19/08/2026
JANIKA ALBERSKI
Ich weiß noch als ich damals ihr Auto auf dem Parkplatz sah und dachte: Geil, ich kann gleich wieder nach Hause fahren. Ich hatte richtig Schiss! Rückblickend ist es eine absolute Ehre noch von Frau Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen geprüft worden zu sein:
„Hunde tun uns gut, wenn wir sie als Hunde in all ihrer Komplexität begreifen und sie ebenso in unseren Lebensbezügen ernst nehmen.“
Warum wollen wir Hunden ihr Normalverhalten aberkennen?
Das Foto ist schon älter, meine Hündin bedroht meinen jungen Rüden, weil er zu nah an ihrem Napf war. Ich habe nicht eingegriffen. Warum? Weil es ihr gutes Recht ist. Es ist sauberes, biologisch korrektes Ressourcen-Management und ein normales Ausdrucksverhalten, das ich ihr nicht aberkennen darf. In unserer Gesellschaft ist agonistisches Verhalten (Aggression und Drohen) extrem negativ besetzt. Viele Menschen wünschen sich einen stets freundlichen Hund, der sich alles gefallen lässt. Doch das entspricht nicht der Realität eines Lebewesens.
Agonistisches Verhalten ist kein Charakterfehler, sondern ein biologisches Werkzeug zur Sicherung von Lebensgrundlagen (Nahrung, Raum, Status, etc.). In sozialen Gruppen ist es unabdingbar, um Strukturen zu klären. Bei Jungtieren ist es soziales Kräftemessen – hochgradig ritualisiert und in der Regel ohne Beschädigungsabsicht. Kommunikation ist eine Zweierbeziehung. Es gibt immer Sender und Empfänger. Nach dem Leitsatz „Man kann nicht nicht kommunizieren“ läuft dieser Signalaustausch (Körperspannung, Präsenz, Distanzen, etc.) unwillkürlich in jedem Moment ab. Wir können nicht per Knopfdruck entscheiden, wann der Hund lernt oder kommuniziert. Ein Hund ist nicht „schlecht“, weil er Aggression zeigt. Jede Situation muss individuell und situativ bewertet werden – unter anderem basierend auf der Motivation, den Reizen und den Emotionen in genau diesem Moment. Statt sich in moderne psychologische Techniken oder Ausrüstung zu flüchten, um kompetent zu wirken, müssen wir lernen, dieses Verhalten wertfrei zu analysieren.
Das Thema ist noch weitaus umfangreicher. Aber wir müssen (wieder) anfangen, den Hund als das zu sehen, was er ist.