Alfred Döblin in Baden Baden

Alfred Döblin in Baden Baden Alfred Döblin
(Berlin Alexanderplatz)
Anlässlich des 50. Todestages von Alfred Döblin wird am
Mittwoch, 27.06.2007 eine Gedenktafel enthüllt. Volz
zum 50.

Am Wohnhaus des Dichters in seiner Baden-Badener Zeit (1946-1949) in der Schwarzwaldstr. 6 wurde in Anwesenheit des Sohnes Stephan Döblin aus Paris, sowie des Oberbürgermeisters Wolfgang Gerstner eine Gedenktafel enthüllt. Die Feier war musikalisch umrahmt von der künstlerischen Gruppe des Pädagogium Baden-Baden. Döblin – Rede
Von Hans J.A. Todestag (26.06.1957) und Enthüllung der Gedenktafel
am

27.06.2007 in Baden-Baden, Schwarzwaldstr. 6

Gestern vor 50 Jahren starb Alfred Döblin in Emmendingen. Heute vor 50 Jahren erhielt er – posthum – den Literaturpreis der Bayerischen Akademie. Meine Damen und Herren,
Ich begrüße Sie alle recht herzlich, die wir uns hier vor einer Portraitphotographie von Alfred Döblin eingefunden haben,
hinter der sich noch die Gedenktafel verbirgt. Bei der Portraitphotographie handelt es sich um eine Neuauflage eines Bildes aus 2004, das der Künstler Ernst Ludwig Kirchner im März 1932 von Alfred Döblin hergestellt hatte. Zur Enthüllung einer Gedenktafel für einen großen Dichter – für Alfred Döblin - anläßlich dessen 50. Todestag am 26.06.1957 begrüße ich Sie - auch namens meiner Familie Christiane + Philipp Volz - sehr herzlich hier in Baden-Baden. Wir begrüßen Herrn Stefan Döblin, den jüngsten Sohn von Alfred Döblin und dessen Gattin Juliette Nathalie,
die es sich trotz ihres betagten Alters nicht nehmen ließen, die Mühen auf sich zu nehmen, mit ihrer Enkelin Clemence, einer Urenkelin von Alfred Döblin, von Paris nach Baden-Baden anzureisen. Sehr dankbar sind wir über die Anwesenheit des Oberbürgermeisters der Stadt Baden-Baden - Herrn Wolfgang Gerstner - dem wir für sein Kommen danken. Glücklich über Ihre Anwesenheit – Herr Oberbürgermeister - sind wir deshalb, weil Alfred Döblin zu seinen Lebzeiten kein Magnet für die “Obrigkeit” war - mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. dem seinerzeitigen Bundespräsidenten Theodor Heuss. Wir begrüßen
• Frau Dr. Gabriele Sander, die Präsidentin der Internationalen Alfred Döblin-Gesellschaft, die mir von der ersten Stunde der Planungen mit Tat und Rat zur Seite stand. Dafür ganz herzlichen Dank, Frau Dr. Sander.
• Frau Dr. Alexandra Birkert, eine weitere profunde Kennerin von Alfred Döblin´s Literatur. Sie hat promoviert über Döblins Literaturzeitschrift “Das Goldene Tor”, dessen Herausgeber Alfred Döblin in seiner Baden-Badener Zeit war.
• Frau Beate Wirth, als Vertreterin des Baden-Badener Stadtrates
• Frau Susanne Büchler vom Pädigogium Baden-Baden. Vom Schüler Maximilian Stephan dieser Privatschule haben wir soeben das musikalische Entré “Mamita” von Ch. Loiger gehört. Mit dieser feierlichen Einstimmung hatte Maximilian soeben sozusagen seinen ersten öffentlichen Auftritt. Auch der Schülerchor des Pädagogiums wird uns noch mit einer Lieblingsstück der Familie Döblin, “Freude schöner Götterfunken”, erfreuen.
• Mdme. Horsch aus Gaggenau, die sich als Dolmetscherin zur Verfügung stellt
• Herrn Spallek, der Repräsentationsdirektor des Schloßhotels “Bühlerhöhe”, mit Gatin
• Herrn Polomski, einen Freund des Baden-Badener Dichters Otto Flake, der seinerseits regen Kontakt mit der Familie Döblin in deren Baden-Badener Zeit hatte
• Familie Heinz Frey, den Vorsitzenden des Kunstvereins Meersburg, am Bodensee
• wir begrüßen die Vertreter der Medien, Funk, Fernsehen und Lokalzeitungen und bedanken uns schon an dieser Stelle bei Herrn Sven Heinemann vom Badischen Tagblatt, der als lokaler “Experte für Döblin in Baden-Baden” schon vor Jahren eine sechsteilige Serie über die Familie Döblin veröffentlichte und auch diese Zeremonie schon im Vorfeld durch seine Berichtersattung unterstützt hat
• und wir begrüßen alle Anwesenden, die durch Ihr Kommen, durch ihre Präsenz, Solidarität mit der Familie Döblin zeigen. Eine Solidarität, die Alfred Döblin auch zu Lebzeiten sehr sehr gut getan hätte. Wir begrüßen die Mitsponsoren der Gedenktafel, denen unser aller ganz herzlicher Dank gilt,und zwar den Firmen
● Lachenmaier Werkzeugbau GmbH aus Bietigheim, hier vertreten durch den Geschäftsführer Klaus Lachenmaier und Gattin Marianne Lachenmaier
● im weiteren die Firma Bastian, Elchesheim-Illingen, hier vertreten durch den Geschäftsführer Herrn Heuser
● die Fa. Domicilia Hausverwaltung in Karlsruhe
● sowie die Fa. Facility Management

