15/06/2024
Manchmal fallen die Dinge besonders kurios zusammen. Im Fall von Beyoncé und dem Beast zum Beispiel. Da hatte die amerikanische R’n’B-Diva mit ihrem im März veröffentlichten Album „Cowboy Carter“ eben erst einen weltweiten Hype um alles ausgelöst, was irgendwie mit dem Wilden Westen zu tun hat – und schon eröffnet in Berlin das passende Restaurant zum Trend.
„Cowboycore“ ist nun ein Schlagwort, das Mode und Möbel, Stil und Stimmung dominiert; das sich ausdrückt in dezenten Details und großen Gesten: vom schmalen Halstuch bis zum Cowboyhut, vom Büffelschädel bis zum Kuhfellteppich, Westernhemden mit Ziernähten, Westernsessel aus historischem Leder, bei Modemarken wie Louis Vuitton, Isabel Marant und Chloé, in Einrichtungsbibeln wie Architectural Digest oder Elle Decor.
Auch das neue Steakhaus am Alexanderplatz schlägt voll in diese Kerbe – ein glücklicher Zufall, mehr ist das nicht. Denn einige Wochen vor Beyoncés sensationeller Country-Veröffentlichung waren ja in Berlin schon die digitalen Modellzeichnungen des Restaurantdesigns im Umlauf. Was die Renderings damals noch recht dezent vermuten ließen, findet im fertig renovierten Beast nun seine reale, radikale Entsprechung.
Das Countrymotiv zieht sich hier bis in die letzte Restaurantbankritze – nicht als pure Analogie zum historischen amerikanischen Vorbild allerdings. Eher hat der Interiordesigner Torsten Elgt von der Berliner Logo Projekt GmbH, die etwa auch für die Ausgestaltung des nahen Soho House verantwortlich zeichnete, eine eigentümliche Neuinterpretation des Westernstils erdacht.
Trennwände und Tresen sind mit struppigem Wildschweinfell bespannt, hier und dort hängen grelle Pop-Art-Gemälde von Ochsen, Stieren, Kühen. Die langgezogenen Sitzbänke wurden mit rauem, knotig anmutendem Material bezogen, teils gestreift in Orange und Gelb und Rot, fast wie in einer mexikanischen Hazienda. Überhaupt dominieren die Farben eines gleißenden Sonnenuntergangs, vielleicht auch der Glut eines urigen Lagerfeuers, die – und das ist womöglich nicht bloß schöner Zufall – zugleich den Farben des äußeren Wandfrieses entsprechen.
Denn das Beast wurde ja nicht in irgendeinem, sondern in einem historisch durchaus brisanten Haus eröffnet: Das Restaurant sitzt im Pavillon an der Ecke Karl-Liebknecht- und Memhardstraße, dort also, wo zu DDR-Zeiten das Pressecafé beheimatet war. Noch immer erinnern die silbernen Lettern – und jetzt auch wieder Willi Neuberts Emaillefries „Die Presse als Organisator“ an diesen einschlägigen Ort.
Ein Steakhaus hatte es hier bekanntermaßen schon einmal gegeben; ab Anfang der Neunziger verdeckten die Werbetafeln der Escados-Kette besagtes Werk. Ein symbolisches wie stadtpolitisches Unding – erst 2021 wurde der nunmehr unter Denkmalschutz gestellte Fries von seiner Holzverkleidung befreit. Nun strahlt es wieder von der Attika des Pavillons, das Kunstwerk, das etwa Journalistinnen und Drucker bei der Arbeit zeigt, in Orange, in Gelb, in Rot.
Dass nun die Farbgebung des neuen Steakhauses der Gebäudeaußengestaltung entspricht, war eine wirklich schlaue Entscheidung. Unterm Fries leuchten die orangefarbenen Sessel schon von weitem durch die großzügigen Panoramafenster – was sich zuvor als Symbol der Verdrängung lesen ließ, bildet plötzlich eine üppig-optische Einheit.
Überhaupt: Die Panoramafenster, die Aussicht davor beziehungsweise dahinter – sie sind der eigentliche Star des Steakrestaurants. Damit sie jeder Gast genießen kann, haben der Interiordesigner Elgt und sein Team – auch das eine clevere Entscheidung – verschiedene Ebenen in den Pavillon gebracht: Der Blick die Alexanderstraße hinunter Richtung Friedrichshain eröffnet sich von jedem schweren Esstisch aus, von denen einige auf mittig im Raum positionierten Podesten, andere auf dem rauen Pavillonboden stehen. Auch ist ein Großteil der Fenster nicht zugestellt, so lässt sich lässig wie ein Cowboy durchs Restaurant streifen, vorbei an den Weiten der Großstadtprärie.
Wer dem Wilden Osten indes den Rücken kehrt, sich in Richtung Bar- und Wirtschaftsbereich wendet, erblickt ein ganz anderes Panorama: Ein Fenster zur Küche ist mit ordentlichen Fleischstücken zugehangen, auf dass die Gäste schon im Rohen sehen, was sie später auf den Punkt gebraten vor sich wiederfinden. Die Speisekarte des Steakrestaurants zeigt sich, natürlich, überaus fleischlastig: Filets vom norddeutschen Jungbullen oder Chateaubriand vom Weiderind, Dry Aged Steaks, Rib Steaks, Rumpsteaks, Burger und Bullenkeulen.
Vegetarierinnen und Vegetarier indes sollen auch abgesehen von handfesten Beilagen wie Mac’n’Cheese, Coleslaw oder Trüffel-Kartoffelpüree Optionen finden; eine kleine Sektion der Karte ist gar veganen Gerichten gewidmet, etwa einem Rote-Beete-Tatar oder Spitzkohl aus dem Beefer. Die Preise der Hauptspeisen bewegen sich zwischen 15 und 99 Euro, ein festgelegtes Dreigangmenü wird mit 89 Euro pro Person bepreist.
Eine weitere Eröffnung hat der Berliner Gastronom Alexander Freund, der neben dem neuen Beast etwa auch das Jäger & Lustig in Friedrichshain oder das Fischer & Lustig in Mitte betreibt, übrigens an der gleichen Stelle längst geplant: Unter seinem Steakrestaurant, unter dem Pavillon mit seinem Wandfries, genau dort, wo zu DDR-Zeiten eine Imbissbude betrieben wurde, soll in wenigen Wochen ein Café seine Türen öffnen.
Interessanterweise soll dieses den historischen Namen des Ortes darüber übernehmen. Wie die Ausrichtung ganz konkret sein, wie genau es aussehen wird, dieses dann neue Pressecafé, ist noch genauso wenig bekannt wie etwaige Pläne Beyoncés für ein neues Album. Wer weiß – vielleicht fallen die Dinge noch einmal besonders kurios zusammen.
Beast Berlin. Memhardstraße 6 (Ecke Karl-Liebknecht-Str.),10178 Berlin. Di–Sa 17–2 Uhr. https://beast-berlin.com/
https://epaper.berliner-zeitung.de/article/cb30c14c3005c7b8e236dc33f775fcc58f71a8ed00db7418adb713ac0a675546
Eben erst löste Beyoncé mit ihrem Country-Album einen globalen Hype aus – und schon eröffnet in Mitte das passende Restaurant zum Trend. Ein Besuch im Steakhaus Beast Berlin