22/06/2026
Der folgende Text ist in der männlichen Form und/oder im generischen Maskulinum verfasst, aber selbstverständlich sind alle Geschlechter mitgemeint.
Habt ihr in eurem Team jemand, der ungefragt Dinge von sich gibt? Wie er eure Präsentation gefunden hat? Ob sein neuer Bürostuhl bequem ist? Welcher Mitarbeiter seiner Meinung nach überflüssig ist? In welches Restaurant sein Vorgesetzter mit ihm essen geht und wie viele Punkte er im firmeninternen Tippspiel zur WM bereits geholt hat?
Eine ungefragte Tat ist dagegen ab und an positiv zu bewerten. Der Arbeitskollege, der ohnehin an die Kaffeemaschine geht, bringt euch ebenfalls einen mit, und jemand mit unzähligen Sachen in den Händen ist sicher froh, wenn ihr für ihn im Lift den Knopf drückt. In Deutschland gibt es darüber hinaus ein Unternehmen, das ungefragt und kostenlos Graffitis im öffentlichen Raum entfernt. Einige Leute stören sich allerdings selbst an dieser Aktion, aber wahrscheinlich haben diese Artgenossen an allem etwas auszusetzen.
In manchen Staaten helfen die Menschen ungefragt und umgehend jemandem, der beispielsweise am Boden liegt. Dies möglicherweise deshalb, weil zahlreiche Verunglückte die Anwesenden schon wegen unterlassener Hilfeleistung verklagt haben oder einfach aus grosser Hilfsbereitschaft. Eine ganz andere Einstellung zu diesem Thema haben die Bewohner des Landes der aufgehenden Sonne. Die meist reservierten sowie ruhigen Japaner schauen bei einem unglücklichen Ereignis zuerst nur hin und überlegen sich, wie sie der Person helfen können, ohne dass diese ihr Ansehen verliert. Daher war ich im Frühling als Tourist sehr erstaunt, als mir beim Check-in am Flughafen Tokyo zum ersten Mal kein Rollstuhl angeboten wurde. Für die allermeisten ist dies unvorstellbar und unverzeihlich, während ich es sehr höflich fand.