23/09/2022
Zum Wochenende gibt es wieder ein , diesmal aus dem Kreis Nordfriesland. das ist ganz oben links in unserer Republik 😎
Bestes CommunityManagement gibt es dort schon länger. Gestern gab es einen Beitrag, in dem nach Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine gesucht wird. Darunter : Hass und Hetze ohne Ende, wirklich gruselig.
Heute dann das 👇
Chapeau!
Richtige Antwort, richtiger Umgang.
Moin,
mit unserem Posting von gestern (https://t1p.de/f9qxp) haben wir ja ganz schön was losgetreten. Dabei wollten wir doch nur Wohnraum für Kriegsflüchtlinge suchen …
ℹ️ Mal ein Hinweis vorab:
Wir arbeiten im Kreis Nordfriesland für den Kreis Nordfriesland. Unsere Facebookseite ist für Leute aus Nordfriesland gedacht. Wir freuen uns auch über Leser von außerhalb, aber wenn hier Menschen aus ganz anderen Bundesländern ihren dort entstandenen Frust über den dortigen Wohnungsmarkt oder dortige soziale Verhältnisse bei uns abladen und kritisieren, dass wir hier in Nordfriesland Wohnraum für Kriegsflüchtlinge suchen, ergibt sich ein schiefes Bild.
🙌 Bitte setzen Sie sich mit den Behörden in Ihrer eigenen Gegend auseinander.
Auf die wichtigsten Aspekte der Diskussion wollen wir gern näher eingehen:
➡️ Wie eng ist der Wohnungsmarkt in Nordfriesland?
Sehr eng, vor allem für Menschen mit geringem Einkommen. Grundsätzlich fehlen mittlerweile Wohnungen aller Größenordnungen. Das hat sich über viele Jahre so entwickelt. Vor allem in Niebüll, Husum sowie in den touristisch geprägten Gemeinden fehlen kleine, bezahlbare Wohnungen. Die Ursachen sind vielfältig, z. B.:
▪️ Wohlhabende Menschen von außerhalb kaufen auf unseren Inseln und dem Festland Häuser und Wohnungen als Zweitwohnsitze oder Ferienwohnungen auf. Sie zahlen Preise, mit denen wir hier oft nicht mithalten können. Auch wurde früherer Dauerwohnraum häufig in eine touristische Nutzung überführt.
▪️ Die Bauvorschriften in Deutschland machen das Bauen ganz allgemein so teuer, dass auch für Investoren oft kein gutes Geschäft mehr mit sozialem Wohnungsbau zu machen ist. Deshalb bauen sie lieber höherpreisige Wohnungen.
▪️ In Husum als Zentrum des ländlichen Raums gibt es relativ viele Arbeitsplätze. Viele Menschen mit geringem Einkommen wollen in Husum wohnen, um ohne teures Auto zur Arbeit kommen zu können.
▪️ Senioren aus den ländlichen Gemeinden streben in die Städte und anderen zentralen Orte, weil sie dort noch Ärzte usw. vorfinden, ohne lange fahren zu müssen.
➡️ Was tun Kreis, Städte und Ämter gegen die Wohnungsknappheit?
Unser Kreistag hat 2019 beschlossen, mit Gemeinden, Wohnungsbaugesellschaften und privaten Investoren ein »Nordfriesisches Bündnis für bezahlbaren Wohnraum« ins Leben zu rufen.
👉 Das bedeutet: Die teilnehmenden Gemeinden stellen günstigen Baugrund bereit, und die Unternehmen bauen dort bezahlbaren Wohnraum. Erste Baumaßnahmen laufen bereits, und zwar in Husum und Niebüll. Auch andere Orte sind an dem Thema dran. Bei der späteren Vermittlung der neuen Wohnungen wird die WohnECK Nordfriesland gGmbH eine wesentliche Rolle übernehmen.
🏘 Die WohnECK ist ohnehin ein supertolles Projekt, zu dessen Kooperationspartnern übrigens der Kreis Nordfriesland gehört. WohnEck unterstützt in Nordfriesland beheimatete Menschen bei der Suche nach einer günstigen Wohnung. 🌐 Näheres unter https://wohneck-nf.de/.
👉 Ein absolutes Vorzeigeprojekt ist auch die Sylter KLM (Kommunales Liegenschafts-Management). Es handelt sich um eine Gesellschaft in Hand der Gemeinde Sylt, die bereits mehr als 1.100 Mietwohnungen auf Sylt für Einheimische gebaut hat. Doch selbst diese Zahl reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken.
➡️ Warum kümmert sich der Staat um die Ukraine-Flüchtlinge?
Weil sie Mitmenschen in höchster Not sind, deren Heimatland von einer fremden Armee überfallen wird, die noch dazu furchtbarste Kriegsverbrechen verübt. Russland kann jeden Ort in der Ukraine mit seinen Raketen erreichen und hat auch schon Orte im Westen des Landes beschossen. Ukrainern, die in Deutschland in dieser entsetzlichen Situation um Hilfe bitten, müssen wir selbstverständlich helfen. Punkt.
➡️ Kümmert der Staat sich auch um deutsche Wohnungslose?
