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.Geschichten aus der Höhlenburg📜     ✨Ein Gastbeitrag aus der Sicht des frisch gebackenen Burgherren von Trostenheim, Ha...
19/06/2026

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Geschichten aus der Höhlenburg📜

✨Ein Gastbeitrag aus der Sicht des frisch gebackenen Burgherren von Trostenheim, Hansi Mikl

Die Einziedlarca kann sowohl ökologisch, als auch ökonomisch schonend erreicht werden: Vom Frühstückstisch aus sind es zu Fuß höchstens 10 Minuten bis zum Forschungsplatz.
Gelebte Klimaneutralität.

Nachdem ich einen Teil des Equipments bereits im Vorfeld nach oben geschafft habe, fällt der Anmarsch mit dem restlichen Werkzeug nicht allzu dramatisch aus.

Ein wenig ausführlicher gestaltet sich im von Osten sanft einfallenden Morgenlicht das erste Studium und die letzte Vorbereitung der Halbhöhle: Martin sieht sich peinlich genau um und entdeckt sogar in der Peripherie mögliche neuralgische Punkte, wie z.B. ein mutmaßliches Pfostenloch oben in der Felswand.

Claus trifft routiniert Vorkehrungen fürs anstehende Umsetzen des Grabungskonzepts. Derweil bin ich mit dem Zurechtschneiden eines schattenspendenden Busches an der Höhlen-Südseite beschäftigt, der Lichteinfall im geplanten Grabungsbereich erhöht sich dadurch sofort merklich.

Die starken Regenfälle der vergangenen Wochen haben die Höhlen-Quelle massiv zum Überlaufen gebracht, ein rauschendes Bächlein versorgt uns mit bestem Trinkwasser und baut so ganz nebenbei eine erfrischende Geräuschkulisse auf.

Foto 1: Claus Vetterling ReVe

Text und Fotos: Hansi Mikl - www.mikl.info

.„Pey Vinckenstain ainen Taber in ainer Staynwanndt…“ Teil 4Während  der einwöchigen Grabung wurden mehrere Mauern freig...
12/06/2026

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„Pey Vinckenstain ainen Taber in ainer Staynwanndt…“ Teil 4

Während der einwöchigen Grabung wurden mehrere Mauern freigelegt, die aufgrund ihrer Bauweise ins Mittelalter datieren. An eine sehr breite, zweischalige, Nord-Süd verlaufende Mauer schloss eine weitere Mauer an, die dem unregelmäßigen Felsen der Höhle vorgeblendet war.

Davor befand sich eine gemauerte Feuerungsanlage, die an drei Seiten verputzt war. Zahlreiche Fragmente vierzipfliger Schüsselkacheln sprechen dafür, dass es sich um einen Kachelofen handelte. Im Inneren wurde eine Scherbe eines Topfes mit Wellenlinie und rotem Engobestreifen gefunden, die eine Datierung in das fr. 13. Jahrhundert erlaubt. Weitere Keramikfunde umfassen auch hochwertige Importware aus Südwestdeutschland, die auf ein gehobenes Milieu hinweist. Teils farbig gefasste Putzfragmente von Fenster- oder Türlaibungen sowie Ziegelfragmente belegen eine massive und qualitätvolle Bebauung der Höhle.

Auch Wildknochen von Hirsch und Wildschwein als Speiseabfälle deuten auf die Jagd auf Hochwild hin, die im Mittelalter dem Adel vorbehalten war.

Sowohl die sorgfältige Verblendung des Felsens als auch der Ofen und die Reste farbig gefasster Putzgewände sprechen für eine dauerhafte Nutzung. Für eine nur temporär genutzte Fluchtburg der lokalen, überwiegend bäuerlichen Bevölkerung, etwa im Zuge der Türkeneinfälle 1478, wäre ein derartiger baulicher Aufwand kaum zu erwarten. Dass die Anlage in dieser Zeit nochmals instand gesetzt wurde, konnte bereits nachgewiesen werden.

Anstelle einer provisorisch befestigten Fluchtburg lässt sich somit eine mittelalterliche Höhlenburg belegen, die bereits im 12. oder 13. Jahrhundert bestand.