Ohne die Unterstützung dieser Firmen wäre die Realisation dieses Projektes nicht möglich gewesen. Wir begrüßen nicht zuletzt den Künstler Joachim Hauns, der die zu enthüllende Gedenktafel künstlerisch und technisch sehr hochwertig hergestellt hat, wovon wir uns mit der Enthüllung alle persönlich überzeugen können. Er hat auch – zusammen mit seiner Frau Marianne - die Montage der Gedenktafel und die verhüllende Bildmontage die Sie hier sehen können, durchgeführt. Liebe Marianne, lieber Joachim, ganz herzlichen Dank für Euer Engagement. Für die künstlerisch-technisch stärker Interessierten unter uns liegt auch eine Werkbeschreibung zur Gedenktafel aus, die auch über das Internet einsehbar ist. Lassen Sie mich zitieren:
“Wer .... Richtung raus aus der Stadt fuhr... wird wohl kaum Zeit gefunden haben, lange darüber nachzudenken, was das Häuflein Menschen gewollt haben mag, das sich da gerade eben noch zu einer kleinen Traube auf dem Fußweg zusammengeballt hatte”. Nein wir reden nicht von hier und heute, sondern von einem Zeitungsbericht aus der “Berliner Zeitung” vom 15.05.2003 anläßlich einer Enthüllung einer Gedenktafel für Alfred Döblin am Charlottenburger Kaiserdamm 28 in Berlin. Eine Gedenktafel der Königlich Preussischen Manufaktur (KPM), die am 14.03.2005 leider gestohlen wurde und durch eine Papptafel ersetzt werden musste. Seitdem gibt es in Deutschlands größter Metropole - jedenfalls nach meinem Kenntnisstand - nur noch eine provisorische Gedenktafel für Alfred Döblin, der sich – würde man ihn fragen – zweifelsohne als Berliner bezeichnen würde. Deutschlands “kleinste Metropole Baden-Baden” , um hiermit eine Anleihe bei unserem Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner zu nehmen, wird ab heute eine Gedenktafel für den - für mich - größten Dichter des vergangenen Jahrhunderts besitzen. Und man steht hier in der “kleinsten Metropole” im Gegensatz zur größten Metropole, nicht vor “einem kleinen Häuflein Menschen” , sondern vor einer großen Schar interessierter Teilnehmer an dieser Enthüllungszeremonie. Lieber Herr Gerstner,
Sie sehen, Baden-Baden braucht sich in “Sachen Kultur” nicht hinter Berlin zu verstecken. Baden-Baden ist zu Recht eine Kandidatin , meines Erachtens eine sehr gute Kandidatin als “Welterbestadt”. Werdegang einer Gedenktafel
Gestern, beim gemeinsamen Abendessen hat mich Stephan Doblin gefragt : Wie kommen Sie zu dieser Initiative? Nun, die Initiative zur Anbringung einer Gedenktafel für Alfred Döblin ist wohl sehr früh begründet. Als ich im Juni 1948 geboren wurde, lebten Erna und Alfred Döblin schon 2 Jahre in diesem Haus meiner Tante Ida und meines Onkels Franz Lienhart. Im Oktober 1949 verließ die Familie Döblin Baden-Baden und zogen nach Mainz. Ich habe logischerweise kein Bewußtsein über die Familie Döblin, möglicherweise könnten sich die Döblin´s an einen “kleinen Brüller” erinnern. Meine Mutter jedenfalls war eine belesene Bewunderin von Alfred Döblin. Man munkelt, er hätte die Bewunderung aller weiblichen Verwandten gehabt. Wenn dem so war, so vermute ich aber mal, dass das Interesse an Alfred Döblin weniger literarisch begründet war. Etwa mit 13 Jahren las ich aus Mutter´s Bibliothek zum ersten Mal Berlin Alexanderplatz. Nach dem zweiten Lesegang “lebte” ich in Berlin, es hatte mich so in den Bann gezogen, dass wir noch heute etwa 2 mal jährlich Berlin besuchen. Einige Episoden über die Döblins in Baden-Baden klingen mir von Eltern, und Tanten und Onkels noch heute im Ohr, teilweise gut nachzulesen in Sven Heinemanns sechsteiliger Serie im Badischen Tagblatt des Jahres 1998. Über die dichterische Größe Alfred Döblins bestand – leider – kein Bewusstsein. Jedenfalls wurde es mir nicht vermittelt. Als wir im Jahre 1999 das Haus übernahmen und umbauten, konnten wir gut auf Döblins Wohnerfahrung in diesem Haus zurückgreifen. “Die Wände sind dünn, wir wohnen parterre, vom Boden steigt Kälte auf”, wird Döbin über das Haus zitiert. Er erwähnt dabei im übrigen auch “die freundliche Wirtin”, womit meine Tante Ida ge¬meint war. Nun, die dünnen Wände sind entfernt, das Erdgeschoss hat Fußbodenhei¬zung, wenigstens insoweit könnten sich Erna und Alfred Döblin heute hier