28/02/2026
Während in den Vereinigten Staaten Migrant:innen Razzien, Inhaftierungen und gewaltsamen Ausschaffungen ausgesetzt sind – vorangetrieben von der Migrationsbehörde ICE –, setzt Spanien ein starkes Zeichen dafür, dass auch in Zeiten eines globalen Rechtsrucks eine andere Migrationspolitik möglich ist: Ende Januar hat die sozialdemokratisch geführte Regierung angekündigt, zwischen 500'000 und 800'000 Sans-Papiers zu regularisieren.
Personen, die bis zum 31.12.2025 mindestens fünf Monate in Spanien gelebt haben, können eine vorläufige Aufenthaltsbewilligung mit sofortiger Arbeitserlaubnis beantragen. Nach einem Jahr kann diese in eine reguläre Aufenthaltsbewilligung umgewandelt werden. Als Nachweise für den Aufenthalt gelten beispielsweise Mietverträge, ÖV-Tickets oder Geldüberweisungen. Auch migrationspolitische Aktivist:innen zeigten sich positiv überrascht über die pragmatisch tief gehaltenen Auflagen.
Die spanische Regierung anerkennt damit eine Tatsache: Hunderttausende Sans-Papiers arbeiten im Land, insbesondere in der Landwirtschaft, Viehzucht und Care-Arbeit. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur gut laufenden Wirtschaft. Statt sie weiter in die Unsichtbarkeit zu drängen, stärkt Spanien die Grundrechte für alle Arbeitnehmer:innen und schafft so Rechtssicherheit – für Sans-Papiers ebenso wie für Arbeitgeber:innen und die Gesellschaft.
Und die Schweiz?
Auch in der Schweiz leben und arbeiten zwischen 80'000 und 300’000 Sans-Papiers. Die Mehrheit von ihnen sind Frauen, viele sind in der Hausarbeit und Care-Arbeit tätig. Andere Sans-Papiers arbeiten in der Gastronomie, Landwirtschaft oder im Baugewerbe. Sie alle tragen zum Funktionieren unserer Gesellschaft bei – oft unter prekären Bedingungen: tiefe Löhne, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kein bezahlter Mutterschaftsurlaub, kein Kündigungsschutz.
Derzeit steht Sans-Papiers ohne aufenthaltsberechtigte Angehörige in der Schweiz nur ein Weg offen, um einen regulären Aufenthaltsstatus zu erhalten: Sie können ein Härtefallgesuch stellen, wofür in der Regel ein mindestens zehnjähriger Aufenthalt sowie weitere hohe Anforderungen erfüllt sein müssen. Und selbst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, besteht kein Rechtsanspruch – das heisst, ein Gesuch kann von den Migrationsbehörden dennoch abgewiesen werden.
Und die Politik?
Eine kollektive Regularisierung gehört seit jeher zu unseren Kernforderungen. Spanien beweist nun: Diese Lösung ist weder utopisch noch radikal, sondern einfach umsetzbar und ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft.
Die Schweiz muss endlich Verantwortung übernehmen und allen hier arbeitenden Menschen Rechte und Würde garantieren. Die Regularisierung von hier arbeitenden Sans-Papiers muss wieder aufs nationale politische Parkett. Gemeinsam können wir den Druck erhöhen, damit die Politik hinschaut und handelt.
(Quelle SPAZ - Sans Papiers Anlaufstelle Zürich)