Damit scheint auch die bislang nicht lokalisierte Burg des Geschlechts der Trostenheimer, die für den Ort Petschnitzen südöstlich des Tabors belegt ist, gefunden zu sein.

Fotos 1-2, 7: C. Vetterling

Fotos 4, 6, 8, 10: A. Meschke

Foto 9: aus: Uwe Gross, Rotbemalte Buocher Feinware, Buocher HEfte, 2007

.„Pey Vinckenstain ainen Taber in ainer Staynwanndt…“ Teil 3Unter den neuzeitlichen Nutzungsschichten traten in unseren ...
05/06/2026

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„Pey Vinckenstain ainen Taber in ainer Staynwanndt…“ Teil 3

Unter den neuzeitlichen Nutzungsschichten traten in unseren archäologischen Untersuchungen die Reste mehrerer Mauern zutage, die offenbar einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen sind. Die Mauersteine sind bis zu 12 cm tief verglüht und deutlich gerötet.

In der Versturzschicht konnten zahlreiche Keramikscherben geborgen werden, die den Brand in das sp. 15. Jahrhundert datieren. Darunter befindet sich auch das Fragment eines Blumentopfes – ein erster Hinweis darauf, dass die Höhle wohl nicht ausschließlich als kurzfristiger Zufluchtsort diente.

Besonders auffällig sind mehrere verzinnte oder versilberte Gürtelbeschläge aus Buntmetall. Sie erinnern an die vielteiligen Gürtelgarnituren östlicher Reitervölker, auch wenn unsere Funde zeitlich bereits darüber hinausreichen.

Eine zerborstene Kanonenkugel liefert schließlich einen entscheidenden Hinweis: Die befestigte Höhle wurde offenbar mit leichten Geschützen – sogenannten Feldschlangen – beschossen. Als historischer Kontext kommt insbesondere der Einfall der Osmanen 1478 in Betracht, der durch mehrere zeitgenössische Quellen belegt ist.

Damit lässt sich die Frage aus unserem ersten Beitrag eindeutig beantworten: Beim von Jakob Unrest erwähnten „Taber pey Vinckenstain“ handelt es sich tatsächlich um unsere Höhle.

Welche Anlage in der Taborsüdwand zerstört wurde, verraten wir nächste Woche.

1: Durch Hitze zerstörte Mauern
2: Waldbrand am Tabor im Frühjahr 2026
3: Fragment eines mittelalterlichen Blumentopfs
4: Badehaus mit dargestellten Blumentöpfen, um 1485; aus: Waldburg-Wolfegg, Das Mittelalterliche Hausbuch, 1957
5: Gürtelbeschläge
6: Kanonenkugelfragment
7: Rekonstruktion der Kanonenkugel
8: Türken mit einer Nürnberger, Feldschlange, Albrecht Dürer, 1518; Metropolitan Museum of Art, New York
9: Osmanischer Reiter, Hausbuchmeister, um 1490; British Museum

Fotos 📸 :
1, 3, 5-7: C. Vetterling ReVe
2: H. Mikl

.„Pey Vinckenstain ainen Taber in ainer Staynwanndt…“ Teil 2Der Tabor über dem Faaker See ist vielen wegen seiner spekta...
29/05/2026

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„Pey Vinckenstain ainen Taber in ainer Staynwanndt…“ Teil 2

Der Tabor über dem Faaker See ist vielen wegen seiner spektakulären Aussicht ein Begriff. Seinen Namen verdankt er wahrscheinich den dramatischen Ereignissen der Türken­einfälle, als die Bevölkerung hier Schutz suchte. „Tabor“ bezeichnet dabei eine einfache, meist kirchlich oder dörflich organisierte Wehranlage, die der kurzfristigen Verteidigung diente.

An der steil abfallenden Südseite des Berges, nahe der Ortschaft Petschnitzen, befindet sich die Halbhöhle „Einziedlarca“. Der Name ist erstmals im 19. Jh. belegt und deutet darauf hin, dass Einsiedler, Hirten oder Schäfer die Höhle einst als Unterschlupf nutzten.

