16/06/2026
Bilder sind niemals neutral. In dem Moment, in dem wir den Stift auf das Papier setzen oder das Tablet einschalten, treffen wir Entscheidungen. Wir entscheiden, wer sichtbar ist und wer unsichtbar bleibt.“
Das sagt Martin Böer, bikablo-Trainer, Illustrator und Dozent an der ecosign in Köln. Wir haben ihn dazu befragt, wie er die Rolle von Visualisierenden in der heutigen Zeit versteht. In diesem Beitrag richtet er sich direkt an euch und teilt seine Perspektiven über Inklusive Bildsprache und Visual Facilitation inmitten einer chaotisch erscheinenden Welt.
"Als visuell arbeitende Menschen seid ihr weit mehr als Dienstleister:innen, die Inhalte hübsch aufbereiten. Ihr seid Chronist:innen eurer Zeit. Jede Ära hat ihre eigene Bildsprache, und die Strömungen, die wir heute erleben, verlangen von uns etwas sehr Wichtiges: ein echtes Bewusstsein für unsere visuelle Philosophie.
🔹Die inklusive Bildsprache
Lange war die kommerzielle Visualisierung geprägt von visuellen Abkürzungen. Um Führungskräfte, Teams oder Familien darzustellen, griff man zu veralteten Stereotypen – weiß, schlank, männlich dominiert oder ohne Einschränkungen. Doch zeitgemäßes Visualisieren zeichnet sich durch sensible Inklusion und echte Diversität aus. Es geht darum, Vielfalt organisch und respektvoll zu erzählen. Wie stellen wir Herkunft, Genderidentitäten und Barrierefreiheit dar, ohne in neue Klischees zu verfallen? Das erfordert Recherche, Empathie und das permanente Hinterfragen der eigenen Sehgewohnheiten. Wenn wir lernen, die Welt in ihrer Komplexität abzubilden, geben wir Menschen eine visuelle Heimat. Unsere Bilder haben die Kraft, das Normalitätsgefühl einer ganzen Generation positiv zu prägen.
🔹Visual Facilitation
Wir leben in einer Welt, die unter einem steten Informationsüberschuss leidet. Die Krisen und Diskurse unserer Gegenwart – sei es digitaler Wandel, Nachhaltigkeit oder abstrakte Datensätze – sind so vielschichtig, dass Sprache allein oft an ihre Grenzen stößt. Menschen fühlen sich in Beruf und Alltag schnell überfordert. Hier setzen wir an.
Wo seht ihr den Impact von Gestaltenden?