30/07/2022
Das scheuende Pferd.
Bitte niemals die Pferde schimpfen oder gar strafen beim scheinbar völlig unnötigen Scheuen oder Erschrecken. Auch, wenn es Euch ärgert oder nervt, arbeitet dann besser an der Durchlässigkeit und vor allem am gegenseitigen Vertrauen! Oder überprüft andere Gründe, wie zu geringe Auslastung, Schmerz, Hunger oder anderen Stress und Eure eigene psychische Verfassung. Es sind oft Dinge, die wir nicht wahrnehmen, da Pferde eine ganz andere Wahrnehmung haben als Menschen. Auch sehen die Pferde mit jedem Auge etwas anders, so dass ein Objekt vom rechten Pferdeauge betrachtet anders wirkt als vom linken.
Und dann muss man überlegen, was senkt die Scheuschwelle, was erhöht sie.
Die Scheuschwelle ist die Intensität des Reizes, die ein Scheuen auslöst. Je niedriger, desto öfter scheut das Pferd.
Auslösend sein können: Sehbare, hörbare, riechbare oder fühlbare Reize. Da kann es ausreichen, ein Wildschwein zu wittern oder seine Losung. Oder die krabbelnde Hirschlausfliege zu spüren. Auch in der geschlossenen Halle draußen etwas zu hören, das kann ein Pferd verunsichern, da reichen schon mal auf dem Dach hüpfende Krähen. Oder die Lichtspiele der Sonne oder eines Gänseblümchens. Auch Augenerkrankungen können eine Ursache sein.
Und dann gibt es mehr oder weniger sensible Pferde mit einem mehr oder weniger „dicken Fell“. Klar im Kopf oder eh schon ein verrücktes Huhn? Das kann ähnlich wie beim Menschen sein. Auch Übermut und fehlende Auslastung senkt die Reizschwelle.
Auch Stress in der Herde, mangelnder Schlaf, Hunger und Durst und Erkrankungen aller Art können die Scheuschwelle senken. Natürlich auch ein nervöser, unsicherer oder sehr gereizter oder angespannter Reiter, da reicht schon ein Verkürzen der Zügel oder ein Luftanhalten oder die Beschleunigung des Herzschlages des Reiters.
Auch ein Pferd, das ständig in der Balance gestört wird oder sich im Wachstum neu ausbalancieren muss, ist da unter Umständen empfindlicher.
Der wichtigste Punkt allerdings ist: SCHMERZ!
Ein Pferd, das unter Schmerzen leidet, seien es Magenschmerzen, Kopfschmerzen, oder auch nur leichte Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates oder des Rückens wird sich als potentielles Fressopfer sehen, denn es weiss nicht, dass der Säbelzahntiger ausgestorben ist.
Wenn neu aufgetretenes Scheuen Euch auffällt, dann schaut Euer Pferd SEHR genau an.
Und dann gibt es noch die Pferde, die eine kompetente und sichere Führung unbedingt brauchen. Das sind einmal die sehr unsicheren und dann die sehr intelligenten Pferde und natürlich auch die Kombination aus beidem. Denn, je eher das Pferd dem Reiter vertraut, desto eher legt es sein Leben vertrauensvoll in dessen Hände! Und desto besser ist es auch mit der Durchlässigkeit bestellt. Denn ein Pferd, das sauber an den Hilfen steht, wird wesentlich seltener scheuen als eines, das schon von Haus aus nicht vorm Schenkel steht zum Beispiel.
Wie sieht das bei Euch aus? Wann und wie scheuen Eure Pferde und was unternehmt ihr dagegen?
Die wichtigsten Punkte sind: Vertrauen, Gesundheit, Balance und allgemeines Wohlbefinden und dazu eine reelle Ausbildung, dann scheuen die Pferde auch immer seltener und wenn sie scheuen haben sie vor allem eines: RECHT!
Und einer muss beginnen, Vertrauen zu schenken und das sollte der Reiter sein. Und dazu braucht er einen ausbalancierten und sattelfesten Sitz und eine gewisse heitere Gelassenheit. 🙂 Balance und Vertrauen!
Immer im Sinne der Pferde
Eure Dagmar