wohlfühlen. Als wir ab dem Jahr 2000 das Haus schließlich bewohnten, erlebten wir von Zeit zu Zeit Menschen, die dieses von Döblin bewohnte Haus aufsuchten. Von einem der Besucher wurden wir auch gefragt, ob wir denn mit der Anbringung einer Tafel zu Ehren Alfred Döblins einverstanden sein könnten, was wir freudig bejahten. Er wolle über die Stadt die Fertigung und Anbringung einer Tafel veranlassen. Nachdem sich Jahre nichts getan hatte, wir uns aber intensiv damit beschäftigten, wurde irgendwann die Idee für eine Gedenktafel zum “Selbstläufer”. Zwischenzeitlich hatten wir uns umfangreich mit der Literatur Döblins aber auch mit dem Lebensgang der Familie beschäftigt. Neben der dichterischen Größe Döblins offenbarte sich schonungslos eine menschliche Tragödie. Die historische Tragödie der Naziherrschaft glaubten wir persönlich zu erleben. Hier ein Zeichen zu setzen schien uns unerläßlich. Der Familienrat tagte und zum ersten Mal fiel der Gedanke, das Projekt in Eigenregie durchzuführen. Ein erster Tafelentwurf findet sich in unseren Unterlagen,
der als Widmungsjahr noch das Jahr 2005 vorsah. Es zeigte sich, dass ein gutes Projekt seine Zeit braucht. Heute stehen wir vor dem – wie wir meinen guten – Ergebnis und allen, die dazu beigetragen haben, gilt unser herzlicher Dank . Der Sohn Stephan Doblin, der als Kind und Jugendlicher vom Schicksal seiner Eltern unmittelbar betroffen und Leidender war, wird heute mit seiner Enkelin Clemence eine Gedenktafel enthüllen, mit der wir einen bescheidenen Beitrag dazu leisten wollen, Alfred Döblin – zumindest in unserem Bewusstsein – wieder einzubürgern. Wir wollen seinem an Theodor Heuss, den damaligen Bundespräsidenten, gerichteten Abschiedssatz “Ich bin in diesem Lande... hier... überflüssig” hiermit entschieden widersprechen: Sie waren und sind nicht überflüssig – im Gegenteil, Sie waren eine grandiose Bereicherung für unsere Familie, für diese Stadt, für die ganze Nation, für die Welt. Wir danken allen, die mitgeholfen haben, die Idee einer solchen Gedenktafel und ihre Realisierung durchzuführen. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt, das von einer Reihe von Sponsoren erarbeitet und finanziert und ideell unterstützt worden ist. Und es ist für uns ein Hoffnungszeichen, dass Staat und Bürger sich für die Erinnerung an einem zu Unrecht aus Deutschland vertriebenen großartigen Autor engagieren. Ihnen – sehr verehrte Familie Doblin – gilt unser allergrößter Dank. Zeigen Sie uns doch durch Ihr Kommen und Ihre Teilnahme an dieser Feier, dass Sie trotz allem persönlichen Leid und persönlicher Schmach in und mit diesem Land zur Vergebung bereit sind. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, für Ihr Interesse an Alfred Döblin und damit für Ihr Mitwirken, womit Sie alle zur Wiedergutmachung beitragen und dazu, dass Alfred Döblin und seine Werke unvergessen bleiben.
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…von der INTERNATIONALEN ALFREDO-DÖBLIN-GESELLSCHAFT:…————————————Döblin schrieb 1924: "Das ukrainische Volk lebt zerris...
22/03/2022

…von der INTERNATIONALEN ALFREDO-DÖBLIN-GESELLSCHAFT:…
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Döblin schrieb 1924: "Das ukrainische Volk lebt zerrissen zwischen Russen und Polen, und es tritt keine Ruhe ein."

Und weiter heißt es im Lemberg-Kapitel:

"Okkupation, und das ist dasselbe, was so erscheint, Bedrücktsein, Fremdsein im eigenen Land - ich fühle es scharf, wie ich herumwandere -, ist das Gräßlichste, was es gibt. Freiheit ist der allernötigste »Alltag«! Freiheit ist keine politische Phrase, sondern real und notwendig wie die Luft, unter der man zu leben hat, wichtiger als Landstraßen und ausgetrocknete Sümpfe. Versklavte Menschen und die sich so fühlen sind sterbende Menschen, erstickende Menschen; ihnen nützen die Landstraßen nichts."

Wie wenig selbstverständlich es ist, friedlich in Freiheit zu leben, sehen wir gerade wieder.

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Der Film mit Welket Bungué, Albrecht Schuch und Jella Haase lief auf der diesjährigen Berlinale, nach der Corona-Krise soll er ins Kino kommen.

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