06/06/2026
Manchmal ist die größte Falle beim Motorradkauf für Fahranfänger nicht zu wenig Leistung, sondern ein kleines Monster namens Ego.
Kaum ist der Führerschein frisch gedruckt in der Tasche, verwandeln sich einige Fahranfänger schlagartig in Motorradkritiker auf Weltmeisterschaftsniveau.
„Wie viel PS hat die?“
„Wie schnell läuft die?“
„Klingt die beim Gasgeben nach Weltuntergang?“
Das sind plötzlich die entscheidenden Fragen.
120 PS? Klingt vernünftig.
150 PS? Noch vernünftiger, man will ja auch mal überholen.
200 PS? Endlich ein echtes Anfängerbike.
Und irgendwo aus der hintersten Ecke des Motorradladens meldet sich eine leise Stimme:
“Entschuldigung… kommst du auf dem Ding eigentlich mit beiden Füßen auf den Boden?”
Diese Stimme wird selbstverständlich ignoriert. Schließlich geht es hier um Emotionen, nicht um Logik.
Dabei wären die wirklich wichtigen Fragen ganz in diesem Moment ganz andere:
✔️ Fühle ich mich auf dem Motorrad sicher?
✔️ Kann ich es problemlos halten, wenn die Straße plötzlich schräg wird?
✔️ Bekomme ich beim Rangieren keinen spontanen Bandscheibenvorfall?
✔️ Verzeiht mir das Motorrad auch mal einen Anfängerfehler?
Denn das beste Anfängerbike ist selten das Motorrad, das vor dem Eiscafé die meisten Handys zückt. Es ist das Motorrad, das dich nach jeder Tour mit einem breiten Grinsen nach Hause bringt.
Weil man lernt Motorradfahren nämlich nicht auf dem Datenblatt, man lernt es in Kurven, beim Bremsen, beim Blick durch die Kurve, beim Rangieren auf Schotter und manchmal auch beim äußerst eleganten Umfaller im Stand, während drei Rentner und ein Dackel zuschauen, weil man ans Weberli in der Jackentasche denk und mit eingeschlagenem Lenker die Vorderradbremse zieht. „Hab ich jedenfalls gehört“ 🙄🙄
Genau deshalb sind viele vermeintlich kleine Motorräder oft die größeren Lehrer. Ein Bike, das Vertrauen schafft, macht aus einem Anfänger einen Motorradfahrer. Ein Bike, das permanent Unruhe einflößt, macht dagegen vor allem eines: nervös.
Die Meisten steigen nach ein oder zwei Jahren auf etwas Größeres um. Die Fahrpraxis, die sie bis dahin gesammelt haben, bleibt jedoch für immer.
Deshalb ist mein Rat an alle Fahranfänger:
Kauft nicht das Motorrad, mit dem ihr andere beeindrucken wollt. Von denen gibt es derzeit eh schon viel zu viele die es nicht können.
Kauft das Motorrad, auf dem ihr Motorradfahren lernt. Denn es interessiert eh niemanden, wie viele PS auf dem Papier stehen. Aber ihr werdet euch immer gerne daran erinnern, wie viel Spaß ihr auf eurem ersten Motorrad hattet.
🏍️ Mein erstes Motorrad war übrigens eine CB400N. Nicht besonders schnell, nicht besonders spektakulär aber ein verdammt guter Lehrer. Sie hat mir mehr beigebracht als jedes Datenblatt dieser Welt.
Und wie war euer erstes Motorrad? Perfekter Lehrer oder Charakterprüfung auf zwei Rädern? 😄