30/07/2026
Warum Trainings zu oft Wirkung hemmen
Es gibt einen Moment, der fast immer übersehen wird. Der Moment nach einem Strategietag, wenn die Führungsgruppe den Raum verlässt. Jeder nickt. Jeder sagt: „Passt. Wir machen das." Und dann sitzt jeder an seinem Schreibtisch und versteht etwas anderes.
Der erste Impuls ist, die Teams zu schulen. Das "Mindset" zu ändern. Widerstände abzubauen. Es ist ein guter Impuls. Es ist nur meistens falsch.
Weil der echte Widerstand nicht in den Köpfen der Teams sitzt. Er sitzt in den Strukturen, die du gebaut hast. In Zielsystemen, die das Gegenteil belohnen. In Informationsflüssen, die nicht funktionieren. In Entscheidungsbefugnissen, die unklar sind. Die Teams reagieren nicht falsch. Sie reagieren rational auf die Signale, die von dir kommen.
Und genau hier ändert sich etwas Fundamentales in der Art, wie du führst.
Wenn du merkst, dass etwas nicht läuft, hast du zwei Optionen. Die erste ist schnell und gaukelt Aktion vor. Die zweite ist wirksam. Die meisten wählen die erste.
Erste Option: Du deutest das Problem und reagierst sofort. Skeptische Teams brauchen ein Mindset-Seminar. Widerstand entsteht, weil Menschen zu wenig verstanden haben. Führungskräfte sind zu zögerlich, weil sie kein Leadership-Entwicklung hatten. Die Diagnose folgt schnell. Und die Maßnahmen danach.
Die zweite Option ist anders. Wenn du merkst, dass eine Gruppe nicht mitgeht, hältst du inne. Du fragst: „Welche Struktur produziert dieses Verhalten eigentlich?" Du fragst nicht: „Wie trainiere ich das weg?" Du fragst: „Wie musste ich bauen, damit diese rationale Antwort entsteht?"
Ja, das ist unbequem. Weil die Antwort fast immer lautet: Du hast die Struktur gebaut oder mitgebaut. Das ist nicht böse. Aber es ist deine Mit-Verantwortung.
Ein Vertriebsteam, das Bestandskunden nicht hält? Vielleicht zahlt sich Neugeschäft drei Mal besser aus. Ein Führungsteam, das sich widerspricht? Vielleicht sind die Entscheidungsbefugnisse so nebulös, dass jeder aus anderen Prämissen handelt. Ein Projekt, das stockt? Vielleicht brauchst du neun Monate Budgetierung für etwas, das nächsten Monat Bewegung zeigen soll.
Das alles sind keine menschlichen Persönlichkeits- und Kompetenzdefizite. Das sind Struktur-Probleme. Und die löst du nicht mit Schulungen.
Wenn du anfängst, Widerstand so zu lesen, dann veränderst du, wie du denkst. Du hörst auf zu sagen: „Wir brauchen ein Change-Programm." Du fragst stattdessen: „Wo muss ich etwas justieren, damit die Ebenen wieder zusammenarbeiten?"
Das ist aus meiner Erfahrung echte Führung. Und es beginnt, wenn du aufhörst, dich und deine Teams impulshaft zu schulen, und anfängst, die Systeme zu sehen, die du selbst geschaffen hast.
Wie diese Sichtweise praktisch funktioniert, findest Du morgen in meinem Wachstums!impulse Blog hier: https://www.frankschmidt.de/blog/
Wo hast du zuletzt Widerstand trainiert, statt den Rahmen zu justieren?