Unsere archäologischen Untersuchungen belegen eine zeitweilige Nutzung in der Neuzeit: Eine Feuerstelle und verschiedene Funde sprechen dafür. Besonders auffällig ist ein reich verziertes Fragment eines Kochtopfes aus einheimischer Schwarzhafnerware mit aufgelegten Leisten und Rosetten – ein klarer Hinweis, dass hier oben auch gekocht wurde. Und wenn das Essen einmal zu deftig ausfiel, half möglicherweise ein Verdauungsschnaps, wie das Fragment einer viereckigen Glasflasche nahelegt.

Direkt unterhalb der Höhle fanden wir zudem das Blatt einer Sense. Anhand des Stempels auf dem Backen lässt es sich ins späte 19. Jahrhundert datieren. Dies spricht dafür, dass der Südhang des Tabors damals noch nicht bewaldet war, sondern als Weidefläche genutzt wurde.

Fotos 1-5: Claus Vetterling ReVe
1: Blick vom Tabor
2: Feuerstelle, 19. Jh.
3: Bergen des Kochtopfs
4: Kochtopffragment, Schwarzhafnerware, 19. Jh.
5: Bruchstück einer Schnapsflasche aus Glas, 18. Jh.

Fotos 6-7: aus: R. Kosler, Flasche, Bottle und Bouteille. Faszination eines Hohlglases, 1998
6: Viereckige Schnapsflaschen, 18. Jh.
7: David Teners d. Jüngere „Der Schnapshändler“ 17. Jh.

Foto 8: Sensenblatt, 19.Jh. - 📸 H. Mikl
Foto 9: Hirtenfamilie in Felsenhöhle, H. Bürkel, um 1850 - www.kettererkunst.de
Foto 10: Kuhirte um 1900 (unbekannt)

.„Pey Vinckenstain ainen Taber in ainer Staynwanndt……daryn vienngen sy all, die darin waren“Jakob Unrest war ein bedeute...
22/05/2026

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„Pey Vinckenstain ainen Taber in ainer Staynwanndt…

…daryn vienngen sy all, die darin waren“

Jakob Unrest war ein bedeutender Chronist der österreichischen Geschichte und wirkte als Pfarrer in Techelsberg am Wörthersee. Als Zeitzeuge berichtete er über die Türkeneinfälle zwischen 1473 und 1483.
Das Zitat stammt aus seiner „Österreichischen Chronik“ und schildert ein Ereignis aus der Gegend von Finkenstein am Faaker See: Marodierende osmanische Reiterscharen sollen demnach alle Menschen gefangen genommen haben, die in einer befestigten Höhle in einer Felswand Zuflucht gesucht hatten.

Letzten Freitag war es schließlich soweit: Wir konnten den Bericht zu unseren Grabungen in einer Höhle an der Südwand des Tabor in der Gemeinde Finkenstein im Rahmen eines öffentlichen Vortrags an Bürgermeister Poglitsch übergeben. Er hat die Untersuchungen großzügig finanziell unterstützt.

Ob sich die Erzählung Jakob Unrests archäologisch bestätigen lässt, erfahrt ihr in den nächsten Beiträgen.

Fotos 1-4, 6, 7: Andrea Vetterling (ReVe)

Foto 5: Sabine Ruttinger

12/05/2026
.📺 Schloss Hohenaschau im TV – archäologische Ergebnisse im aktuellen BeitragIm März hatten wir bereits über die archäol...
08/05/2026

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📺 Schloss Hohenaschau im TV – archäologische Ergebnisse im aktuellen Beitrag

Im März hatten wir bereits über die archäologischen Untersuchungen im Innenhof von Schloss Hohenaschau berichtet. Die Ergebnisse zeigten u. a. eine Nutzung des Schlossbergs, die bis in die Bronzezeit (ca. 2300 v. Chr.) zurückreicht, sowie Hinweise auf eine bislang unbekannte, mutmaßlich frühmittelalterliche Befestigung.

Am 29.04. wurde nun ein ausführlicher Fernsehbeitrag ausgestrahlt, der die Grabungen und Befunde vor Ort nochmals anschaulich dokumentiert und die Ergebnisse in einen größeren Kontext stellt.

