02/09/2026
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𝐑𝐞𝐜𝐡𝐧𝐢𝐭𝐳 (𝐁𝐠𝐥𝐝): 𝐃𝐚𝐬 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐨𝐬𝐬, 𝐝𝐚𝐬 𝐚𝐮𝐬 𝐝𝐞𝐦 𝐎𝐫𝐭𝐬𝐛𝐢𝐥𝐝 𝐯𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐰𝐚𝐧𝐝 🏰🕰️🔥
Betrachtet man alte Aufnahmen von Rechnitz, könnte man kurz glauben, sich im Ort geirrt zu haben. Denn dort, wo heute nichts mehr an einen Adelssitz von gewaltigen Ausmaßen erinnert, beherrschte einst das Schloss der Batthyány den Hauptplatz.
Die ungarische Adelsfamilie war von 1527 bis 1871 Inhaberin der Herrschaft Rechnitz und prägte den Ort über Jahrhunderte. Mitte des 17. Jahrhunderts ließ Adam Batthyány anstelle eines älteren Kastells ein Schloss errichten, bei dem man mit dem Zählen der Fenster vermutlich eine Weile beschäftigt war: Mehr als 200 Zimmer soll es besessen haben. Die zweigeschossige Anlage gruppierte sich um einen riesigen Arkadenhof, in dem angeblich ein ganzes Husarenregiment exerzieren konnte. Über der langen Vorderfront erhob sich ein Torturm, der später zum klassizistischen Uhrturm umgestaltet wurde. Im Inneren gab es Stuckdecken und Deckenmalereien, dazu eine Schlosskapelle.
Das Anwesen war nicht nur Wohnsitz, sondern auch ein kultureller Hotspot. Im 17. Jahrhundert fanden hier Musik- und Theateraufführungen statt. Die stattliche Schlossbibliothek umfasste rund 30.000 Bücher, die Fürst Gustav Batthyány-Strattmann 1838 der Ungarischen Akademie der Wissenschaften schenkte. 1871 verkaufte die Familie die Herrschaft, die 1906 von dem Industriellen Heinrich Baron Thyssen-Bornemisza erworben wurde.
Das Ende des einstigen Adelssitzes kam in den letzten Kriegstagen. Ab Herbst 1944 befand sich im Schloss eine Bauabschnittsleitung der Organisation Todt; in Kellern und Ställen waren jüdische Zwangsarbeiter untergebracht. In der Nacht vom 29. auf den 30. März 1945 geriet der Bau während der Kampfhandlungen in Brand. Die Ruine wurde nach dem Krieg abgetragen.
Heute erinnern nur noch einige Terrassenmauern sowie ein Brunnen mit einer ehemaligen Steinlaterne an das einst mächtige Schloss. Wer die alten Fotos kennt, sieht es trotzdem noch dastehen – mit seinem Uhrturm über den Dächern und mehr als 200 Zimmern voller Geschichten.
Foto (Quelle Wiki Commons): Schloss Rechnitz, um 1920