29/06/2026
Die gläserne Decke ist heute nicht mehr aus Panzerglas. Sie ist aus feinem Samt gewoben. War sie früher spürbarer? Sie war hart, abweisend und eindeutig. Heute fühlt sie sich anders an – irgendwie weicher. Sie gibt scheinbar nach, signalisiert Offenheit und Veränderung.
Frauen erreichen vermehrt Führungspositionen, die Vielfalt ist insgesamt sichtbarer geworden. Zwar investieren Organisationen momentan etwas zögerlicher in Diversity & Inclusion, doch der Ernst der Lage ist den meisten bewusst. Bestehende Machtstrukturen grundsätzlich zu hinterfragen, ist inzwischen möglich; ich erlebe wesentlich weniger ausgesprochene Abwehr.
Es stellt sich nun die Frage: Sind die Exklusionen vielleicht einfach nur subtiler geworden? Die Erwartungen an eine bestimmte Form von Teamfähigkeit, Professionalität und kultureller Passung sind immer noch hoch.
Zwar wird Vielfalt heute oft als unverzichtbare Ressource genannt – als Treiber für Innovation, Unternehmensattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Schwierig wird es aber genau da, wo die Vielfalt bestehende Entscheidungs- und Machtstrukturen tatsächlich verändern würde. Vorbei ist jedenfalls die Zeit, in der bunte Diversity-Projekte demonstrativ ins Schaufenster gestellt wurden.
Moderne Organisationen müssen Kritik nicht mehr abwehren. Sie nehmen sie auf, verarbeiten sie und geloben Besserung. Macht das den Unterschied zu früher? Die gläserne Decke ist nicht verschwunden. Sie ist weicher geworden, in Samt gekleidet – und gerade deshalb oft schwerer zu erkennen.
In meiner professionellen D&I-Beratung stehe ich für eine nachhaltige und unspektakuläre Professionalisierung von personeller Vielfalt. Von der 3D-Analyse bis zum DPMM (Diversity Performance Measurement & Management) begleite ich den längst überfälligen Paradigmenwechsel: weg von bunten Inszenierungen, hin zu einer tragfähigen Verankerung. Niemand kann es sich heute mehr leisten, ernsthaft auf eine vielfältige Belegschaft verzichten zu wollen. Überall dort, wo Organisationen bereits heterogen sind, unterstützt eine nachhaltige Verankerung von D&I messbar: bei der Bindung und der Zugehörigkeit, in der Projektkompetenz und beim Konfliktmanagement, in der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz, und bei der Zusammenarbeit der Generationen. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Wo dieser Schritt ausbleibt, hat die gläserne Decke am Ende tatsächlich einfach nur ein Samtmäntelchen bekommen. Schade. Und. Dafür stehe ich nicht.