19/04/2021
Wie ist das mit den Werten, den Menschen und den echten Freundschaften und so….
Normal soll man nichts erwarten und mir ist durchaus bewusst, dass jeder anders tickt.
So hole ich einfach mal etwas weiter aus, aus meiner vergangenen Zeit.
Durch das, was ich erlebt habe, hat sich sicherlich eine Struktur bei mir eingeschlichen, die gegen meine eigentlichen Werte geht. Ich war früher ein Mensch, der alles getan hat, wenn man mit mir befreundet gewesen ist. Also, fahr mich von A nach Z und fahr dafür 50km Umweg…Jupp…geht klar. Nadia, reiß Dir ein Bein aus, um meinen Erwartungen und Wünschen gerecht zu werden….aber sicher doch, das machen wir, schließlich war meine Prägung „Du tust nicht genug, also mach mehr, um geliebt zu werden“…und, nicht vergessen, immer höflich Fragen, ob es dem anderen passt, was ich tue.
Ich habe dann mal von einer „ganz klugen Frau“, die meiner Meinung nach als Mentor/Coach/Therapeutin völlig fehl am Platze war, suggeriert bekommen „Du wirst nicht geliebt, weil Du zu wenig dafür tust“…. yeah, da isser wieder der alte Satz aus der Kindheit.
Warum muss man tun, um geliebt zu werden, warum darf man nicht so sein, wie man ist, um wahrlich geschätzt zu werden. Mitläufer, Schauspieler, Popokriecher (ich bleibe mal freundlich) und Intriganten gibt es doch genug.
Als Kind wurde ich abgelehnt, weil ich anders war. Anders im Aussehen, im Namen, im Handeln, weil ich auf andere Dinge mehr Wert gelegt habe und, weil ich eine andere Meinung hatte. Also, entwickelt sich daraus eine Struktur „passe Dich an, um geliebt zu werden“. Wobei ich vielleicht gar nicht so anders war als jetzt. Ich passte nur nicht in das Begrenzungsdöschen der anderen und ehrlich gesagt hat es keinen interessiert, wofür ich wirklich brenne.
Was passiert also? Man funktioniert so, wie es für andere passt und, wenn das Gegenüber das rausbekommt hat er einen Lastenmuli fürs Leben entdeckt. Lediglich den, den es betrifft, der hockt in einer Schleife drinnen, hechelt fein nach Aufmerksamkeit und freut sich, dass er dem anderen eine Gefälligkeit nach der anderen tun konnte ohne je zu verlangen, weil….wir wissen ja „stelle keine Erwartungen“
Was ist, wenn wir schon unsere Erwartungen stellen dürfen, aber nicht was das Materielle angeht, sondern was Werte und Anstand angeht. Gegenseitiger Respekt, Rücksichtnahme, Achtsamkeit, Vertrauen, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit….etc.
Durch das Erlebte habe ich früher Menschen in mein Leben gezogen, die das voll ausnutzten. Klar, ich hechelte ja förmlich danach, mir das Stöckchen zu werfen, damit ich es brav vor die Füße legen kann. Irgendwann habe ich mich dazu entschlossen, dass ich das doof finde und dann eher ohne Freunde bleibe. Mit der Einsamkeit arrangierte ich mich. Ein Blick in die Augen meines damals ersten Hundes und alle Tränen des „ewigen Gefallen müssen“ liefen über 2 Std aus mir raus, mitten am Frühstückstisch, das ist jetzt 9 Jahre her. Ich nahm den Satz wahr „allein zu sein, bedeutet nicht einsam zu sein“. So entschied ich mich, wer aus meinem Feld gehen möchte, kann gehen, ohne dass ich ihn halten werde.
Seitdem kamen immer mal wieder Menschen in mein Feld, gingen aber auch recht schnell wieder, weil man merkte, das Gegenseitige fehlt. Hier geht es nicht um Ausgleich, der sofort kommen muss,…es muss einfach passen. Innerlich muss es auf beiden Seiten passen und die Waage sich ausgleichen, ohne dass man eine Liste führt. Egal in welchen Bereichen, im Austausch, im Geben, im Nehmen und im Auskotzen bei seinen eigenen Themen.
Ich hab vielleicht 5 Menschen in meinem Feld, da ist der Austausch nährend, da vergisst man die Zeit, da erwartet man nichts, sieht sich aber GleichWertig….hat gewisse Werte auf die man wirklich wert legt. Da ist man durchaus auch mal unterschiedlicher Meinung, lässt es aber so stehen ohne gleich daran denken zu müssen, dass die Freundschaft darunter leidet oder man sich persönlich angegriffen fühlt.
Diese Erfahrung ist keine einzelne Erfahrung, denn die Menschen in meinem Feld sind ebenfalls enttäuscht worden und können ähnliche Geschichten berichten. Menschen, die zu mir in die Praxis kommen, beanstanden eine einseitige Beziehung zu führen (Beziehung gilt für alle Bereiche), nicht gesehen, nicht geliebt zu werden und doch alles tun zu müssen, um gesehen zu werden. Wenn ich mich für etwas aufopfere, dann ist es das, meiner Meinung nicht wert.
Dabei geht es meiner Meinung nur um eins, sich selbst nicht zu verlieren und sich treu zu bleiben. Mir hat es unwahrscheinlich geholfen, dass ich mir erstmal bewusst wurde, auf welche Werte ich wert lege, also so ganz altmodische Dinge, wie Respekt, Vertrauen, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Aufrichtigkeit. Natürlich war es auch wichtig den alten Sc***ss, der sich aus der Vergangenheit als Struktur eingeschlichen hat, zu bearbeiten, um erstmal sich zu finden. Also, tief drinnen, den Kern auszupacken und zu schauen in welchen Farben er leuchtet, um ggfls. die passenden Farben anzuziehen.
Und wisst ihr was? Die 5 Menschen machen mich äußerst glücklich, weil sie mich so sein lassen wie ich bin…wie ich es umgekehrt auch tue. Sie wissen was es heißt ihre Werte zu kennen und vor allem danach zu leben. Keiner dichtet dem anderen etwas an, wenn es der eigenen Vorstellung widerstrebt, weil der andere wirklich danach lebt, ohne abgehoben zu wirken.
Ich bin überzeugt, dass diese 5 Menschen in meinem Leben bleiben, weil man einfach zu ähnlich tickt, da würde was fehlen. Seitdem ich mich lebe, so wie ich wirklich bin, ziehe ich auch viel mehr Menschen an, die echtes Interesse haben und ähnlich ticken. Ich bin auch überzeugt, dass sicherlich der ein oder andere neu dazukommen wird…wo man sich vorsichtig annähert und schaut, ob´s funktioniert im Miteinander und wenn nicht, dann begleitete man sich eben ein Weilchen, bis sich die Wege wieder trennen…ohne etwas hinterherlaufen zu müssen.
Man braucht sich den Farben der anderen nicht anzupassen, um geliebt zu werden…ganz im Gegenteil…man darf durchaus erstmal sein eigenes Leuchten sehen und sich dann die Farben aussuchen, die das eigene Leuchten unterstreichen und die Gemeinsamkeit es stärker macht, statt es zu verdecken. So darf man sich eben den wahren Wert einer authentischen „Beziehung“ durchaus auch bewusst sein und sie zu schätzen wissen.
Eine echte Beziehung ist wie eine seltene Perle….kostbar, selten und darf achtsam behandelt werden, damit sie nicht an Farbe verliert und verblasst.
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Text Nadia Neumann, darf bei Bedarf gern geteilt werden
Bild von Schäferle auf Pixabay