12/08/2026
Eine Beziehung muss nicht toxisch sein, damit sie dir nicht mehr guttut.
Dieser Gedanke klingt zunächst ziemlich einfach.
Und trotzdem erlebe ich in meinen Coachings immer wieder, wie schwer es Menschen fällt, ihn wirklich für sich gelten zu lassen.
Denn wir suchen Gründe.
War es wirklich schlimm genug?
Habe ich genug versucht?
Bin ich vielleicht einfach zu empfindlich?
Darf ich eine Freundschaft oder Beziehung wirklich beenden, obwohl der andere gar nichts „Schlimmes“ getan hat?
Gerade nach emotional belastenden oder toxischen Beziehungserfahrungen kann dahinter etwas sehr Tiefes liegen:
Wir haben verlernt, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.
Dann fragen wir nicht mehr: „Wie geht es mir eigentlich in dieser Beziehung?“
Sondern: „Kann ich beweisen, dass ich mich so fühlen darf?“
Und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Eine Beziehung braucht keinen großen Knall, damit du irgendwann feststellen darfst:
Ich werde hier kleiner.
Ich passe mich ständig an.
Ich kontrolliere meine Worte.
Ich wappne mich vor Begegnungen.
Ich bin danach regelmäßig erschöpft.
Vielleicht ist deshalb eine der wichtigeren Fragen nicht: „Ist dieser Mensch toxisch?“
Sondern: „Wie oft muss ich mich selbst verlassen, damit diese Beziehung bestehen bleiben kann?“
Und nein: Das bedeutet nicht, beim ersten Konflikt zu gehen.
Gesunde Beziehungen sind nicht konfliktfrei.
Sie sind reparaturfähig.
Wir dürfen einander verletzen und missverstehen. Entscheidend ist, was danach passiert: Gibt es echtes Interesse an meiner Perspektive? Darf meine Wahrnehmung neben deiner existieren? Können wir wieder Verbindung herstellen?
Manchmal wächst Beziehung genau daran.
Und manchmal entsteht etwas anderes: leise Klarheit.
Ich habe gesprochen.
Ich habe versucht.
Ich habe verstanden.
Und ich möchte mich nicht länger selbst verlassen, damit diese Beziehung bestehen bleibt.
Doch während ich über dieses Thema nachgedacht habe, wurde mir noch etwas anderes bewusst: Diese Freiheit gilt in beide Richtungen.
Auch andere Menschen dürfen eine Beziehung mit mir beenden, obwohl ich ihre Gründe vielleicht nicht verstehe.
Ich darf traurig darüber sein.
Ich darf mir ein Gespräch gewünscht haben.
Ich darf die Art ihres Gehens verletzend finden.
Und trotzdem irgendwann anerkennen: Ich darf bedauern, WIE jemand gegangen ist, ohne infrage stellen zu müssen, DASS er gehen durfte.
Vielleicht beginnt genau dort Frieden.
Nicht jedes Ende braucht mein Verständnis, um von mir akzeptiert werden zu können.
Über diese leise Klarheit, unser Nervensystem und den Unterschied zwischen Selbsttreue und Vermeidung habe ich einen neuen Blogartikel geschrieben:
👉 Eine Beziehung muss nicht toxisch sein, damit sie dir nicht mehr guttut
Den vollständigen Artikel findest du hier:
https://www.ina-aurin.de/blog/beziehung-loslassen-nicht-toxisch
Und mich interessiert:
Was ist für dich schwieriger – dir selbst zu erlauben, eine Beziehung loszulassen, oder zu akzeptieren, dass ein anderer Mensch diese Entscheidung für sich treffen darf?
Für ein Leben im Goldseele Flow, deine Ina 💛
Foto: Bernd Korte