30/03/2012
Für das Leben lernen wir
Meine enge Beziehung zum Fußball
Bringe ich normalerweise gerne meine “amerikanischen” Charakterzüge in die Arbeit ein, treibt mich seit einigen Jahren eine vollkommen unamerikanische Begeisterung für den Fußball um. Einer unserer Auftraggeber stellte vor einiger Zeit fest, der FC Bayern München “habe Kunden und keine Fans”. Zum Glück wurde mir von anderer Seite versichert, dass alleine die Bekanntschaft mit mir diese Behauptung ad absurdum führe. Ja, ich bin überzeugter Bayernfan. Während man Elton John die Aussage zuschreibt, er habe am Beispiel des FC Watford und beim Fußball “mit Anstand zu verlieren” gelernt, hatte ich das Vergnügen vom FC Bayern ein solides Anspruchsdenken und Freude am Erfolg gelehrt zu bekommen.
Meine Begeisterung an diesen Lektionen führte mich u.a. in die Vip-Lounge des SV Werder Bremen, wo wir mit einem Geschäftspartner den Auswärtssieg der Bayern sahen. Für mich und meinen mich begleitenden Angestellten, der selber glühender Werderfan ist, war es ein wunderbarer Tag mit vielen Erlebnissen und einer zu erwähnenden Erfahrung. Als wir am Bahnhof Hannover umsteigen mussten, hörte man schon auf dem Aufgang zum Gleis lautstarke Fangesänge. Als wir am Bahnsteig standen, fand ich die Atmosphäre so ansteckend, dass ich dem Kollegen mein Bayerntrikot vor den Körper hielt. Nun muss man sagen, dass es sich bei den sich in Stimmung bringenden Fans um Anhänger des VfL Borussia Mönchengladbach handelte, die sich auf der Durchreise nach Berlin befanden. Und so wie heute deren Leistungsträger Marco Reus und Patrick Herrmann durch Treffsicherheit auffallen, überzeugten die Anhänger beim Bierbüchsenwurf mit Zielgenauigkeit. Offensichtlich ist es in Deutschland nicht immer angesagt, seine eigene Vorliebe für ein Team offen zu demonstrieren.
Inzwischen habe ich dank dem o.g. Auftraggeber Reisen durch Deutschlands Fußballstadien machen dürfen, habe einige Profimannschaften gesehen und nicht selten einen Platz in Kneipen vor Großleinwänden gefunden, wenn Fußball übertragen wird. Was mich an dem Spiel am meisten fasziniert, sind die vielen Aspekte, die man durchaus auch im eigenen Unternehmensleben wiederfindet. Wahrscheinlich hatten gestern Abend beim Pokalspiel zwischen Fürth und Borussia Dortmund sehr viele Personalmanager ein Aha-Erlebnis, als Mike Büskens, dem in den 118 Minuten zuvor so ziemlich alles besser als erwartet gelungen war, einen Torwartwechsel für das Elfmeterschießen vornahm. Dass Fejzics in diesen letzten zwei Minuten zur tragischen Figur wurde, sein Rücken den Dortmundern den Finaleinzug nach Berlin ermöglichte, kommentierte 11Freunde passend: “Es war ein 120-minütiger Witz mit einer bitteren Pointe. Dortmund lacht. Fürth nicht. Denn das Tor in letzter Sekunde erzielte der Rücken des eben erst eingewechselten SpVgg-Keepers.”Das sind Geschichten, die das Leben schreibt und aus denen wir für das Leben lernen. Fürth wird daran wachsen, dass man selbst solche Rückschläge wegstecken kann. Dortmund nimmt vielleicht die für Unternehmen nicht ganz unwichtige Lektion mit, dass man neben Fleiß und gutem Einsatz “auch mal das Glück des Tüchtigen” braucht, um erfolgreich sein zu dürfen.