22/09/2020
Der «Zoom-Müdigkeit» ein Schnippchen schlagen
Zu den Tücken der digitalen Kommunikation
(von Reto Sperisen, www.derauftritt.com)
Corona hat uns ins Homeoffice gezwungen – und dieser Trend, vermehrt zu Hause oder in Coworking Spaces zu arbeiten, wird vermutlich auch nach Corona «das neue Normal» vieler Berufstätiger sein. In den letzten Monaten haben wir alle die Stärken und Schwächen von Zoom, Teams, Bluebeam, iMeet, Google+ oder Skype kennengelernt. Es ist natürlich eine Errungenschaft, dass man heutzutage praktisch von überall arbeiten kann. Doch wie steht es um die Qualität der interpersonalen Kommunikation, wenn man nur noch über den Bildschirm miteinander zu tun hat? Gespräche über Zoom etc. haben nämlich einen entscheidenden Nachteil: Sie zeigen nur einen Ausschnitt der gesamten Gesprächssituation, was eine negative Auswirkung auf die Kommunikation haben kann.
In der Kommunikationspsychologie benutzt man inzwischen die Bezeichnung «Zoom-Müdigkeit» und meint damit, wenn Online-Meetings oder Chats als sehr anstrengend empfunden werden. Doch wieso «ermüden» wir am Bildschirm schneller als beim Face-to-Face-Gespräch? Wenn wir kommunizieren, machen wir das bekanntlich nicht nur über das Wort, sondern auch über unseren Körper. Mimik, Gestik, Körperhaltung, allenfalls Bewegung im Raum gehören zu den wichtigsten Aspekten der nonverbalen Kommunikation. In einer Video-Konferenz sehen wir normalerweise nur den Kopf des Gegenübers. Die Mimik des Gesprächspartners ist bei einer guten (!) Qualität von Kamera und Übertragung lesbar. Den Rest müssen wir uns vorstellen. Der Mensch macht dies automatisch und ergänzt im Kopf – teilweise unbewusst – den Rest der nonverbalen Kommunikation. Wir hören also dem Gegenüber zu, bringen uns selbst inhaltlich ein und sind dazu noch ständig am Ergänzen und Interpretieren der sozialen Situation. Und dies ist in der Tat sehr anstrengend und ermüdend.
Es gibt verschiedene Verhalten vor dem Bildschirm: Der Anfänger unter den Zoom-Benutzern ist derjenige, dessen Kamera mehr Zimmerdecke als Gesicht zeigt. Andere haben durch ihre Laptop-Kamera eine so extreme Vogelperspektive, dass man sich während des Meetings mehr auf die Nasenhaare des Gegenübers als auf das Gespräch konzentriert. Gewohnte Teams-Benutzer hingegen machen solche Anfängerfehler nicht: Sie wissen, wie man die Kamera positioniert kennen die Regeln des Online-Gesprächs: Sie zeigen nicht nur den Kopf, sondern den angerissenen Oberkörper und – das ist der Clou – sie gestikulieren.
Der eingangs angesprochene Nachteil von Video-Chats – sie zeigen nur einen Ausschnitt der Gesprächssituation, was eine negative Auswirkung auf die Kommunikation hat – lässt sich also beheben, indem man weiter weg von der Kamera sitzt und bewusst auch mit den Händen «spricht». Durch den Einsatz von mehr nonverbaler Kommunikation helfen wir dem Gegenüber bei der Interpretation des Gesagten. Bei heiklen Gesprächsinhalten oder schwieriger Kommunikation ist der persönliche Kontakt zu den einzelnen Teilnehmern immer noch das Beste. Nur so können alle Eindrücke, die auch durch die nonverbale Kommunikation transportiert werden, erfasst werden.
Auch wer vom Home-Office wieder ins Büro wechselt, wird sich wohl oder übel auch zukünftig Google+, Skype und co. stellen müssen. Aber vielleicht kommuniziert man in Zukunft ja anders, mehr gestikulierend zum Beispiel.
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Ob „die Chemie“ im Team und in Zusammenarbeit mit der Führungskraft stimmt und die Motivation und Leistungsbereitschaft hoch sind, hängt massgeblich von der Kommunikationskultur innerhalb einer Firma ab.