31/05/2026
In der modernen Tierproduktion werden Tiere oft nicht als Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen betrachtet, sondern nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bewertet. Besonders deutlich wird das bei den Jüngsten: Küken und Kälbern.
In der industriellen Eierproduktion stammen Legehennen meist aus spezialisierten Zuchtlinien, die auf eine möglichst hohe Legeleistung ausgelegt sind. Weibliche Tiere werden aufgezogen. Männliche Küken gelten als «unerwünschtes Nebenprodukt», weil sie keine Eier legen und für die Fleischproduktion nicht effizient genug wachsen. In der Schweiz wurde das Töten männlicher Küken in der konventionellen Eierproduktion weitgehend durch die Geschlechtsbestimmung im Ei ersetzt. Männliche Embryonen werden früh erkannt und die Brut wird abgebrochen. Trotzdem schlüpfen aufgrund von Fehlerquoten weiterhin männliche Küken, die getötet werden. Auch sogenannte Futterküken werden weiterhin gezielt produziert.
Ähnlich ist die Situation bei Rindern. Für die Milchproduktion werden Kühe auf enorme Milchmengen gezüchtet. Weibliche Kälber sind für die Milchindustrie verwertbar, weil sie später selbst Milch geben können. Männliche Kälber werden dagegen meist kurz nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt, verkauft, wenige Wochen oder Monate aufgezogen und anschliessend geschlachtet. Aufgrund der Zuchtlinien geben sie weder Milch noch setzen sie besonders effizient Fleisch oder Fett an. Ihre kurze Lebenszeit folgt ökonomischen Vorgaben, nicht biologischen oder ethischen Überlegungen.
Zuchtprogramme verstärken dieses Ungleichgewicht. Tiere werden so selektiert, dass sie in kürzester Zeit extrem wachsen oder sehr produktiv sind. Das erscheint wirtschaftlich effizient, hat aber schwere Folgen für Gesundheit und Überlebensfähigkeit. Viele Jungtiere leiden unter stressbedingten Krankheiten, Skelettproblemen oder Organbelastungen.
Diese Praxis zeigt, wie stark in der konventionellen Tierhaltung wirtschaftlicher Wert über das Wohlergehen der Tiere gestellt wird. Jede Entscheidung für pflanzliche Ernährung ist auch eine Entscheidung gegen ein System, das Leben nach Profit bemisst und junge Tiere als «Wirtschaftsfaktor» behandelt, statt als fühlende Individuen.