17/01/2022
Wir sollen mehr Einblicke in die Privilegien geben, die uns unseren Lebensstandard ermöglichen, sagt und die Resonanz auf ihren Text zeigt, wie wichtig dieser Diskurs ist. Und gleichzeitig ist er schwer zu führen, weil über Geld zu sprechen schnell einfach nur eine weitere Angriffsfläche eröffnet. Auch das hat Teresa in ihrem Text mitgedacht.
Tatsächlich denke ich viel darüber nach, wie mein Muttersein mit Privilegien verknüpft ist. Bindungsorientiert zu begleiten geht so viel leichter, wenn dir nicht die nackte Angst im Nacken sitzt. Wenn du ein schönes Zuhause hast, in dem jeder Mensch seinen Rückzugsort hast, und genügend Geld auf dem Konto, um zu ersetzen, was kaputt geht.
Nicht aufs Aufräumen zu beharren ist leicht, wenn es im Zweifelsfall die Haushaltshilfe macht. Und auch die viel gelobte Selbstfürsorge besteht ja oft eben nicht nur aus einer Tasse Tee, sondern auch aus anderem Luxus. Der Geld kostet, und Zeit, und der Kinderbetreuung erfordert, die nicht alle zur Verfügung haben.
Ich will gerne über all das reden, angefangen mit der Tatsache, dass ich vermutlich nicht Autorin geworden wäre, wäre ich in finanzieller Not groß geworden. Denn Angst vor Armut treibt oft in sicherere Jobs als ausgerechnet eine künstlerische Selbstständigkeit.
Und ich bin überzeugt: wir brauchen dieses Diskurs über unterschiedliche Rahmenbedingungen moderner Lebensentwürfe nicht nur in Bezug auf Eigenheime, sondern auch in Bezug auf bindungsorientiertes Elternsein.
Aber ich finde es schwer, diesen zu beginnen. Denn wo Offenheit ist, da sind Neid und Häme nicht weit. Ich habe es schon öfter erlebt, dass meine Herkunft benutzt wurde, um meine öffentliche Stimme zu diskreditieren: 'Was weiß ein verwöhntes Lehrerkind schon vom echten Leben ...'
Also: wie gehen wir das an? Uns auszutauschen über die Privilegien, die unseren Handlungsspielraum als Eltern prägen, ohne in Missgunst, Mitleid und Neiddebatten zu verfallen? Habt Ihr einen Vorschlag?