben, dass die Suche selbst das Problem war. Dass das ständige Weitersuchen sie davon abgehalten hat, wirklich anzukommen ..bei sich, in dem, was sie schon hatten, in dem jetzigen Leben..
Denn was steckt wirklich hinter der Angst, die falsche Technik zu haben?
Meist steckt dahinter eine Überzeugung, dass Heilung etwas ist, das von außen kommt. Dass du ohne das richtige Werkzeug nicht heilen kannst, nie ankommst. Dass du so wie du gerade bist, mit dem, was du bereits weißt und tust und bist..nicht genug bist.
Das ist eine der schrägsten und gleichzeitig wirkungsvollsten Kontrollstrukturen, die es gibt. Oft sogar gut gemeint, aber in ihrer Wirkung hält sie dich in einem permanenten Zustand von Mangel. Von ich bin noch nicht dort, ich brauche noch etwas..erst wenn ich das Richtige gefunden habe, kann ich wirklich beginnen.
Und ein Mensch, der glaubt, er sei noch nicht dort.. der kauft, der bucht..und der bleibt abhängig.
Der einzige innere Kompass, der hier hilft, ist nicht die Frage nach der richtigen Technik, sondern aus welcher inneren Haltung heraus entscheide ich mich für sie?
Wähle ich aus Resonanz, aus einem inneren Ja, das sich ruhig anfühlt, klar, einladend, wie ein Erkennen?
Oder wähle ich aus Angst, aus dem Gefühl, ich muss, ich sollte, ich verpasse sonst etwas?
Das ist der grosse Unterschied..Nicht die Technik, die ich anwende, sondern die Haltung, aus der heraus ich sie wähle..
Die Antwort, die du brauchst, ist leiser als der Lärm des Marktes.. Aber sie ist da.. war immer schon da..und sie braucht keine neue Technik, um gehört zu werden..sie braucht nur Stille.
Und das du dir selbst wieder zuhörst..und vertraust..dir Zeit gibst, an deinem Ufer zu sitzen..das Eis zu betrachten..zu fühlen..und es damit schmelzen zu lassen..um wieder den Fluss des Lebens vor dir zu sehen..Denn du bist..und warst immer..ein Teil davon