Der Beitrag ist in der Mediathek abrufbar:
https://www.rfo.de/mediathek/video/archaeologische-sensation-bronzezeitliche-funde-auf-schloss-hohenaschau/

Danke an RFO für die Berichterstattung 🎥

.✨ Ein Sonntagsausflug im 19. Jahrhundert – aber was hat es mit dem “Murmelthier” auf sich? 🐾📜Manchmal offenbart sich Ge...
10/04/2026

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✨ Ein Sonntagsausflug im 19. Jahrhundert – aber was hat es mit dem “Murmelthier” auf sich? 🐾📜

Manchmal offenbart sich Geschichte nicht in Mauern oder Böden – sondern in den kleinen Lücken dazwischen.

Im Zuge unserer baubegleitenden archäologischen Maßnahme in der Stadtresidenz Landshut stießen wir in einem Fehlboden auf ein gefaltetes Schriftstück in Kurrentschrift.

Diese alte deutsche Schreibschrift entstand im 16. Jahrhundert und wurde bis ins 20. Jahrhundert verwendet. Ihre spitzen, nach rechts geneigten Buchstaben verleihen jedem Fundstück dieser Art einen unverwechselbaren historischen Charme. Auf den ersten Blick unscheinbar, entpuppte es sich bei näherer Betrachtung als etwas ganz Besonderes:

Ein geplanter Sonntagsausflug aus dem 19. Jahrhundert – mit festgelegten Stationen, gemeinsamen Mahlzeiten und klarer Route. Fast wie ein kleiner „Reisevertrag“.

Unterzeichnet wurde das Dokument von mehreren Personen – vermutlich den Teilnehmenden selbst. Und ganz unvermittelt findet sich eine Eintragung, die ein kleines Schmunzeln hervorruft:

„… und sein "Murmelthier“

Vielleicht ein scherzhafter Zusatz? Oder sogar eine augenzwinkernde Beschreibung eines Teilnehmers – jemand, der es morgens eher gemütlich angehen ließ? 😉

Solche Funde geben einen seltenen Einblick in den Alltag vergangener Zeiten – in Freizeit, Gesellschaft und die kleinen, persönlichen Momente, die sonst oft verborgen bleiben.

Und auch wenn die Kurrentschrift heute nicht mehr leicht zu lesen ist, zeigt sich hier einmal mehr:
Manches hat sich geändert – anderes ist erstaunlich zeitlos.

Fotos 1 u. 2: ReVe-Team

Fotos 3: Quelle: https://www.bfds.de/netzladen/blatt-deutsche-schreibschrift-kurrent-um-1900-din-a3/

.🖌️ Präparationsarbeit – wenn Funde zum Vorschein kommenZwischen der Bergung auf der Grabungsfläche und einem vollständi...
13/02/2026

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🖌️ Präparationsarbeit – wenn Funde zum Vorschein kommen

Zwischen der Bergung auf der Grabungsfläche und einem vollständig freigelegten Fund liegt oft eine entscheidende Phase – die Präparation.

In unseren Fundräumen wird der Fund vorsichtig freigelegt: Mit Pinsel und kleinen Werkzeugen wie Skalpell oder Stukkateureisen wird die anhaftende Erde Schritt für Schritt entfernt, sodass Form, Lage und Details sichtbar werden. Jeder Handgriff zählt, denn schon kleine Unterschiede im umgebenden Erdreich oder an den Fragmenten können Hinweise auf Nutzung, Bruch oder spätere Eingriffe geben.

Bei der Präparationsarbeit werden Fundstücke vorsichtig gereinigt, gefestigt, konserviert und dokumentiert, damit sie anschließend für die Forschung oder eine Ausstellung in "neuem" Glanz präsentiert werden können.

Fotos 1 und 2: Gefäßfreilegung auf der Grabungsfläche

Fotos 3 bis 6: Präparationsarbeit in unserer Fundverwaltung

Foto 7: ein bereits fertig freigelegtes Gefäß

alle Fotos📸: ReVe-Team

Adresse

Am Knöcklein 12
Bamberg
96049

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