16/10/2026
Viele Lieferantenbewertungen beginnen mit einer ABC-Analyse nach Einkaufsvolumen. Das ist schnell gemacht und für die Preisverhandlung sinnvoll. Für die Steuerung von Risiken führt es jedoch häufig in die falsche Richtung.
Ein typisches Bild aus der Auditpraxis: Ein Gusslieferant wird seit Jahren als B-Lieferant geführt. Das Einkaufsvolumen ist überschaubar, die Bewertung unauffällig, das letzte Audit liegt fünf Jahre zurück. Dann fällt sein Unterlieferant nach einem Hochwasser aus. Sechs Wochen lang fehlen Gehäuse, für die es keinen freigegebenen Zweitlieferanten gibt. Der Lieferant war klein – aber hochkritisch.
Die Lieferanten mit dem größten Risiko findet man selten oben in der Umsatzliste. Häufiger sind es:
Single-Source-Lieferanten ohne kurzfristige Alternative
Lieferanten sicherheits- oder zulassungsrelevanter Teile
Hersteller mit eigenem Werkzeug und langer Wiederbeschaffungszeit
Lieferanten in Regionen mit erhöhten Länder-, Klima- oder Sorgfaltsrisiken
Was sich in der Praxis bewährt:
Erst die Warengruppe nach Kraljic einordnen, dann jeden Lieferanten einzeln nach seinem Risiko bewerten.
K.-o.-Kriterien vor jede Punktbewertung stellen. Ein guter Preis darf eine Versorgungsabhängigkeit nicht ausgleichen.
Lieferant und Warengruppe getrennt betrachten. Derselbe Lieferant kann für ein Teil unkritisch und für ein anderes hochkritisch sein.
Das Auditprogramm aus der Risikoeinstufung ableiten, nicht aus der Umsatzliste.
Auch die ISO 9001:2026 bleibt hier eindeutig: Art und Umfang der Steuerung externer Anbieter richten sich nach dem Risiko, nicht nach dem Volumen.
Wie stuft ihr eure Lieferanten ein – nach Volumen, nach Risiko oder bereits nach beidem?