20/05/2023
Erdölfirmen und E-Mobilität: Shell kauft grössten Ladenetz-Anbieter der Schweiz
Der niederländische Mineralölhersteller Shell weitet sein Stromnetz für Elektroautos aus. Mit der Firma Evpass erwirbt der Konzern den grössten Schweizer Anbieter von Ladestationen.
Quelle: NZZ 27.02.2023, 14.00 Uhr / Autor: Herbie Schmidt
Bereits 2017 hatte der Ölkonzern Shell einen guten Riecher für die Mobilitätsentwicklung und kaufte den niederländischen Anbieter von Ladesäulen New Motion. Auf einen Schlag verfügte Shell über mehr als 30 000 Ladestationen für den Heim- oder Unternehmensbereich. Zusätzlich erhielt der Konzern damit Zugang zu rund 50 000 öffentlichen Ladesäulen in 25 Ländern.
Zuvor hatten die Erdölkonzerne noch gezögert. Bis zum Engagement von Shell hatten die fünf grössten Tankstellenkonzerne in Deutschland gerade einmal 60 Ladesäulen betrieben, wie die «Welt» herausfand. Das war schon 2017 bei einem Bestand von rund 35 000 Elektroautos und 165 000 Plug-in-Hybrid-Wagen in Deutschland zu wenig.
Shell nützte den Erwerb von New Motion als Startschuss für eine Expansion in die Elektromobilität. 2019 hiess es bereits aus der Konzernzentrale, man wolle der grösste Stromanbieter der Welt werden. Zu dem Zeitpunkt war Shell schon der grösste Stromanbieter der USA. Zwar produzierte der Mineralölhersteller selbst keinen Strom, er handelte jedoch im grossen Stil damit.
«Wir wollen das Pariser Klimaabkommen von 2015 erfüllen», sagte die Shell-Sprecherin Cornelia Wolber damals gegenüber der NZZ. «Daher werden wir unseren Treibstoffmix immer mehr decarbonisieren.»
Nun übernimmt Shell mit Evpass auch in der Schweiz eine Führungsrolle bei Ladesäulen, sowohl an Tankstellen als auch ausserhalb. Die 2016 von Green Motion gegründete Firma verfügt heute über 3000 öffentliche Ladepunkte in der Schweiz, die nun von Shell übernommen werden. Sie sollen die Unternehmensbereiche Recharge und Ubitricity ergänzen, die bereits im Geschäft der Ladesäulen aktiv sind.
Man wolle die Mobilitätswende vorantreiben und es den Menschen erleichtern, den Schritt zu klimafreundlicher Mobilität zu vollziehen, heisst es in der Shell-Mitteilung zur Übernahme von Evpass. Die Akquisition sei ein Ausdruck «unseres Willens, bis 2050 ein Energieunternehmen mit netto null Emissionen zu werden».
Neben den Ladesäulen erhält Shell Zugang zu den Daten der rund 50 000 Abonnenten, die über Evpass-Ladekarten verfügen. Als Ziel gibt der Ölhersteller bekannt, bis 2025 weltweit über 500 000 Ladepunkte zu verfügen. Bis 2030 sollen es mehr als 2,5 Millionen Ladestationen sein. Derzeit hat die Firma über den Firmenbereich Recharge und Roaming-Vereinbarungen bereits Zugang zu gut 300 000 öffentlichen Ladepunkten.
Andere Tankstellenanbieter hinken hinterher. BP etwa verfügt derzeit in Deutschland über weniger als 30 Ladestationen. In der Schweiz gibt es bisher noch keine Tankstellenanbieter mit eigenem Ladenetz, meist handelt es sich dort um Ladesäulen von Evpass – die nun Shell gehören.
Global M&A Associates GmbH
Global M&A Associates hat seit der Lancierung von evpass im Jahr 2016 dessen Gründer und seit der rechtlichen Verselbständigung von evpass im Jahr 2018 den Verwaltungsrat von evpass SA und dessen Management in Corporate Finance Fragen exklusiv beraten. Beim Trade Sale an Shell hat Global M&A Associates mögliche strategische Partner identifiziert und selektiert und die entsprechenden Verhandlungen im Auftrag des Verwaltungsrats von evpass SA geführt.
Schlüsselaktivitäten von Global M&A Associates als Hauptberater
2018: Spin-off von evpass und Gründung der evpass S.A. gefolgt von zwei Kapitalerhöhungen mit den nationalen Energieunternehmen FMV SA und AEW Energie AG.
2021: Verkauf von Green Motion SA, der Gründerin von evpass SA, an EATON.
2020-2023: Begleitung des Verwaltungsrats und des Managements von evpass bei der strategischen Positionierung der Gesellschaft, der Identifikation und Evaluation möglicher strategischer Partner und der Vorbereitung des Trade Sales
2023 Trade Sale von evpass SA an Shell. Shell ist an der Londoner Börse kotiert.
www.gma-associates.com