26/08/2026
PRIMA: Netzhaut-Chip bringt verlorene Sehkraft teilweise zurück
Weltweit sind über fünf Millionen Menschen von geografischer Atrophie durch altersbedingte Makuladegeneration (AMD) betroffen. Ihre zentrale Sehkraft ist dadurch bislang weitgehend unumkehrbar verloren.
Das US-Unternehmen Science Corporation hat für PRIMA, ein Chip-Implantat zur Wiederherstellung der Zentralsicht, jetzt die CE-Kennzeichnung von DEKRA erhalten, gültig in 30 europäischen Ländern. Die erste kommerzielle Implantation ist in Kürze in Deutschland geplant.
Im Zentrum steht ein 2x2 Millimeter kleines, subretinales photovoltaisches Implantat. Eine spezielle Brille projiziert Nahinfrarotlicht auf den Chip, der verbliebene Netzhautzellen stimuliert. Die Signale gelangen anschließend über den Sehnerv zum Gehirn. Die Brille verfügt zudem über eine Zoom-Funktion, um Text gezielt zu vergrößern.
In einer Studie verbesserte sich die Sehschärfe der Patienten im Schnitt um 25,5 Buchstaben auf der ETDRS-Tafel, das sind mehr als fünf Zeilen. 84 Prozent der Teilnehmenden konnten danach wieder Zahlen und Buchstaben/Wörter lesen. Ihre natürliche Restsehkraft blieb erhalten.
Für Menschen mit fortgeschrittener AMD, einer der häufigsten Erblindungsursachen weltweit, eröffnet dies die Möglichkeit, nicht nur wieder lesen, sondern auch Gesichter wieder besser erkennen zu können. In den USA läuft parallel das FDA-Zulassungsverfahren. PRIMA trägt dort bereits den Status eines Breakthrough Device.
Damit rückt eine medizinische Lösung näher, die über die Augenheilkunde hinausweist: Bioelektronische Implantate und Gehirn-Computer-Schnittstellen übernehmen zunehmend Funktionen, die der Körper selbst nicht mehr leisten kann.