05/05/2026
Nachdenken kann auch eine Form sein, nicht zu entscheiden.
Diesen Satz habe ich erst so richtig verstanden, als ich anfing, meinen Klient:innen zuzuhören wie einer Tonspur, nicht wie einem Text.
Was sie sagten, klang so oft so vernünftig. „Ich brauche noch ein bisschen mehr Information.“ „Ich will erst alle Optionen geprüft haben.“ „Ich entscheide, sobald ich mir sicher bin.“
Was darunter lag, war aber etwas anderes. Irgendwie ein beharrliches: Bitte, ich will mich nicht festlegen.
Wir tun so, als wäre Nachdenken immer produktiv. Als wäre jede weitere Stunde Recherche eine Investition in eine bessere Entscheidung. In Wahrheit gibt es einen Punkt, an dem das Denken kippt. Vorher klärt es, aber danach betäubt es nur noch. Und das Tückische: Beides fühlt sich gleich an. Beides fühlt sich nach Arbeit, Fortschritt und nach „ich kümmere mich“ an.
Die Frage, die ich inzwischen stelle, ist nicht mehr „Was denkst du darüber?“, sondern: „Würdest du es heute anders sehen als gestern?“ Wenn die Antwort nein ist, ist das Denken fertig. Dann kommt etwas anderes dran. Manchmal das Schwerere.
Speichere diesen Post für den nächsten Moment, in dem du merkst, dass du dich im Kreis denkst.
Und wenn du magst: Schreib mir in die Kommentare, welche Entscheidung gerade auf deinem Schreibtisch liegt. Manchmal hilft es schon, sie einmal auszusprechen.