05/06/2023
Die Gefühle im Mann – ein Mysterium, was Ausdruck braucht ... oder?
Die Forderung nach dem emotionalen Mann steht wie ein rosa Elefant im Raum der gesellschaftlichen Debatte.
Männer sollen endlich ihre Gefühle zeigen, den Eispanzer um sich herum abschmelzen lassen. Endlich mal offen sagen, was sie wirklich fühlen.
Wie erlernen wir Gefühle? Durch Erfahrungen, dass bewusste wahrnehmen, dass da was in uns vorgeht: Was uns die Fäuste ballen lässt, was uns Lust empfinden lässt, Tränen in die Augen treibt oder uns einfach ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Und wir brauchen die Umwelt, den Raum, der diese Gefühle zu lässt, uns das Ausleben unserer Emotionen erlaubt.
Diesen Raum hatten viele Männer nicht in ihrer Kindheit, in ihrer Jugend.
Wenn noch in der Romantik das Ausleben von Gefühlen, im Übrigen nur außerhalb des Geschäftslebens, von Männern erwünscht, ja sogar gefördert wurde, erfolgte ein drastischer Wandel mit der Industrialisierung. Emotionsäußerungen galten als unmännlich und das ausdruckslose Gesicht wurde zur Standartmaske des Mannes.
Ja, so lange ist es her, dass die Gesellschaft dem Mann quasi verboten hat seine Emotionen, Gefühle zu zeigen. Männer wurden und werden zu Männern erzogen: stark, mutig, machtvoll und eben auch ohne Gefühle ... wenn wir Wut und Aggression mal außen vorlassen. Männer haben es also in den wenigsten Fällen gelernt mit, ihren Gefühlen umzugehen, sie verdrängen sie, sie erlauben sich ihren Ausdruck nicht. Sie haben eine überdosierte Selbstregulation erlernt.
Zudem stehen Männer häufig in Partnerschaften vor dem Dilemma, einfühlsamer, emotional offener Partner zu sein und Beschützer, Handwerker, Ernährer. Da kommt schon mal schnell die Frage auf: „Was den nun? ... so oder so?“ Vor allem, wenn Mann mit seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen noch keine vertraute Beziehung erreicht hat. Und er emotional noch in der Pubertät zwischen Rebellion und Anpassung steht.
Der Mann von heute ist nicht zu beneiden, kein Halt mehr in klaren gesellschaftlichen Strukturen, dafür die Anforderungen Nichterlerntes zu leben.
An diesem Punkt kannst Du sagen, JA, genauso ist und Dich in dein Dilemma zurückziehen und schmollen. ODER? Dich fragen, was könnte es mir bringen, mehr Gefühle/Emotionen zu zeigen?
Ich gebe Dir eine Auswahl der Wirkungen mit:
- Bessere Kommunikation auf allen Ebenen Deines Lebens, auch mit Dir selbst
- Klarere Abgrenzung zu dem was Du nicht oder nicht mehr willst
- Nahbarkeit, die Dir Wertschätzung und Achtung einbringt
- Mehr Genuss im Leben
- Ein längeres und lebendigeres Leben
- Offenere Freundschaften
- Offenere Partnerschaften und Liebesaffären
- Eine Umwelt, die dich als empathischer, authentischer empfindet und dieses Dir zurückgibt
Was brauchst Du für Deine ersten Schritte:
- Mut
- Eine Person, der Du vertraust
- Einen geschützten Raum
- Neugierde und Abenteuerlust auf Dich selbst und Deine Gefühle
Wie würde es sich für Dich anfühlen, nicht immer den Deckel auf Deine Gefühle zu stülpen, damit hinter dem Berg zu halten?
̈hleleben