Ja, natürlich. Wer wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht ist, dem hilft das örtliche Ordnungsamt, das Sozialamt oder das Jobcenter. Mitbürgerinnen und Mitbürger in dieser Lage bekommen ein Dach über dem Kopf. Alles andere sind Parolen.
➡️ Wie bringen wir in Nordfriesland Geflüchtete unter?
Das Land kündigt uns grundsätzlich mit zehn Tagen Vorlauf an, wie viele und welche Art Flüchtlinge, die zurzeit noch in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes sind, uns zugewiesen werden. Dazu gehören die Nationalität, die Größe einer Familie, das Alter, die Haustiere etc.
🏘 Eine eigene zentrale Unterkunft haben wir in Nordfriesland seit Jahren nicht mehr. Für die Integration ist es besser, die Menschen in Wohnungen unterzubringen, wo sie Privatsphäre haben und zur Ruhe kommen können. Immerhin sind viele durch ihre Erlebnisse traumatisiert – das wären Sie vermutlich auch, wenn Sie aus Deutschland flüchten müssten.
🔟 In den zehn Tagen, die ihr bleiben, nimmt unsere Ausländerbehörde Kontakt mit den Ordnungsbehörden der Ämter und der Stadt Husum auf, um geeignete Unterkünfte zu finden. Je nach Einwohnergröße nehmen Ämter und Stadt stets gewisse prozentuale Anteile der Neuankömmlinge auf.
➡️ Und wenn die Ämter keinen Wohnraum mehr finden?
Von März bis Ende Mai konnten wir die Husumer Messehalle als Unterkunft zur Erstaufnahme nutzen, um Geflüchtete aus der Ukraine zunächst provisorisch unterzubringen. Seit Juni geht das nicht mehr. Einige Ämter verfügen über größere Einrichtungen wie alte Schulgebäude, in denen sie auch Gruppen unterbringen können.
🤸♀️ Turnhallen o.ä. müssen bisher in Nordfriesland nicht zweckentfremdet werden. Doch wenn es gar nicht anders geht, wäre das eine Möglichkeit. Eine andere wären Container. Als Kreis sind wir auch selbst auf der Suche nach einer größeren Liegenschaft, um Flüchtlinge übergangsweise unterbringen zu können, bis eine geeignete Wohnung frei wird.
➡️ Wovon leben die aus der Ukraine Geflüchteten bei uns?
Sie werden wie deutsche Langzeitarbeitslose behandelt. Wenn sie erwerbsfähig sind – und das sind die meisten – bekommen sie Hartz IV. Das Jobcenter versucht, sie in Arbeit zu vermitteln. Meist sind vorher Sprachkurse erforderlich. Die Kosten ihrer Unterkunft übernimmt der Staat, so wie bei deutschen Langzeitarbeitslosen auch.
➡️ Wie können Sie Ukrainern bei der Integration helfen?
Bei den acht Ämtern in Nordfriesland sowie bei der Stadt Husum gibt es hauptamtliche Asylbetreuer(innen). Ihre Aufgabe ist es, eine unterstützende Nachbarschaft zu organisieren. Dazu gehört es etwa, die Neuen beim ersten Einkauf zu begleiten, ihnen das Gesundheits- und das Schulsystem zu erklären oder sie in Kontakt mit dem örtlichen Sportverein oder der Feuerwehr zu bringen. Je mehr Kontakt sie zur einheimischen Bevölkerung haben, desto eher klappt es mit der Integration.
🗣 Alle Asylbetreuer haben sich ein Netzwerk von Bürgern aufgebaut, die den Flüchtlingen in ehrenamtlicher Arbeit helfen, sich zurechtzufinden und einige der beschriebenen Aufgaben übernehmen oder Sprachkenntnisse vermitteln. Wer dort mithelfen möchte, ist herzlich willkommen. Bitte wenden Sie sich an das Amt, in dessen Bereich Sie wohnen.
➡️ Wo sind die Container geblieben, in denen 2015 viele Asylbewerber untergebracht wurden?
Damals hat das Land Schleswig-Holstein Wohncontainer gekauft. Später hat es mehrmals versucht, sie wieder zu veräußern. Nachdem dies nicht gelang, wurden sie verschenkt. Sie gingen an eigene Organisationen des Landes wie etwa den Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz oder den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, aber auch an Schulen, Gemeinden oder gemeinnützige Vereine in Schleswig-Holstein.
‼️ Oh, und dann noch eines …
Wir wünschen uns hier auf unserer Facebookseite einen regen, gerne auch kontroversen, aber immer fairen Austausch. Beleidigungen, Hetze, Hass und Spam bringen Sie und uns nicht weiter. Beiträge dieser Art und ähnliche grobe Verstöße gegen herkömmliche Umgangsformen bedrohen das soziale Miteinander, mindern die Qualität unserer Seite und schrecken anständige Leserinnen und Leser ab. Deshalb löschen wir sie.
Dies gilt ebenso für alle weiteren Inhalte, die gegen die Facebook-Nutzungsbedingungen (facebook.com/legal/terms) oder -Gemeinschaftsstandards (facebook.com/communitystandards) verstoßen.
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Freundliche Grüße
Ihre Kreisverwaltung