03/09/2026
Jedes Unternehmen wird einmal übergeben. Die einzige offene Frage ist, ob geplant oder plötzlich.
Diese Frage ist unangenehm und genau deshalb wird sie in vielen Unternehmen lange aufgeschoben.
Solange die Inhaberin oder der Inhaber im Tagesgeschäft präsent ist, funktionieren Entscheidungswege, Kundenbeziehungen und Verantwortlichkeiten oft wie selbstverständlich. Fällt diese Person unerwartet aus, zeigt sich innert Tagen, wie vieles davon nie geregelt wurde: Wer darf Verträge unterzeichnen? Wer trifft finanzielle Entscheidungen? Und wer sorgt dafür, dass das Unternehmen handlungsfähig bleibt?
Ein solcher Notfall ist nichts anderes als eine Nachfolge unter Zeitdruck. Dieselben Fragen, die eine geplante Übergabe über Jahre begleiten, müssen dann innert weniger Wochen beantwortet werden. Nur fehlen die Vorbereitung, die Abstimmung in der Familie und der Spielraum für gute Lösungen.
Deshalb lohnt es sich, beides zusammen zu denken. Das gilt besonders dann, wenn ein Unternehmen innerhalb der Familie weitergegeben werden soll: Die Nachkommen sollen fair behandelt werden, gleichzeitig darf die Substanz des Unternehmens nicht durch eine ungeeignete Aufteilung gefährdet werden.
Das revidierte Schweizer Erbrecht schafft hier seit 2023 mehr Gestaltungsspielraum. Die reduzierten Pflichtteile erleichtern es, ein Unternehmen gezielt an eine geeignete Nachfolgerin oder einen geeigneten Nachfolger zu übertragen. Ein spezielles Unternehmenserbrecht gibt es jedoch nicht. Jede Lösung muss individuell aufgebaut werden, und zwar früh genug.
Dazu gehört mehr als ein Testament: Klare Vertretungsbefugnisse, ein unternehmerischer Notfallplan sowie eine abgestimmte erb-, ehe-, steuer- und vorsorgerechtliche Planung.
Denn es geht nicht nur um Eigentumsanteile und Vermögenswerte. Es geht um Mitarbeitende, Kunden, Wissen, Verantwortung und um ein Lebenswerk.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wer übernimmt das Unternehmen?
Sondern: Wäre das Unternehmen handlungsfähig, wenn die Übergabe schon morgen nötig würde?
Wer diese Frage nicht mit einem klaren Ja beantworten kann, sollte sie nicht länger aufschieben.