05/06/2026
Die Natur heutiger Transformationen: Von außen polierter Prozess, aber wirkungslos.
Am dritten Tag im Berliner Workshop verändert sich die Stimmung im Raum auf eine Weise, die schwer sauber zu beschreiben ist. Nicht dramatisch. Niemand eskaliert. Niemand verlässt den Raum. Und trotzdem wirken die Gespräche irgendwann anders als am ersten Morgen.
Langsamer vielleicht. Weniger überzeugt von sich selbst. Vorne hängt das Transformation Process Model an der Wand. Über manche Begriffe wurde mehrfach geschrieben. „Commitment“ ist irgendwann nachgedunkelt, weil jemand das Wort mehrmals nachgezogen hat. Daneben stehen Pfeile Richtung „Vermeidung“ und „Arena“, halb ergänzt, halb wieder verworfen.
Denn natürlich können Organisationen heute Transformation. Zumindest nach außen. Die meisten Unternehmen haben inzwischen eine erstaunlich professionelle Sprache dafür entwickelt. Es gibt Beteiligungsformate, Kulturprogramme, Führungsleitbilder, Change-Architekturen und inzwischen ganze KI-Initiativen, die sauber erklären, wie Zusammenarbeit, Lernen und Zukunft künftig aussehen sollen.
Manchmal wirkt das alles fast ein wenig zu glatt. Und genau dort beginnt für mich inzwischen der interessantere Teil. Nicht bei der Frage, ob Unternehmen sich verändern wollen. Sondern bei der Frage, was unter Druck tatsächlich passiert, während gleichzeitig weiter über Veränderung gesprochen wird.
Denn Systeme lernen sehr schnell, wie moderne Transformation aussieht. Wie man Offenheit formuliert. Wie man Dynamik erzeugt. Wie man Menschen beteiligt. Wie man Unsicherheit professionell begleitet.
Schwieriger wird es dort, wo eine Gruppe gemeinsam wahrnehmen müsste, welche Bewegungen parallel weiterlaufen. Wer vorsichtiger wird. Welche Entscheidungen plötzlich länger abgesichert werden als nötig. Warum Meetings voller Aktivität wirken können, während innerlich kaum noch jemand wirkliche Risiken eingeht. Und weshalb manche Organisationen irgendwann beginnen, Veränderung so perfekt zu organisieren, dass gerade dadurch kaum noch echte Bewegung entsteht.
Das Merkwürdige daran ist: Die wenigsten dieser Muster wirken offen destruktiv. Meistens wirken sie vernünftig. Gut begründet. Professionell. Genau deshalb bleiben sie oft so lange unsichtbar.
Mich beschäftigt seit diesen Tagen in Berlin jedenfalls weniger die Frage, wie Transformation schneller wird. Sondern eher, ab welchem Punkt Organisationen beginnen, die Inszenierung von Veränderung mit Veränderungsfähigkeit selbst zu verwechseln.
Wo steckst Du gerade: In der Inszenierung oder in der wirksamen Veränderung?
Den ausführlicheren Wachstums-!mpulse-Blogartikel mit vertiefenden Gedanken findest Du dazu hier: https://www.frankschmidt.de/blog/
Schönes Wochenende sobald es beginnt!