25/02/2026
Gestern durfte ich an der Auftaktveranstaltung 2026 des Gesprächskreises Ahrtal teilnehmen. Wann immer ich hier bin, nutze ich die Gelegenheit, die Vorträge zu hören – fachlich fundiert, inspirierend und stets ein Gewinn für alle, die sich mit der Zukunft des Ahrweins beschäftigen.
Den Auftakt des Abends gestalteten Dr. Jürgen Haffke und Paul Gieler. In einem nahezu zweistündigen, lebendig und mit feinem Humor vorgetragenen Beitrag führten sie ihr Publikum durch die bewegte Geschichte des deutschen Weinbaus – eine Entwicklung, deren Spuren bis heute auch im Ahrtal deutlich sichtbar sind. Sie zeichneten die tiefgreifenden Veränderungen seit 1950 nach – eine Epoche, in der sich vermutlich mehr gewandelt hat als in den tausend Jahren zuvor.
Dr. Jürgen Haffke, historischer Geograph und ausgewiesener Kenner der Ahrtal-Geschichte, beleuchtet seit vielen Jahren die kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Region. Sein Schwerpunkt liegt auf der historischen Einordnung des Weinbaus im Ahrtal, die er wissenschaftlich fundiert und zugleich anschaulich vermittelt.
Paul Gieler, Winzer, Autor und profunder Kenner der Ahrweintradition, verbindet praktische Erfahrung mit tiefem historischem Wissen. Seine Verwurzelung in der Region verleiht seinen Ausführungen besondere Authentizität.
Gemeinsam spannten sie den Bogen von Mechanisierung, Flurbereinigung und Qualitätsrevolution bis hin zur Zäsur der Flutkatastrophe 2021 und deren nachhaltigen Folgen für den Weinbau im Ahrtal. Gerade diese historische Perspektive machte deutlich, wie außergewöhnlich die derzeitige Phase des Wiederaufbaus ist – und zugleich, wie wandlungsfähig diese Region seit Jahrhunderten war.
Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten den Referenten mit großer Aufmerksamkeit – spürbar war das gemeinsame Interesse an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ahrweins.
Im Anschluss kamen – wie stets – die ausgewiesenen Praktiker zu Wort. Zunächst berichtete Marc Linden vom Weingut Sonnenberg differenziert über den aktuellen Zustand der Weinberge. Mit Stolz, Freude und einem positiven Blick in die Zukunft gab Kellermeisterin Astrid Rickert von der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr einen fundierten Einblick in die Situation im Keller. Beide machten deutlich, wie sehr sich der Ahrweinbau im Spannungsfeld zwischen Wiederaufbau, Qualitätsanspruch und strukturellem Wandel befindet.
Ein gelungener und hochinteressanter Abend. Vielen Dank dafür 🙏🍇🍷
Mein Fazit: Es war mit Abstand der beste Vortrag, den ich über die Entwicklung des deutschen Weinbaus der letzten 75 Jahre gehört habe.
Im Bild v.l.n.r. Dr. Jürgen Haffke / Paul Gieler