14/08/2016
Der Iliopsoas !
Einer der wichtigsten Muskeln für das Pferd und auch für seinen Reiter.
Teil I
Heute geht es um die Funktion von diesem Muskel für den Reiter.
Denn er hat großen Einfluss auf das Becken, die Bauchmuskulatur und vor allem den stabilen Sitz des Reiters auf dem Pferderücken.
Der Musculus Iliopsoas ist der kräftigste Beuger im Hüftgelenk und ist daher ein wichtiger Muskel für das Stehen, Gehen und Laufen. Als typischer Haltemuskel mit überwiegend langsam zuckenden roten Muskelfasern neigt er jedoch zu Verkürzungen und muss daher regelmäßig gedehnt werden.
Zudem ist er einer der Hauptauslöser von Rückenschmerzen. Und wer kennt diese Schmerzen nicht ?!
Vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule sind unspezifische Rückenschmerzen kein seltenes Problem.
Sehr selten sind spezifische Ursachen wie ein Bandscheibenvorfall oder eine Infektion für die Schmerzen verantwortlich. In 98% der Fälle sind Rückenschmerzen auf Spannungsstörungen oder Degenerationen in der Muskulatur zurück zu führen.
Nicht zuletzt ist unser bewegungsarmer Lebensstil daran schuld -> denn ein gesunder schmerzfreier Körper braucht gesunde und kräftige Muskulatur.
Aber warum ausgerechnet der Iliopsoas ?
Den Iliopsoas betrachten wir eng mit genau diesem Lebensstil.
Man kann es drehen und wenden wie man will -> der Mensch sitzt zu viel.
Ob auf der Arbeit, im Auto, abends auf der Couch, am Esstisch oder eben bei unserem Hobby, das Reiten.
Mit der Sitzhaltung geht eine konstante Hüftbeugung einher.
Und da wären wir beim Iliopsoas - dem stärksten Hüftbeuger !
Die Lage des Iliopsoas.
Dieser Muskel sitzt sehr tiefliegend im Darmbein- und Hüftbereich.
Er besteht aus zwei Anteilen. Dem M. Iliacus, der die Innenfläche des Darmbeins ausfüllt, und dem M. Psoas der seinen Ursprung höher an den Querfortsätzen der Lendenwirbelkörper hat.
Wie funktioniert er ?
Beide Anteile ziehen gemeinsam, von innen kommend, hinten an den oberen Abschnitt des Oberschenkelknochens. Dadurch kann er neben der Wirkung als Hüftbeuger, auch das Bein nach außen drehen.
Und woher nun der Rückenschmerz?
Dies kann schon durch den Ursprung des Psoas erahnt werden, der sich ja wie eben beschrieben im Lendenwirbelbereich befindet. Zudem muss man verstehen, das ein Muskel, der schwach oder verkürzt ist schlecht ausgeprägt und schlecht ansteuerbar ist.
Der Iliopsoas kann also durch die dauernde Sitzhaltung verkürzen (passive Beweglichkeit) aber auch zu schwach ausgeprägt und ansteuerbar sein (aktive Beweglichkeit).
Und so könnt ihr euren Iliopsoas testen:
Passive Beweglichkeit; dazu legt euch auf den Rücken und zieht mit beiden Händen ein Knie an die Brust. Hebt sich dabei das andere langgestreckte Bein vom Boden ab, liegt eine Verkürzung vor. Ist eine Verkürzung fortgeschritten kann diese bereits optisch durch eine Beckenkippung nach vorne erkannt werden -> ein Hohlkreuz entsteht.
Aktive Beweglichkeit; stellt euch hierzu mit dem Rücken an die Wand, das Steißbein behält durchgehend Kontakt zur Wand.
Nun hebt ihr ein Knie über 90 Grad an. Ist die Bewegung nicht über 90 Grad möglich, wird über ein seitliches Abknicken der Hüfte kompensiert. Oder dein Knie sinkt nach 15-20 Sekunden bis zur 90 Grad Position ab. Dann ist dein Iliopsoas zu schwach.
Um eine gesunde Beweglichkeit und Kraft in der Hüfte zu erhalten bzw wiederzugewinnen kann jeder selbst einiges tun.
Weniger sitzen wäre das Einfachste, aber oft nicht möglich. Doch beginnt mobil zu sitzen und ändert häufig eure Position beim Sitzen.
Zudem beginnt euren Bewegungsspielraum in der Hüfte vollständig auszunutzen. In Workouts werden hierfür gerne korrekte und tiefe Squats verwendet. Doch auch im Alltag könnt ihr beginnen aus der Beinkraft vollständig in die Hocke zu gehen und euch mit eben dieser Kraft wieder aufzurichten.
Vom Becken zum Bauch!
Und nun wird es noch komplexer. Denn auch eine starke Bauchmuskulatur ist wichtig für den Erhalt von der Hüft- und Lendenwirbelsäulenfunktion.
Einmal zur Veranschaulichung:
Schwache Bauchmuskulatur erlaubt dem Becken vor zu kippen
-> diese Beckenkippung lässt eine Verkürzung bzw Deaktivierung des M. Iliopsoas zu
-> dies hemmt nun die Aktivierung der Gesäßmuskulatur
-> Ausbleiben der Gesäßmuskelaktivierung und der verkürzte Iliopsoas verhindern eine korrekte, komplette Hüftstreckung
-> dadurch begeben sich die Lendenwirbel in eine nicht funktionelle Streckung (als Ausgleich) = ein Hohlkreuz entsteht um die fehlende Streckung in der Hüfte auszugleichen.
Somit gilt, die Kraft der Bauchmuskulatur und die Hüft- bzw. Beckenmobilität sind eng miteinander verbunden.
Das heißt aber auch, das Problem liegt nicht immer da wo der Schmerz sitzt.
Was nun eine perfekte Überleitung zum Pferd wäre, denn hier sitzt das Problem schließlich auch oft im Sattel ;-)
Und wenn der Störfaktor Mensch auch noch einen verkürzten Iliopsoas hat, eine schwache Bauchmuskulatur, eine eingeschränkte Beckenmobilität und einen instabilen Oberkörper. ... Dann wird es Zeit für BE in Balance 😉
Quellen der Abbildungen:
"Prometheus - LernAtlas der Anatomie, 2. Auflage" 2009, von Markus Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher, Markus Voll und Karl Wesker.
"ABC OF THE HORSE Atlas" 2002, von Pauli Grönberg.