05/10/2022
„Mit jeder Geburt verändert eine Frau ihre Persönlichkeit“
Als ich das zuletzt gelesen habe, habe ich angefangen darüber nachzudenken.
Wer ich einmal war bevor ich 2 Töchter geboren habe. Wer ich nach der Geburt von Leni geworden bin und wie ich mich nach Marlie‘s Geburt verändert habe.
Früher war ich frei, hatte unfassbar viel Energie für Ideen, war kreativ und in vielen Dingen unkonventionell.
Ich konnte nächtelang auf Festivals herumtanzen, habe viel gearbeitet und hatte wenig Angst.
Alleine mit dem klapprigen Bulli durch Vancouver Island? Kein Ding.
Alleine spontan nach London um in einem Club zu tanzen? Klar!
Und ich glaubte daran, dass das Leben nur Gutes für mich bereit hält.
Mit Lenis Geburt wurde ich durchgerüttelt.
Ich lernte mit viel Verantwortung umzugehen.
Ich lernte wirkliche Sorgen kennen. Das hat mich verändert. Ich verlor an Leichtigkeit aber gewann an der Fähigkeit bedingungslos zu lieben. Mit Haut und Haaren. Und ich lernte, dass die Welt nicht immer rosarot sein kann. Dass man für manche Dinge hart kämpfen muss. Dass es Menschen gibt, die Hilfe brauchen, um gesehen zu werden in der Gesellschaft. Und dass Gesundheit das höchste Gut ist.
Marlie‘s Geburt und ihr so unerwarteter Tod haben mich trauriger gemacht. Ich weiß nun, dass das Leben nicht für jeden ein gutes Ende bereit hält und dass es kein Konto für Schicksalsschläge gibt, was irgendwann ausgereizt ist. Ich bin ängstlicher gewordener.
Aber zum ersten Mal in meinem Leben nehme ich mir richtig Zeit. Für mich. Um mich und mein Leben zu hinterfragen. Ich sehe die Schönheit im Herbst. Und frage mich, wieso ich mir bisher nie Zeit genommen habe, um stundenlang spazieren zu gehen und im Auto Musik zu hören.
Wenn nichts mehr selbstverständlich ist, ist alles was man hat umso wertvoller. Ich vermisse die alte Dani sehr. Ihre Freiheit und Leichtigkeit. Aber tauschen möchte ich nicht mehr mit ihr. Denn heute sehe ich, was ich vorher nie sehen konnte. Und das ist ein großes Glück.