06/04/2025
Endlich finde ich mal die Zeit, eine ganz besondere Restauration zu präsentieren. Besonders, weil es sich um mein eigenes Instrument handelt, das ich nach vierzig Jahren wiederbekommen habe!
Hier die Story von Anfang an:
Im Herbst 1979 wurde für mich ein Traum wahr. Ich bekam einen Höfner 500/1 - besser bekannt als Violinbass oder auch Beatle-Bass. Die 675 DM konnte ich als fünfzehnjähriger Schüler nicht zusammenbekommen, und so habe ich meinem großzügigen Opa den Kauf zu verdanken. Angeboten wurde der Bass seinerzeit von Rockinger Guitars, die damals noch in Göttingen ansässig waren. Der angebotene Bass hatte von der Company ein paar Modifikationen bekommen, die in erster Linie die Elektronik betrafen. Die Rockinger-Edition besaß zudem noch ein paar Sustainblocks zwischen Boden und Decke - ich mutmaße aber mal, das diese bereits im Höfner-Werk eingebaut wurden.
Die modifizierte Elektronik bestand im Kern aus einem Drehschalter mit zwölf verschiedenen Kondensatoren sowie einem zusätzlichen Out-Of-Phase Schalter. Also alles Features, die eigentlich niemand braucht.
Da ich zwar ein großer Beatles-Fan war, aber mit meiner damaligen Band "Early Birds" auch in Richtung Rockabilly unterwegs war, wollte ich meinen Höfner in Richtung Kontrabass trimmen, und ließ ihn 1981 von Rockinger (die inzwischen in Hannover gelandet waren) bundlos machen. Damit nicht genug. Auf einem Foto von den Beatles sah ich, dass Paul einen naturfarbenen Hals hatte. Meiner war schwarz - ein Indiz für kleine optische Fehler im Holz. Also musste der Lack runter. Seinen endgültigen Zustand bekam mein Bass durch den Einbau neuer Rockinger-Tonabnehmer. Die waren nach einem Sturz mit dem Mofa fällig, bei dem die Kappe des Neckpickups abriss, und der Tonabnehmer in seine Einzelteile zerfiel.
Musikalisch entwickelte ich mich in den Jahren schnell weiter, und nach dem richtigen Kontrabass für die Rock'n Roll Band mussten nun auch "richtige" (sprich: Longscale) E-Bässe her, da meine neuen Vorbilder nun Stanley Clarke und Jaco Pastorius waren. Also gab ich meinen Höfner 1983 bei Menz in Peine gegen einen Ibanez Musician Bass in Zahlung. (Den Ibanez habe ich auch heute noch.)
Dann verlor sich die Spur bis kurz vor Weihnachten 2023, als bei Ebay Kleinanzeigen ein Höfner auftauchte, den ich aufgrund der Umbauten schnell als meinen alten Bass identifizierte. Ich nahm aus Neugier Kontakt zu dem sehr netten Verkäufer aus der Nähe meiner alten Heimatstadt auf, und nach einem gemütlichen Abend in seiner Küche, wo wir ausgiebig über die Peiner Musikszene der frühen Achtziger plauderten, verließ ich sein Haus mit meinem Höfner Bass, von dem ich mich vierzig Jahre zuvor schweren Herzens getrennt hatte.
Nun ging aber die Arbeit los. Der Bass war in einem jämmerlichen Zustand, da er die vierzig Jahre unbenuzt in einem Keller herumlag. Die Elektronik war defekt, die Pickups gaben keinen Mucks mehr von sich, und bundlos sollte er auch nicht bleiben. Was alles zu tun war, zeigt die Fotostory.
Viel Spaß!