30/04/2020
6 Wochen ohne Schule liegen nun hinter uns. Sechs Wochen waren unsere Jungs nicht beim Sport, haben sie ihre Freunde nicht gesehen und auch der Oma-Tag muss seit 6 Wochen ausfallen.
Es ist Sonntag, unser 7-jähriger Sohn steht vor mir, wir streiten wieder mal wegen einer Kleinigkeit. Das kommt in diesen Tagen viel zu häufig vor und jedes Mal plagt mich das schlechte Gewissen. Er schreit mich an und beschimpft mich!
Plötzlich fängt er fürchterlich an zu weinen und schreit: „Ich will nicht länger eingesperrt sein!“ So fühlt es sich für ihn an, obwohl er in den Garten kann und wir spazieren gehen.
Armer kleiner Kerl!
Im Fernsehen hat er die Bilder von den Gastwirten gesehen, die Stühle raus gestellt haben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Er nimmt seine Schultasche und setzt sich bei uns auf die Straße. „Ich bleib jetzt hier sitzen, bis ich wieder in die Schule darf!“, ruft er. Anfangs stehe ich etwas hilflos daneben, frage mich, ob ich ihn zurück holen soll. Aber nein, warum?
Irgendwo muss seine ganze Traurigkeit und Wut und Ratlosigkeit ja hin. Also sitzt er still da und streikt, wie er sagt.
Natürlich sitzt er nicht immer noch da, irgendwann siegt zum Glück die Lust zu spielen. Er geht also spielen und ich denke über meine eigene Wut und Traurigkeit und Hilflosigkeit nach.
Auch ich würde mir wünschen, dass die beiden Jungs endlich wieder in die Schule dürfen und die Kleine unter normalen Umständen in den Kindergarten starten kann.
Aber nicht, weil 6 Wochen Homeschooling und zu Hause sein anstrengend sind, sondern weil ich sehe wie meine Kinder, die ich gern bei mir habe, leiden.
Ich will ja gar nicht in Abrede stellen, dass dieses Coronavirus gefährlich ist. Aber wäre es nicht schlauer gewesen zunächst nur Kitas und Schulen wieder zu öffnen? Da wären doch Infektionsketten wenigstens nachvollziehbar gewesen.
Stattdessen zieht es die Leute wieder in die Geschäfte, die alle mit Rabatten locken.
„Waltraud“ darf nun bald wieder ihrem Friseur ihre Problemchen erzählen. „Jaqueline“ kann mit frisch gestylten Nägeln und neuem T-Shirt in der Fahrstunde direkt neben dem Fahrlehrer sitzen und „Horst“ kann sich endlich ein neues Auto kaufen.
Aber unsere Kinder dürfen nicht auf den Spielplatz,ihre Freunde nicht treffen, nicht in die Schule bzw. den Kindergarten.
Es wird bestimmt wieder Zweifler und Skeptiker geben, die sagen werden Schul- und Kitaöffnungen seien viel zu gefährlich. Ja, vielleicht ist da so, obwohl ich nicht ganz verstehe, warum das eine gefährlicher sein soll als das andere.
Vielleicht hat aber die Wirtschaft einfach nur mehr Stimmgewalt als unsere Kinder. Der Stellenwert von Kindern und Familien in unserer Gesellschaft wird in dieser Krise leider sehr deutlich.
Gehen die ganzen Maßnahmen vielleicht sogar am Ziel vorbei? Sie sollen die einen berechtigterweise vor dem Virus schützen, machen die anderen aber krank und unglücklich.
Unser Sohn hat mittlerweile 3 Tage gestreikt. Morgen wird ein Plakat gemalt. Ich finde das toll, aber meine Rat-und Hilflosigkeit bleibt!
Liebe Kinder macht euch groß, seid laut, nehmt eure Schultaschen oder euer Sandspielzeug und setzt euch an die Straße. Damit endlich alle verstehen, dass auch ihr wichtig und wertvoll für diese Gesellschaft seid.
(Die erwähnten Namen dienen nur der Veranschaulichung und haben keinen Bezug zu real existierenden Personen.)
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